Unterschlug Mafia-Jägerin über 2 Kilo Crystal?

Von der Vorzeigejuristin zur Beschuldigten: Gegen Oberstaatsanwältin Elke Müssig (50) wird jetzt wegen Falschaussage und Strafvereitelung ermittelt.
Von der Vorzeigejuristin zur Beschuldigten: Gegen Oberstaatsanwältin Elke Müssig (50) wird jetzt wegen Falschaussage und Strafvereitelung ermittelt.

Leipzig - Sie gilt als Sachsens erfolgreichste Mafia-Jägerin: die Leipziger Oberstaatsanwältin Elke Müssig (50). Doch jetzt wird die knallharte Ermittlerin, die Dutzende Drogenbarone hinter Schloss und Riegel brachte, selbst zum Fall für den Staatsanwalt. Um einen Kronzeugen vor Strafe zu schützen, soll sie Richter und Anwälte belogen haben.

In ihrem Fachbereich - der Bekämpfung der organisierten Kriminalität (OK) - war die Leipziger Staatsanwältin jahrelang die Größte. Unzählige Mafiosi, Drogen- und Schutzgeld-Gangster hat sie hinter Gitter gebracht, Hunderte Kilo Rauschgift aus dem Verkehr gezogen.

Doch ihr vermeintlich größter Coup, die Sicherstellung von 2,9 Tonnen des Crystal-Grundstoffs Chlorephedrin im Jahr 2014, könnte jetzt zum Boomerang werden. Nicht nur, dass der Hauptprozess gegen die Crystal-Bande im Juni an den unvollständigen Akten der Staatsanwaltschaft scheiterte, die Angeklagten deshalb auf freien Fuß kamen.

Crystalfund beim Zoll.
Crystalfund beim Zoll.

Jetzt ist die Chefermittlerin auch noch selbst angezeigt worden - wegen des Verdachts der Falschaussage und Strafvereitelung im Amt.

Angezeigt wurde sie von dem Richter, der die Chlorephedrin-Prozesse führt. Dessen Vorwürfe: In einer Verhandlung soll Müssig zeugenschaftlich erklärt haben, dass sie bei der Vernehmung eines Kronzeugen nicht anwesend war.

Ein BKA-Beamter hatte jedoch ausgesagt, dass Müssig die Vernehmung selbst führte. Zudem soll die Oberstaatsanwältin heimlich ein Verfahren gegen den Kronzeugen eingestellt haben, in dem diesem der Handel mit zwei Kilo Crystal vorgeworfen wurde.

„Gegen die Kollegin werden Ermittlungen eingeleitet, wir prüfen gerade, welche Staatsanwaltschaft das übernimmt“, erklärte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft, Wolfgang Klein, gestern. Die einstige Top-Ermittlerin wurde nach MOPO-Informationen bereits von ihren OK-Fällen abgezogen, darf auch die Anklagen nicht mehr vor Gericht vertreten. Frau Müssig selbst war nicht zu erreichen.

Fotos: R. Seegers, imago


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