Aus Angst vor dem Mörder ihrer Tochter: Mutter wird per Video in den Gerichtssaal geschaltet

Hamburg - Der Prozess um die Ermordung eines zweijährigen Mädchens in Neugraben-Fischbek geht weiter.
Der Angeklagte gestand am Mittwoch, der Tochter die Kehle durchtrennt zu haben.
Der Angeklagte gestand am Mittwoch, der Tochter die Kehle durchtrennt zu haben.

Am Freitagmorgen soll die Mutter als Zeugin vor dem Hamburger Landgericht aussagen. Aus Angst, dabei dem angeklagten Vater gegenüberzutreten, wird sie lediglich per Video-Schaltung im Gerichtssaal zu hören sein.

Angeklagt ist er 34 Jahre alte Vater des Kindes. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Pakistaner Mord und fünf weitere Straftaten vor. Er soll das Mädchen am 23. Oktober vergangenen Jahres im Stadtteil Neugraben-Fischbek mit einem Messer getötet und ihm dabei fast den Kopf abgetrennt haben (TAG24 berichtete).

Anschließend flüchtete er über Frankreich nach Spanien, wo er wenige Tage später gefasst wurde. Zum Prozessauftakt am Mittwoch hatte der Angeklagte die Tat bereits eingeräumt.

Laut Anklage habe er dies aus Wut und Rache getan, weil seine Lebensgefährtin eine Mitnahme der gemeinsamen Tochter nach Pakistan verweigert und ihn zudem wegen Misshandlungen bei der Polizei angezeigt hatte.

Asylbwerber hatte vor dem Mord schon seine Frau gewürgt

In diesem Mehrfamilienhaus tötete der Mann seine eigene Tochter.
In diesem Mehrfamilienhaus tötete der Mann seine eigene Tochter.  © DPA

Laut Anklage war der abgelehnte Asylbewerber schon vor dieser Tat gewalttätig geworden. Im September 2016 soll er den damals fünf Jahre alten Sohn seiner Lebenspartnerin aus einer früheren Beziehung gewürgt haben. Im Oktober desselben Jahres misshandelte er demnach die Frau, mit der er nach islamischem Recht verheiratet ist.

Er habe ihr ohne jeglichen Grund sechs oder sieben kräftige Faustschläge in den Rücken versetzt. Am 21. Februar 2017 soll er ihr den Hals so fest zugedrückt haben, dass sie längere Zeit weder sprechen noch schlucken konnte. Durch Gesten habe sie ihn angefleht, mit dem Würgen aufzuhören, was er nach etwa einer Minute auch getan habe.

Am Tattag forderte er seine Frau auf, eine Anzeige bei der Polizei gegen ihn zurückzunehmen. Sonst würde er sie und ihren Sohn töten. Die damals 32-Jährige verließ daraufhin mit dem Sohn das Haus und ging zur Polizei. Als die Beamten die Wohnung betraten, um dem Mann nach dem Hamburger Gewaltschutzgesetz eine sogenannte Wegweisung zu erteilen, fanden sie das tote Kind.

Der Mutter gehe es nicht gut, sagte ihre Anwältin Angela Mohrmann-Krützfeld als Nebenklagevertreterin. "Sie ist sehr bedrückt, sie zieht sich sehr zurück." Die Frau habe große Angst vor dem Angeklagten und fürchte sich davor, vor Gericht aussagen zu müssen.

Die Schwurgerichtskammer hat elf weitere Verhandlungstermine angesetzt, ein Urteil könnte Anfang Juni verkündet werden.


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