Reißerisch: Menschen-fressendes Comic-Monster "Venom" beißt sich durch die Kinos

Berlin –Krasser Streifen! Der Kinofilm "Venom" über den gleichnamigen Antihelden startet am 3. Oktober in den deutschen Kinos und ist eine willkommene Abwechslung zum "Mile-22"-Reinfall.

Dr. Carlton Drake (Riz Ahmed) ist ein kaltblütiger, kompromissloser Wissenschaftler.
Dr. Carlton Drake (Riz Ahmed) ist ein kaltblütiger, kompromissloser Wissenschaftler.  © PR/Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Es geht rasant los. In Ost-Malaysia stürzt ein Raumschiff ab. Nur ein Astronaut überlebt – und wacht im Krankenwagen plötzlich dank des Symbionten Riot, dessen Wirt er ist, auf.

Der mächtige Alien entkommt und taucht vorerst in Südostasien unter.

Am anderen Ende der Welt, in San Francisco, führt der investigative Fernsehjournalist Eddie Brock (Tom Hardy) ein gutes Leben.

Er und seine langjährige Freundin Anne Weying (Michelle Williams) haben eine liebevolle Beziehung, im Job läuft es gut – bis er das Wissenschafts-Wunderkind Dr. Carlton Drake (Riz Ahmed), Chef der Life Foundation, interviewt und kritische Fragen stellt.

Drake sorgt kaltblütig dafür, dass nicht nur Eddie, sondern auch Anne entlassen wird, weshalb sie die Beziehung zu Brock beendet. Das löst eine unglaubliche Ereigniskette aus…

Diese hat es in sich, obwohl es eine ganze Weile dauert, bis das Comic-Kult-Monster Venom erstmals auftaucht – und das ist gut so!

Wie kann Eddie Brock (Tom Hardy) aus dieser bedrohlichen Situation entkommen?
Wie kann Eddie Brock (Tom Hardy) aus dieser bedrohlichen Situation entkommen?  © PR/Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Denn Regisseur Ruben Fleischer (Zombieland, Gangster Squad, 30 Minuten oder weniger) legt wie in seinen vorherigen Filmen Wert darauf, seine Figuren zu entwickeln und dem Zuschauer ihre Motive näherzubringen.

So werden schon früh und ganz nebenbei erste Details gezeigt, die im späteren Verlauf enorm wichtig sind.

Auch deshalb ist "Venom" ein Blockbuster, der weit über dem Durchschnitt einzuordnen ist. Er hat nämlich Tiefe und bietet den Zuschauern damit großes Identifikationspotenzial mit den Protagonisten und der Jekyll-Dr.-Hyde-Geschichte, die im "Spider-Man"-Universum spielt.

Die abgedrehte Story mit mehreren parallel verlaufenden Handlungssträngen, die sich immer wieder kreuzen, sorgt für viel Kurzweil und beste Unterhaltung, weil es Fleischer gelingt, eine starke Spannungskurve zu entwickeln, die in Verbindung mit dem Erzähltempo und der Ausgewogenheit der Geschichte in dieser Form in den letzten Jahren selten im Blockbuster-Kino zu sehen war.

"Venom" ist aber auch nicht irgendwer, sondern eine beliebte Comic-Figur - und das wissen die Macher auch.

Eddie Brock (Tom Hardy) und seine große Liebe Anne Weying (Michelle Williams) in San Francisco im Gespräch.
Eddie Brock (Tom Hardy) und seine große Liebe Anne Weying (Michelle Williams) in San Francisco im Gespräch.  © PR/Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Ihnen gelingt es, die düstere Atmosphäre des Filmes immer wieder mit erstklassiger Situationskomik aufzulockern.

So haben die "Monster" zwar die Eigenschaften typischer Bösewichte, sind aber eher als charismatische Antihelden zu sehen, für die das Publikum Sympathien entwickeln soll, was Fleischer mit seiner ausbalancierten Charakterdarstellung gut gelingt.

Auch die coolen, überragend eingeführten und entwickelten Fähigkeiten Venoms sind ein Schlüssel dafür, dass der Film über die gesamten 112 Minuten funktioniert.

Aufgrund all dieser Stärken sieht man auch über die ein oder andere kleinere Schwäche hinweg.

So hätte es dem Film an einigen Stellen gut getan, wenn er noch ein paar Hintergrundszenen mehr gehabt hätte.

Dass sich Anne von Eddie trennt, wirkt beispielsweise abrupt und wegen der großen Liebe der beiden nur bedingt glaubwürdig. Insgesamt gibt es drei solcher Sequenzen, die man aber gerade noch so durchgehen lassen kann.

Wenn Monster Venom eingreift, wird es für die Gegner gefährlich.
Wenn Monster Venom eingreift, wird es für die Gegner gefährlich.  © PR/Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Schließlich stimmen auch die technischen Aspekte . Wie die Kameraführung von Matthew Libatique (Iron Man 1+2, Straight Outta Compton, Black Swan) in den Kämpfen mitgeht und so eine ungeheure Dynamik in die Action bringt, ist großartig.

Auch in den ruhigen Szenen sorgt er mit der richtigen Beleuchtung und mitunter herausragend guten Einstellungen für fantastische cineastische Bilder.

Dazu kommt die mitreißende Musikuntermalung von Ludwig Göransson (Creed: Rockys Legacy, Black Panther, Wir sind die Millers), dessen bedrohliches "Venom"-Theme.ebenso wie der von Rapper Eminem vertonte Abspannsong "Venom" tragen ihren Teil zur rundum gelungenen Atmosphäre bei.

Dank der starken Spezialeffekte sieht Venom nämlich zum Gruseln gut aus! Das liegt aber auch am starken Spiel von Tom Hardy (Mad Max: Fury Road, The Revenant - Der Rückkehrer, The Dark Knight Rise), der seine Doppelfigur erst zum Leben erweckt.

"Venom" ist ein differenzierter Blockbuster, der Wert auf die Hintergrundgeschichte seiner Figuren legt, das mit großartig choreografierten Kämpfen und einer interessanten, vielschichtigen Geschichte kombiniert, die dank Humor, Spannung und Tiefe für beste Unterhaltung sorgt.
Tipp: Nach dem Abspann noch sitzenbleiben, denn wie bei den Marvel-Filmen gibt es nach dem Filmende noch zwei Szenen.

Titelfoto: PR/Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Mehr zum Thema Filmkritik:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0