Amoklauf in den USA: Hatte der Schütze ein religiöses Motiv?

US-Präsident Barack Obama tritt sichtlich geschockt vor die Medien.
US-Präsident Barack Obama tritt sichtlich geschockt vor die Medien.

Ein mutmaßlicher Amokläufer hat an einem College im US-Westküstenstaat Oregon mindestens zehn Menschen getötet und sieben weitere verletzt.

Die Staatsanwaltschaft spricht von 13 Toten. Nach Augenzeugenberichten verfolgte der später durch Polizeischüsse getötete 26-jährige Chris Harper möglicherweise ein religiöses Motiv:

Er hatte seine Opfer nach deren Religion gefragt. So soll er gefragt haben, ob sie Christen seien. Wer mit "Ja" antworte, dem schoss er in den Kopf, wer nichts sagte, oder die Frage verneinte, dem schoss der mutmaßliche Amokläufer in die Beine.

Der tragische Vorfall in der kleinen Gemeinde Roseburg schlug hohe Wellen bis nach Washington, wo der seit langem für strengere Waffengesetze kämpfende Präsident Barack Obama sich zutiefst erschüttert zeigte.

Medienberichten zufolge betrat der nach neusten Angaben 26-Jährige am Vormittag einen Unterrichtsraum in einem der insgesamt 18 Gebäude, wurde aber Minuten nach dem ersten Notruf "neutralisiert", wie Feuerwehrsprecher Ray Schoufler CNN sagte.

Schwer bewaffnete Polizisten überprüften alle Passanten rund um das College.
Schwer bewaffnete Polizisten überprüften alle Passanten rund um das College.

Während Staatsanwältin Ellen Rosenblum von 13 und einige Medien von 15 Todesopfern sowie mehr als 20 Verletzten sprachen, bestätigte Polizeisprecher John Hanlin zunächst zehn Tote und sieben Verletzte, drei davon schwer.

Am Umpqua Community College (UCC), das am ehesten einer deutschen Volkshochschule entspricht, sind mehr als 3000 Vollzeit-Studenten eingeschrieben. Die Kleinstadt mit rund 22 000 Einwohnern liegt etwa drei Autostunden südlich der Metropole Portland.

Bis Montag sollte das College geschlossen bleiben, alle studentischen Aktivitäten für das Wochenende wurden gestrichen. Noch Stunden nach der Tat untersuchten Sprengsoff-Experten in der Nähe geparkte Autos nach Bomben, CNN zufolge wurden am Tatort vier Waffen entdeckt.

Ein sichtlich erschütterter und frustrierter Präsident Obama forderte im Weißen Haus erneut strengere Gesetze zur Vermeidung vergleichbarer Fälle. "Wir sind das einzige fortschrittliche Land der Erde, das diese Massen-Schießereien alle paar Monate erlebt", sagte Obama.

Sowohl die Berichterstattung über tödliche Shootings als auch die jeweils anschließende Debatte sei zur Routine geworden. Er erinnerte an besonders prominente Fälle in Columbine und Aurora (Colorado), Newtown (Connecticut) und Charleston (South Carolina).

Colleges und Universitäten seien wegen ihrer offenen Anlagen "anfällig für solche Ereignisse", teilte der Verband American Association of Community Colleges mit.

Die Organisation Everytown, die sich für eine Reform der laxen US-Waffengesetze stark macht, sprach von einer "Tragödie". Oregons Gouverneurin Kate Brown ordnete an, die Flaggen an allen öffentlichen Gebäuden am Freitag auf Halbmast zu setzen.

Obama kämpft seit seinem Amtsantritt in den USA für schärfere Waffengesetze, scheitert jedoch immer wieder an der Waffenlobby NRA (National Rifle Association).

Fotos: dpa; nrtoday.com


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