Ärzte schocken mit Blut-Selfies und haben dramatischen Grund

Washington – US-amerikanische Ärzte veröffentlichen derzeit auf Twitter Fotos auf denen sie in ihrer blutigen Arbeitskleidung zu sehen sind. Doch was steckt dahinter?

So sieht unser Alltag aus, schreibt die Ärztin unter dieses Bild. Ein völlig erschöpftes Team kämpft um das Leben eines angeschossenen Mannes.
So sieht unser Alltag aus, schreibt die Ärztin unter dieses Bild. Ein völlig erschöpftes Team kämpft um das Leben eines angeschossenen Mannes.  © Screenshot Twitter

Es handelt sich um eine Reaktion auf eine Twitter-Meldung der National Rifle Association (NRA). Die Waffenlobbyisten hatten sich in dem Tweet darüber beschwert, dass in der Mehrzahl medizinischer Fachartikel sich für ein Waffenverbot ausgesprochen wird:

"Jemand sollte den selbstbewussten Anti-Waffen-Ärzten sagen, sie sollten in ihrer Spur bleiben. Die Hälfte der Artikel in Annals of Internal Medicine drängt auf Waffenkontrolle. Dabei scheint die medizinische Gemeinschaft jedoch nur sich selbst befragt zu haben."

Vor allem die Aussage, dass die Ärzte "in ihrer Spur bleiben" sollen, hat viele amerikanische Mediziner in Rage versetzt. Vor allem jene, die tagtäglich in den Notaufnahmen mit Schussverletzungen zu kämpfen haben, sind empört.

Mit den unter dem Hashtag #thisiseveryoneslane veröffentlichten Fotos dokumentieren sie ihren Alltag, bei dem sie durch Schusswunden oft regelrecht im Blut stehen.

Mit blutigen Fotos aus ihrem Berufsalltag machen amerikanische Ärzte auf die dramatischen Folgen von Waffengewalt aufmerksam.
Mit blutigen Fotos aus ihrem Berufsalltag machen amerikanische Ärzte auf die dramatischen Folgen von Waffengewalt aufmerksam.  © Screenshot Twitter

Dr. Kristin Gee schreibt unter das Foto auf dem die blutigen Hosenbeine und Schuhe zu sehen sind: "An die NRA, so sieht es aus, wenn ich in meiner Spur stehe. Wir werden beim Thema Waffengewalt nicht still sein. Ich spreche das aus für diesen Patient, seine Eltern, die nie wieder die selben sein werden und ich spreche für alle Opfer, die noch kommen werden."

Die forensische Pathologin Dr. Judy Melinek schreibt an die NRA: "Habt ihr eine Ahnung, wie viele Kugeln ich wöchentlich aus Leichen hole? Das ist nicht meine Spur, das ist meine Autobahn."

Eine Kollegin weiter: “Meine Spur: Familien zu bitten, ihre toten Kinder anhand der Tattoos zu identifizieren weil ihre zerschossenen Gesichter nicht wieder hergestellt werden konnten."

Die amerikanische Waffenlobby hat sich bislang nicht weiter zu den Reaktionen der Ärzte geäußert. Zumal ihr Tweet, mit dem sie die Mediziner angegriffen hatten, nur wenige Tage vor dem Amoklauf von Thausend Oaks (Kalifornien) veröffentlicht wurde (TAG24 berichtete). Dabei waren 13 Menschen ums Leben gekommen.

Wahrscheinlich haben die Mitarbeiter der NRA seitdem andere Baustellen, als jene anzugreifen, die täglich mit den Folgen von Waffengewalt zu tun haben.

Titelfoto: Screenshot Twitter


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