"Leaving Neverland": Umstrittene Michael-Jackson-Doku läuft bei Pro7

Unterföhring - "Er war einer der gütigsten, sanftesten, liebevollsten Menschen, die ich kannte. Und er hat mich über sieben Jahre sexuell missbraucht." So bedrückend beginnt die Dokumentation über den King of Pop "Leaving Neverland". Wade Robson (36), einer der Protagonisten, spricht diese Worte in die Kamera.

Wade Robson (l, Archivfoto 2005) und Popstar Michael Jackson.
Wade Robson (l, Archivfoto 2005) und Popstar Michael Jackson.  © DPA

Die insgesamt vierstündige Doku feierte Ende Januar 2019 beim Sundance Film Festival in Park City (Utah) Weltpremiere. Regisseur Don Reed (55) erhebt darin verstörende Vorwürfe gegen den 2009 verstorbenen weltberühmten Popstar (TAG24 berichtete).

Persönliche Berichte von Wade Robson und James Safechuck (40) machen den Fall Jackson erneut brisant. Der Sänger selbst wies alle Anschuldigungen zurück, je minderjährige Jungen missbraucht zu haben.

Wade Robson kam mit sieben Jahren nach Neverland ins angebliche "Kindertraumland". Bis in kleinste Details schildert Robson, dass Jackson hinter ihm masturbiert hätte, während er sich "Peter Pan" anschaute. Es ist eine Doku über einen Pädophilen. Der King of Pop erschlich sich das Vertrauen der Kinder, machte sie gefügig und nahm sie sich... So präzise zumindest sind all die Schilderungen laut der Protagonisten.

Seit der Erstausstrahlung steht das "Lebenswerk" des weltberühmten auf wackligen Beinen. Radiostationen spielen Michael Jacksons Songs nicht mehr. Der norwegische Rundfunk NRK macht zwar jetzt einen Rückzieher bei seiner Entscheidung, die Musik von Michael Jackson wegen neuer Missbrauchsvorwürfe vorübergehend aus dem Programm zu nehmen.

Es soll nicht der Eindruck entstehen, dass Radio-Verantwortliche Position dazu beziehe, ob Jackson schuldig sei oder nicht.

Keine Jackson-Songs im Radio mehr?

Radiostationen haben seine Songs verbannt.
Radiostationen haben seine Songs verbannt.  © DPA

Dennoch: Radiosender auf der ganzen Welt haben Michael-Jackson-Songs aus ihren Playlists verbannt. Der neuseeländische Rundfunksender RNZ beispielsweise schmiss sämtliche Songs aus dem Äther - auf unbestimmte Zeit. Für Mediaworks, dem ungefähr die Hälfte der kommerziellen Sender des Landes gehören, begründet dies laut >> news.au, als "ein Spiegelbild unseres Publikums und ihrer Präferenzen".

Auch drei große kanadische Radiosender haben Jackson ebenfalls "verboten". Christine Dicaire, die Sprecherin des Medienunternehmens Cogeco, erklärte im "The Guardian", dass das Verbot, das auch für 23 kleinere Stationen gilt, eine Reaktion auf die Reaktionen der Zuhörer auf den Dokumentarfilm sei.

Die BBC sagte, dass es kein Verbot gab und dass jedes Musikstück von einzelnen Netzwerken betrachtet wurde.

In der bewegenden Dokumentation "Leaving Neverland" werfen die beiden jetzt erwachsenen Männer Michael Jackson vor, sie im Kindesalter sexuell missbraucht zu haben. Trotz Einspruchs von Jacksons Nachlassverwaltern lief nunmehr der Film am Sonntag und Montag HBO.

In Deutschland kommt die Doku bei Pro7

Tatort die "Neverland"-Ranch?
Tatort die "Neverland"-Ranch?  © DPA

"Er hat mich über sieben Jahre sexuell missbraucht" - im ersten Teil kommen die zwei jungen Männer kommentarlos zu Wort. Der zweite Teil behandelt die Gerichtsprozesse aus den Jahren 1993 und 2005 - in denen gab es Freisprüche für Jackson.

ProSieben wird die Dokumentation am 6. April ausstrahlen. Die Reaktionen auf die Doku zeigen eins: Das weltweite Interesse an Michael Jackson und den Anklagen gegen ihn ist enorm!

ProSieben-Chefredakteur Stefan Vaupel sagte am Mittwoch: "Kindesmissbrauch ist eins der größten gesellschaftlichen Tabu-Themen unserer Zeit. Kirche, Künstler und andere haben sich in den vergangenen Jahren immer wieder das Schweigen ihrer Opfer erkauft. Deshalb zeigen wir 'Leaving Neverland' auf ProSieben."

Die Brisanz der Thematik erkennt man auch an der Sendezeit: zur Primetime um 20.15 Uhr...

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