Dulig: „Entscheidende Monate für die Lausitz“

Mondlandschaft statt sächsischer Heimat - der Tagebau Nochten. Im Hintergrund das Kraftwerk Boxberg.
Mondlandschaft statt sächsischer Heimat - der Tagebau Nochten. Im Hintergrund das Kraftwerk Boxberg.

Von Torsten Hilscher

Dresden - Zankapfel Braunkohle. Seit bekannt ist, dass der schwedische Energieriese Vattenfall seine Lausitzer Kohle-Anlagen verkaufen will, rumort es:

Die einen sehen den Punkt für einen passgenauen Ausstieg. Andere fürchten Massenarbeitslosigkeit. MOPO24 sprach dazu mit Sachsens Energie- und Arbeitsminister Martin Dulig (41, SPD).

MOPO24: Was sagen Sie zu den Vattenfall-Plänen?

Dulig: Die Verkaufsabsichten haben uns überrascht und sind eine Herausforderung. Es ist aber eine unternehmerische Entscheidung.

Trotzdem haben wir als Freistaat ein großes Interesse daran, dass der Verkaufsprozess vernünftig läuft. Denn wir müssen unsere Interessen wahren. Das betrifft die Verpflichtung des Energieunternehmens zur Strom-Versorgung, aber auch - mindestens so wichtig - zur Renaturierung der Kohlegruben.

Sachsens Energieminister Martin Dulig (41, SPD) setzt weiter auf Braunkohle.
Sachsens Energieminister Martin Dulig (41, SPD) setzt weiter auf Braunkohle.

MOPO24: Ist da der Staat gefragt?

Dulig: Ja, denn wir als Freistaat haben für die Lausitz eine besondere Verantwortung. Ich sage allen politischen Akteuren, die jetzt einen übereilten Strukturwandel weg von der Kohle fordern: Vorsicht, seid nicht zynisch! Bedenkt, was ihr den Leuten zumuten wollt, die seit 1990 bereits einen enormen Umbruch erlebt haben - mit De-Industrialisierung und Arbeitslosigkeit.

Es sind jetzt entscheidende Monate für Sachsen, vor allem für die Lausitzer.

MOPO24: Warum genau?

Dulig: In den vergangenen Jahren war die Energiepolitik im Bund nicht gerade durch Verlässlichkeit geprägt. Doch Investoren brauchen Planungssicherheit. Dazu haben wir mit beigetragen, indem wir uns gegen die Pläne eines übereilten Ausstiegs erfolgreich gewehrt haben. Sonst wäre uns die Wirtschaft in der Lausitz mit hoher Wahrscheinlichkeit weggebrochen. Wir wünschen uns nun einen verantwortungsvollen Investor, der möglichst aus der Energiewirtschaft kommt, und nicht irgendeine Heuschrecke oder einen Hedgefonds.

MOPO24: Bekommen Käufer eine Mitgift?

Dulig: Nein. Wir sind nicht Teil der Verkaufsverhandlungen oder ein Interessensvertreter von Vattenfall.

Fotos: Matthias Hiekel, dpa/Arno Burgi


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