Im Sperma-Lager warten 4,5 Millionen Portionen auf ihren Einsatz

Die Spermien müssen sich aktiv nach vorne bewegen, doch nur einer wird das Rennen machen.
Die Spermien müssen sich aktiv nach vorne bewegen, doch nur einer wird das Rennen machen.  © 123rf.com/ktsdesign

Verden - Missan ist ein Top-Bulle. Er hat starke Zuchtwerte. Entsprechend hoch stehen seine Nachkommen im Kurs. Immer montags und donnerstags wird er "abgesamt". Seine Spermien dienen der künstlichen Befruchtung von Kühen.

12,4 Millionen Rinder gibt es in Deutschland. 4,2 Millionen davon sind Milchkühe. Milch gibt eine Kuh nur, wenn sie trächtig ist. Doch "Natursprung", wenn der Bulle auf der Weide die Kuh befruchtet, ist die absolute Ausnahme.

Hier kommen Firmen wie "Masterrind" aus Verden ins Spiel. "Unser Hauptgeschäft ist der Verkauf von Rindersamen", sagt Geschäftsführer Ralf Strassemeyer. "Hier lagern zurzeit 4,5 Millionen Portionen", sagt er beim Gang durch das Sperma-Lager.

Ein Bulle ist teuer, kostet im Ankauf zwischen 10.000 und 50.000 Euro, in der absoluten Spitzenklasse auch schon mal 100.000 Euro. Der größte Schatz ist darum die Gesundheit des Bullen. Doch nicht jede Besamung schlägt direkt an. Die Kuh muss brünstig sein, das Zeitfeinster ist oft klein. Oft sind zwei, drei Versuche nötig.

Doch was macht eine gute Milchkuh aus? Ihr "Fundament", also die Beine und ein großes Euter, muss gut durchblutet sein. Wichtig sind auch die Zitzenstellung sowie die Neigung und Breite des Beckens. Sie geben Auskunft, wie schwer oder leicht der Kuh das Kalben fällt.

Hier sind die Tiere für die Spermaproduktion untergebracht. Ein guter Zuchtbulle kann bis zu 100.000 Nachkommen haben.
Hier sind die Tiere für die Spermaproduktion untergebracht. Ein guter Zuchtbulle kann bis zu 100.000 Nachkommen haben.  © Carmen Jaspersen/dpa

Diplom-Agraringenieurin Stefanie Pöpken sieht die Entwicklung in der Zucht kritisch, weil zu leistungsorientiert: "Die Hochleistungskühe können ihren Futterbedarf nicht mehr nur auf der Weide decken". Kraftfutter, Getreide und Soja sind notwendig, um über 10.000 Liter Milch pro Kuh und Jahr zu sichern.

Wo soll die Zucht hingehen? "Wollen wir die 25.000-Liter-Kuh? Was macht das mit dem Tier?", fragt Röpken. Die Gene des Bullen sollen in der Zuchtfolge bei den weiblichen Nachkommen möglichst viele positive Eigenschaften hervorbringen. Die Tiere werden deshalb ständig kontrolliert und optimiert.

Bevor eine mit minus 196 Grad kaltem Stickstoff gekühlte Sperma-Dosis in Mengen von 0,25 oder 0,5 Millilitern in dünnen Röhrchen-Pailletten ausgeliefert wird, kommt sie in Quarantäne und wird akribisch geprüft. Preis pro Dosis: etwa 10 bis 30 Euro.

Auch die grundsätzliche Qualität wird im Labor gecheckt: "70 Prozent der Spermien müssen sich aktiv nach vorne bewegen", sagt Masterrind-Laborleiterin Manon Elfers, während sie auf einen großen Monitor schaut, auf dem in 1000-facher Vergrößerung unzählige Spermien umherwuseln. "Eine wird letztlich das Rennen machen."


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