IaF-Star Ursula Karusseit (†79): Uschs "Zugabe" erscheint posthum

Leipzig/Berlin - "Die letzten Korrekturen am Buch hatte sie gerade erledigt. Sie rief an: 'Ich habe noch was rausgesucht. Wann treffen wir uns?' Die Verabredung sagte ihr Mann ab. Ursula Karusseit musste ins Krankenhaus. 'Aber Sie sollen sie anrufen!'" Mit diesen Vorbemerkungen des Verlags beginnt das Buch, das die Autorin dieser Tage selbst präsentieren wollte. Die Autobiografie erscheint nun posthum.

Schauspielerin Ursula Karusseit - diese Aufnahme entstand 2013. Später ließ sie sich nur noch selten fotografieren.
Schauspielerin Ursula Karusseit - diese Aufnahme entstand 2013. Später ließ sie sich nur noch selten fotografieren.  © DPA

Ursula Karusseit ist am 1. Februar gestorben (TAG24 berichtete). Im August wäre sie 80 Jahre alt geworden. In "Zugabe" kann der Leser auf das Leben der fleißigen Schauspielerin zurückblicken. Der Schwerpunkt liegt auf der DDR-Zeit. Doch zuerst stellt Karusseit klar: "Berühmtheit und Popularität waren jedenfalls nie mein Motiv, Schauspielerin zu werden." Dabei war sie in jungen Jahren süchtig nach der Bühne: Als Studentin ging sie jeden Tag ins Theater. "Und als ich später fest an der Volksbühne engagiert war, saß ich auch jeden Tag dort, egal ob ich nun am Abend selbst spielte oder nicht."

Der Beruf eröffnete ihr Möglichkeiten, von der viele andere DDR-Bürger jahrzehntelang nur träumten. 1966, als 27-Jährige, durfte sie mit der "Drachen"-Inszenierung des Deutschen Theaters nach Paris. Da heißt es: "Ich traute mich nicht raus aus dem Theater, hatte Angst, mich zu verlaufen, weil alles so überwältigend war, aber auch, weil ich kein Französisch sprach. So saß ich fast eine Woche lang im Bistro und trank Tomatensaft."

Das Buch, erschienen im Verlag Neues Leben, zum Preis von 17,99 Euro.
Das Buch, erschienen im Verlag Neues Leben, zum Preis von 17,99 Euro.  © DPA

Lange war Karusseit an der Volksbühne engagiert - unter Intendant Benno Besson, der sie beruflich und privat prägte: "Ich wollte diesem Regisseur natürlich Genüge tun, wollte auch gut sein. ... Ich bin durchaus ein Produkt von ihm."

Eines Tages stand der in der DDR arbeitende Schweizer dann überraschend vor der Tür, als sie gerade bei ihren Eltern in Gera zu Besuch war. Drei Jahre nach diesem Überraschungsbesuch kam der gemeinsame Sohn Pierre auf die Welt. Karusseit und Besson heiraten. Acht Jahre danach, 1976, erfährt sie, dass er sich in die junge Schauspielerin Coline Serreau verliebt hat. Ein Schock. "Für mich war unsere Liebe für die Ewigkeit."

In den 80ern kam Unzufriedenheit im Beruf hinzu. Karusseit kündigt, bekommt aber schnell neue Angebote von anderen Häusern, etwa dem Schauspielhaus Köln. Dort merkt sie: "Die kochen hier auch nur mit Wasser. Nicht nur in Sachen schauspielerisches Handwerk."

Ihre Lust zu spielen bliebe ungebrochen, schrieb die 79-Jährige, die mit ihrem zweiten Mann in Brandenburg lebte. "Einfach aufhören, meinen "Ruhestand" genießen, das ist nichts für mich."

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