So erlebten Urlauber aus Sachsen die dramatische Putsch-Nacht

Nix wie weg, aber nicht in die Türkei: Grit Opitz (37) buchte Urlauber gestern nach einer stornierten Türkei-Reise nach Griechenland um.
Nix wie weg, aber nicht in die Türkei: Grit Opitz (37) buchte Urlauber gestern nach einer stornierten Türkei-Reise nach Griechenland um.

Von Uwe Blümel

Sachsen/Türkei - Sonnabendmittag landeten erste Urlauber aus Antalya auf dem Dresdner Flughafen - nach der wohl schlimmsten Nacht ihres Lebens. Denn auch an der Türkischen Riviera waren Auswirkungen des Putsches zu spüren.

Germania-Flugs 8327 landete am Sonnabend 12.56 Uhr in Dresden-Klotzsche. „Wir wurden sechs Stunden eher aus dem Hotel abgeholt und zum Flughafen gebracht“, erzählte Sylvia Blütchen (47) aus Dresden. Begleiter Gert Hofmann (46): „Die Straßen waren verstaut. Alle fuhren mit Türkei-Flaggen an den Autos herum.“

Kay Dietrich (44) aus Stolpen war in der Putsch-Nacht noch außerhalb seiner Hotelanlage in Side (anderthalb Fahrstunden von Antalya entfernt) unterwegs:

„Um zwei Uhr rief plötzlich der Muezzin. Das ging zwei Stunden, um die Türken zur Unterstützung Erdogans auf die Straßen zu rufen.“

Kamen am Samstag nach elf Tagen Urlaub wohlbehalten aus Side zurück: Jessica Heppner (17), Kay Dietrich (44), Anke Heppner und Töchterchen Caitlin (9, v.l.n.r).
Kamen am Samstag nach elf Tagen Urlaub wohlbehalten aus Side zurück: Jessica Heppner (17), Kay Dietrich (44), Anke Heppner und Töchterchen Caitlin (9, v.l.n.r).

Die Anhänger kamen schnell. „Es war chaotisch. Autos parkten mitten auf der Kreuzung. Vor jedem Geldautomaten standen 30 Türken“, ergänzt Anke Heppner. „Ich hatte schon Angst. Wir haben viele Polizisten gesehen, die mit Maschinengewehren herumliefen.“

Am Flughafen sind die Heppners so scharf wie noch nie in der Türkei kontrolliert worden. Die Familie stand drei Stunden lang bei der Sicherheitskontrolle. Anke: „Der kleine Roller unserer neunjährigen Tochter Caitlin wurde zweimal überprüft.“

Es gab aber auch Nutznießer des Preisverfalls nach dem Putschversuch. „Ein Pärchen buchte Samstagvormittag bei mir spontan Bade-Urlaub in Belek“, erzählt Ltur-Reisefachfrau Grit Opitz (37).

„Statt 900 Euro pro Person für eine Woche im 5-Sterne-all-inclusive-Hotel samt Flug zahlten sie nur noch 461 Euro.“

Flugplan ab Sonntag wieder normal

Turkish Airlines fliegt die Linie Leipzig - Istanbul ab Sonntag wieder regulär. Auch alle Charterflüge ab Dresden und Leipzig nach Antalya werden normal durchgeführt.

„Bis einschließlich 18. Juli können Türkei-Reisen bei uns kostenlos umgebucht oder storniert werden“, sagt Thomas Strickrodt (46), Inhaber von Ltur Dresden.

Andere Reiseveranstalter (z.B. TUI) halten es ähnlich - telefonisch erkundigen! Strickrodt: „Laut Infos unserer örtlichen Agenturen ist die Lage in den Urlaubsregionen ruhig.“

Fotos: Thomas


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