Urin im Wasser! Wie eklig ist der Freibad-Besuch?

Chemnitz: Freibad Einsiedel. Schwimmeister Sven Lieberwirth (42) kontrolliert dreimal täglich die Wasserqualität nach Chlor und PH Gehalt.
Chemnitz: Freibad Einsiedel. Schwimmeister Sven Lieberwirth (42) kontrolliert dreimal täglich die Wasserqualität nach Chlor und PH Gehalt.

Von Daniel Beise

Leipzig/Halle - Mit den ersten richtig heißen Sonnenstrahlen dieser Tage kommt auch die Freibadsaison wieder voll in Fahrt – einher gehen damit stets wilde Befürchtungen und Spekulationen über zu viel Urin in den Becken.

Aber was ist da dran? Geht man nach den Selbsteinschätzungen der Menschen, scheinen sehr viele ihr Geschäft im Becken zu machen.

MDR INFO hat sich bei einer Straßenumfrage mal umgehört und Passanten gefragt, was sie glauben, wie viel Urin im Becken ist.

Dabei waren die meisten davon überzeugt, dass es eine Menge sein muss, weil ja so gut wie jeder ins Wasser pullert. Die Schätzungen gingen von 40 bis 70 Prozent.

Und sie glauben auch nicht, dass es nur Kinder tun, "Ne, das machen auch Erwachsene", sagte eine Befragte.

Desto voller ein Becken, desto mehr Chlor muss zugeführt werden, um Keime unschädlich zu machen.
Desto voller ein Becken, desto mehr Chlor muss zugeführt werden, um Keime unschädlich zu machen.

Martin Gräfe, Leiter der „Sportbäder Leipzig GmbH“, klärt auf: "Man muss wissen, dass Urin zu einem Großteil aus Harnstoff besteht. Und der wird auch über die Haut abgegeben. Das ist völlig normal. Und demzufolge gibt jeder 'Urin' ab."

Für Gräfe und seine Kollegen ist der gefürchtete Harnstoff in den Becken ein anstrengendes Thema: Die Bademeister müssen mehrmals täglich ihre Becken kontrollieren und die Zufuhr von Frischwasser und Chlor regeln. Pro Badegast werden zum Beispiel 30 Liter Frischwasser in den Kreislauf gebracht.

Demnach lässt sich auch kein genauer Anteil an Urin im Wasser ermitteln, da es durch Chlor und Frischwasser kontinuierlich neutralisiert wird.

Und: „Urin ist grundsätzlich nicht gefährlich. Außerdem haben wir Chlor. Selbst wenn dort irgendwelche Keime reinkämen, würde das Desinfektionsmittel sie abtöten“, so Gräfe.

Kristine Gröger, Amtsärztin der Stadt Halle, sieht das Thema sehr gelassen und winkt es ab. Eine enorme Vielzahl an Regelungen und Richtlinien für Hygiene sorge für die Sauberkeit deutscher Bäder.

Zudem kontrolliert sie mit ihrem Team alle vier Wochen in der Saison die Badegewässer in Halle – in der Region sei in den letzten Jahren alles immer in Ordnung gewesen. „Da können wir also ganz entspannt sein“, so die Amtsärztin.

Nicht zuletzt hilft das Duschen vor und nach dem Baden ungemein, um die Hygiene im Becken zu verbessern, bzw. den reizenden Chlorgehalt niedrig zu halten: Ganze 90 Prozent der Keime könnten so abgespült werden.

Wenn also der bekannte Chlorgeruch im Schwimmbad mal etwas penetrant ist, wisst Ihr, dass nicht allein toilettenfaule Badegäste Schuld daran tragen.

Fotos: dpa/Uwe Meinhold


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