Er wollte Schwule heilen: US-Therapeut outet sich selbst als homosexuell

Salt Lake City - Jahrelang wollte er Männern das Schwulsein austreiben. Doch jetzt hat sich David Matheson, bekanntester "Homo-Heiler" in den USA, selbst als homosexuell geoutet.

Ex-Therapeut David Matheson steht jetzt zu seiner eigenen Homosexualität.
Ex-Therapeut David Matheson steht jetzt zu seiner eigenen Homosexualität.  © Screenshot YouTube/Jeremy Harris

Doch nicht nur deshalb hat Mathesons Coming-out viel Gewicht. Der ehemalige Konversionstherapeut war immerhin 34 Jahre lang mit einer Frau verheiratet. Beides, sowohl die Ehe als auch der Job, sind jetzt allerdings Geschichte - und die ganze Welt spricht darüber.

Denn immerhin praktizierte Matheson fast zwei Jahrzehnte lang eine Therapie, die darauf abzielt, Homosexualität zu verändern oder zu unterdrücken. Der Amerikaner schrieb auch ein Buch namens "Becoming a Whole Man", das behauptet, Männern bei "unerwünschter Homosexualität" zu helfen.

Nun outete ausgerechnet er sich als schwul. Auf seiner Facebook-Seite schrieb Matheson: "Vor einem Jahr wurde mir klar, dass ich in meinem Leben erhebliche Veränderungen vornehmen musste. Mir wurde klar, dass ich nicht mehr in meiner Ehe bleiben konnte. Und ich erkannte, dass es für mich an der Zeit war, mich als schwul zu bezeichnen."

Er habe eine glückliche und erfüllende Ehe gehabt, in der das "Heterosein" zum Kernbestandteil seiner Identität geworden sei, "aber ich erlebte auch Anziehungspunkte für Männer".

Vor zwei Jahren zeigte sich Matheson noch glücklich mit seiner Frau.
Vor zwei Jahren zeigte sich Matheson noch glücklich mit seiner Frau.  © Screenshot Facebook/David Matheson

Dass sein Coming-out emotional werden würde, habe Matheson erwartet, jedoch nicht dass es weltweite Aufmerksamkeit erregen würde. In einem Interview mit dem US-Sender KUTV sagte er am Donnerstag: "Alles, was ich tun wollte, war, mich zu outen. Ich wusste nicht, dass es viral gehen würde so wie jetzt."

Für die Gegner der Konversionstherapie, die Matheson jahrelang durchführte, ist sein Bekenntnis zur Homosexualität ein Beweis dafür, dass die Praxis nicht nur homophob, sondern auch betrügerisch ist. Entsprechend äußerte sich Wayne Besen, Gründer einer nationalen Organisation, die sich gegen die Therapie einsetzt.

"Wenn die Konversionstherapie für Autoren wie David Matheson, die Bücher über die diskreditierte Praxis schreiben, nicht funktioniert, ist es naiv zu erwarten, dass sie für diejenigen funktioniert, die solche irreführenden Publikationen lesen", schrieb er in einem öffentlichen Beitrag.

Besen hofft auf ein Umdenken, denn er findet: "Das ist der neueste Beweis dafür, dass die Konversionstherapie Verbraucherbetrug ist und in allen 50 Staaten verboten werden sollte."

Verbot für Konversionstherapie?

Mehrere US-Staaten haben bereits Verbote für die Praxis erlassen. In Utah, wo Matheson seine Karriere als Schwulen-Therapeut begann und auch zuletzt wieder arbeitete, will der Gesetzgeber laut KUTV in Kürze über eine Gesetzgebung zur Ächtung der Therapie nachdenken.

Sie zielt auch darauf ab, die sexuelle Orientierung von Minderjährigen zu ändern. Matheson sagt, dass er Verbote der Konversionstherapie für Minderjährige unterstützt, und fügt hinzu, dass er seine Therapiepraxis zur Veränderung oder Unterdrückung homosexueller Gefühle mittlerweile bedauert.

"Wenn ich zurückblicke, denke ich an konkrete Fälle und muss zugeben: 'Ich bedaure es wirklich, das geschrieben, gesagt und diese Idee aufrechterhalten zu haben", so Matheson geläutert.

David Matheson vor zwei Jahren mit seiner Frau

Titelfoto: Screenshot YouTube/Jeremy Harris

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