Unser Schocken hat ’nen Zwilling in...

Architektonisches Schmuckstück: Das Kaufhaus Schocken ist heute das Sächsische Museum für Archäologie in Chemnitz.
Architektonisches Schmuckstück: Das Kaufhaus Schocken ist heute das Sächsische Museum für Archäologie in Chemnitz.

Von Torsten Hilscher

Chemnitz - „Stadt der Moderne“: Dass Chemnitz mit diesem Titel werben kann, ist vor allem dem früheren Schocken-Kaufhaus zu verdanken. Heute kommt eine Nachfahrin der Gründer-Familie zu Besuch. Passend dazu deckt MOPO auf: das halbrunde Haus hat einen Zwilling.

Großer Bahnhof im Staatlichen Museum für Archäologie (smac). Die Enkelin des Kaufhauskönigs Salman Schocken (1877-1959) kommt und wird sich über die Nutzung des einstigen Handelshauses informieren.

Darüber hinaus werden die Wiederkehr von Büchern des Schocken-Verlags sowie sowie ein Haus-Katalog vorbereitet. Shalom, Raheli Edelman!

Bis zu seiner Emigration 1933 hatte Salman Schocken die modernsten Kaufhäuser Europas bauen lassen. Meist von Stararchitekt Erich Mendelsohn (1887-1953).

Missglückter Nachbau in Oslo. Architekt Erich Mendelsohn hatte seinen Chemnitzer Entwurf 1932 nach Oslo verkauft. Die Ausführung lag bei einem Kollegen.
Missglückter Nachbau in Oslo. Architekt Erich Mendelsohn hatte seinen Chemnitzer Entwurf 1932 nach Oslo verkauft. Die Ausführung lag bei einem Kollegen.

Sein Chemnitzer Haus von 1930 kam so gut an, dass Investoren aus Norwegen eine Replik bestellten. Sie wurde 1932 in Oslo als Kaufhaus Dobloug Garden realisiert. Vermittelt worden war der Deal in Oslo von einem Chemnitzer namens Martin Cohn.

Das Duo Mendelsohn-Schocken blieb verbunden. In Jerusalem baute er ein Ensemble aus Bibliothek und Wohnhaus (1936) für Schocken. Der einstige Verleger und Kaufhausmogul wirkte dort als Mäzen, half Emigranten, sammelte bedrohte jüdische Bücher aus Europa, kaufte 1937 die Tageszeitung Ha’Aretz. Gestorben ist er in der Schweiz.

Sein Erbe aber lebt. Designfans aus aller Welt pilgern nach Chemnitz, um das 2010 bis 2014 sanierte Schocken zu sehen. Voll Anerkennung, dass dafür 29 Millionen Euro investiert wurden. Auch das Cottbusser Schocken (1925/26) ist vorbildlich saniert. Anders dagegen Stuttgart.

Obwohl unzerstört, wurde das dortige Schocken von 1928 im Jahr 1960 abgerissen. Das erste Schocken-geführte Warenhaus übrigens war ein Sachse - eröffnet 1901 in Zwickau.

Stararchitekt Erich Mendelsohn. Rechts die Enkelin des Kaufhausgründers Salman Schocken, Raheli Edelman. Sie ist am Montag in Chemnitz.
Stararchitekt Erich Mendelsohn. Rechts die Enkelin des Kaufhausgründers Salman Schocken, Raheli Edelman. Sie ist am Montag in Chemnitz.

Fotos: Erich-Mendelsohn-Stiftung, Ralph Köhler/Pro Picture, Sven Gleisberg


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