Frau auf A3 bei Köln erschlagen: Mangel war laut Behörde Absicht

Köln - Nach dem tödlichen Unfall mit einer Betonplatte auf der A3 bei Köln hat der von der Staatsanwaltschaft beauftragte Gutachter mindestens ein weiteres absturzgefährdetes Teil entdeckt.

Die Betonplatte auf der A3 war am vergangenen Freitag abgestürzt und hatte eine Kölnerin (†66) getötet.
Die Betonplatte auf der A3 war am vergangenen Freitag abgestürzt und hatte eine Kölnerin (†66) getötet.  © Daniel Evers/Wuppervideo/dpa

Er dokumentierte nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur in seinem Vorabgutachten einen bereits verbogenen Schweißanschluss mit erhöhter Rissgefahr an einer benachbarten Betonplatte.

Die gefährlichen Bauteile sollten schnellstmöglich ausgebaut und als Beweismittel gesichert werden, empfahl der Gutachter nach dpa-Informationen.

In seinem Vorgutachten stellt der Ingenieur fest, dass manche Betonplatten rund um die Unglücksstelle korrekt angebracht wurden und andere - darunter die abgestürzte - nicht.

Der Kölner Stadt-Anzeiger hatte berichtet, dass am Bau der Wand eventuell unterschiedliche Unternehmen beteiligt waren, die verschiedene Befestigungssysteme verwendet haben könnten.

Die korrekt angebrachten Bauteile sind nach dpa-Informationen mit bloßem Auge durch einen anderen Abstand zur oberen Kante der Wand zu erkennen.

Update, 19.28 Uhr: Pfusch an sechs weiteren Platten

Der Landesbetrieb Straßen.NRW veröffentlichte am Dienstag Fotos von der falsch angebrachten Betonplatte.
Der Landesbetrieb Straßen.NRW veröffentlichte am Dienstag Fotos von der falsch angebrachten Betonplatte.  © Landesbetrieb Straßen.NRW

Nach dem tödlichen Unfall mit einer Betonplatte aus einer Lärmschutzwand auf der A3 bei Köln geht Straßen.NRW von einem "mit Absicht herbeigeführten Mangel" aus. Der Pfusch sei an insgesamt sechs Betonplatten gefunden worden

Bei der Montage 2007 sei aus Platzgründen eine Halterung nicht fachgerecht angebracht worden, teilte der Landesbetrieb nach ersten Untersuchungen am Dienstag mit.

Eine angeschweißte Hammerkopfschraube in der Verankerung an der Oberseite der Lärmschutzplatte habe nicht die Zugkraft der Platte halten können, heißt es.

Besonders schlimm: "Die gleiche Konstruktion wurde an sechs weiteren Lärmschutzplatten verbaut", teilte der Landesbetrieb mit. Diese Platten sollen jetzt möglich rasch ausgetauscht werden.

So lange muss der Verkehr auf den beiden äußeren Fahrspuren der A3 bei Köln im Bereich der Unfallstelle gesperrt bleiben.

Betonplatte auf A3 wog 6,2 Tonnen

Laut Gutachter wog die abgestürzte Betonplatte etwa 6,2 Tonnen. Sie war als Vorsatzschale vor der eigentlichen Schallschutzwand befestigt. Neben einer abgebrochenen Schraube fand der Gutachter eine deutlich zu kleine Unterlegscheibe.

Die Betonplatte war am Freitag auf das Auto einer 66-jährigen Kölnerin gestürzt, die noch am Unfallort starb. Die Staatsanwaltschaft hat ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung gegen Unbekannt eingeleitet.

Titelfoto: Daniel Evers/Wuppervideo/dpa

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