Sexy Stars verschwinden & Hundemörder läuft in "Under the Silver Lake" herum

Berlin - Komplett irre! Im Kinofilm "Under the Silver Lake" geht es um einen Hundemörder, Verschwörungstheorien, versteckte Code-Botschaften und verführerische Frauen.

Sam (Andrew Garfield) ist von der bildschönen Sarah (Riley Keough) völlig hingerissen.
Sam (Andrew Garfield) ist von der bildschönen Sarah (Riley Keough) völlig hingerissen.  © PR/A24

Im Mittelpunkt der Geschichte steht allerdings der 33-jährige Sam (Andrew Garfield). Der ist ein intelligenter junger Mann, dem jeglicher Antrieb fehlt, der wütend auf die Welt ist und sich nach größerer Bedeutung für sein Dasein sehnt.

Daher interessiert ihn auch nicht, dass er vier Tage vor der Zwangsräumung seiner Wohnung steht!

Anstatt die Rechnungen zu bezahlen, spannt er mit einem Fernglas lieber die bildschöne Sarah (Riley Keough) aus, die im Pool ihre Runden schwimmt.

Als Sams Freundin (Riki Lindhome) klingelt, erwischt Sarah ihn und spricht ihn später darauf an, lädt ihn dennoch in seine Wohnung ein.

Tags drauf ist sie jedoch ausgezogen. Wo ist sie hin?

Da Sam von ihr hingerissen ist, folgt er drei jungen Frauen, die in der Wohnung waren auf eine merkwürdige Hollywood-Party. Dort lernt er eine bezaubernde Tänzerin (Grace Van Patten) und zwei Shooting-Stars (India Menuez und Sydney Sweeney) kennen.

Sam steigert sich danach in wilde Verschwörungstheorien hinein: Medien und Pop-Musik würden versteckt-codierte Botschaften enthalten. Als dann auch noch Frauen verschwinden und Hunde sterben, spielt seine Welt völlig verrückt...

Sind in der Musik der Band Jesus & the Brides of Dracula teuflische Codes versteckt?
Sind in der Musik der Band Jesus & the Brides of Dracula teuflische Codes versteckt?  © PR/A24

So merkwürdig und sprunghaft, wie sich die Geschichte liest, ist sie auch umgesetzt.

Deshalb ist ein äußerst gewöhnungsbedürftiger Film, den Regisseur David Robert Mitchell (It Follows) hier zusammengeschnitten hat.

Denn gerade der Schnitt sorgt für ein geisteskrankes Filmerlebnis, das zwar durchaus faszinierende Einzel-Sequenzen bietet, insgesamt aber viel zu lang (atmig) geraten ist.

Schon der schleppende Beginn weckt nur mühsam das Interesse der Zuschauer, weil er Pseudo-Intelligenz bis in die letzte Pore ausstrahlt - ehe sich das Bild wandelt und der Film stellenweise gute Ansätze hat.

Doch genau das ist das große Problem von "Under the Silver Lake": Er reißt mehrere vielschichtige Themen an, vertieft sie aber nicht, sondern springt zum nächsten weiter.

Das ist mitunter äußerst ärgerlich, weil jede einzelne Idee einen ganzen Film hätte füllen können.

Man muss Mitchell deshalb vorwerfen, dass er es sich ziemlich einfach macht: Er löst die maximal lose miteinander verbundenen Szenen nicht auf und überlässt es der Fantasie der Zuschauer, den wirren Film zu deuten.

Sam (Andrew Garfield) beim Ausspannen seiner Nachbarinnen.
Sam (Andrew Garfield) beim Ausspannen seiner Nachbarinnen.  © PR/A24

Wer daran Gefallen findet, wird "Under the Silver Lake" mögen. Wer mit so einem Film nichts anfangen kann, sollte hingegen einen weiten Bogen um Mitchells Projekt machen, weil er eine (sinnlose) Aneinanderreihung bestenfalls lose miteinander verbundener Szenen ist und damit auf Dauer anstrengt.

Natürlich lässt sich der Film auch in die Richtung deuten, dass er direkt der Fantasie seiner Hauptfigur entspringt, deshalb absichtlich chaotisch und stellenweise komplett unverständlich- und "Under the Silver Lake" einfach nur eine ganz eigene Vision von Mitchell ist.

Doch selbst bei diesem Ansatz stellen sich viele Fragen: Warum etwa geht Sam von einer absurden Party zur nächsten, anstatt sich um seine Mietschulden zu kümmern? Was ist der Antrieb für dieses selbstschädigende Verhalten? Warum rastet er immer wieder so krass und brutal aus? Darauf gibt es keine nachvollziehbare Antwort.

Sam (Andrew Garfield) mit zwei Shooting-Stars (India Menuez und Sydney Sweeney) auf einer Hollywood-Party.
Sam (Andrew Garfield) mit zwei Shooting-Stars (India Menuez und Sydney Sweeney) auf einer Hollywood-Party.  © PR/A24

Einzig die wiederkehrenden Protagonisten sorgen überhaupt dafür, dass es so etwas Ähnliches wie einen roten Faden gibt.

Garfield (The Amazing Spider-Man, SIlence, Hacksaw Ridge) wirft sich in seine Rolle als Loser hinein und legt seine Figur überzeugend wie einen in Trance durch sein Leben wandernden Wirrkopf an.

Auch dank ihm, der abwechslungsreichen Locations, der aufwendigen Garderobe, und der vielen Anspielungen auf Hollywood-Größen wie Alfred Hitchcock, die Pop-Kultur und Videospiele gibt es zumindest einige interessante Sequenzen, wo die Zuschauer merken: Dabei haben sich die Macher etwas gedacht!

Dass MItchell mit den Träumen der Menschen in der Stadt der Engel spielt, ist eine weitere Stärke.

Doch insgesamt funktioniert "Under the Silver Lake" einfach nicht. Er ist zu lang, hat zu viele wirre Einzel-Abschnitte, die zu keinem stimmigen Gesamtfilm zusammenfinden und löst die vielen angerissenen Themen überhaupt nicht auf, sodass man sich am Ende fragt: Was soll das?!

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