Angestellte streiken seit 4 Jahren! Amazon steigt auf Roboter um

Die Gewerkschaft ist ernüchtert, betont aber weiter Kampfbereitschaft. Der amerikanische Versandhandelsriese bleibt gelassen - und baut seine Geschäfte aus.
Die Gewerkschaft ist ernüchtert, betont aber weiter Kampfbereitschaft. Der amerikanische Versandhandelsriese bleibt gelassen - und baut seine Geschäfte aus.  © DPA

Bad Hersfeld - Vier Jahre nach dem Beginn der Streiks beim Versandhändler Amazon herrscht bei Verdi Ernüchterung - die Gewerkschaft demonstriert in dem Tarifkonflikt aber auch weiter Kampfeswillen.

"Wir hätten nicht gedacht, dass diese Auseinandersetzung so lange dauert und so anstrengend wird. Aber wir sind noch nicht am Ende und weiter guten Mutes", sagte Thomas Voß.

Am 14. Mai 2013 begannen die regulären Ausstände am größten deutschen Amazon-Standort im hessischen Bad Hersfeld sowie in Leipzig. Seither liefert sich die Gewerkschaft ein zähes Ringen mit dem Branchenprimus um einen Tarifvertrag.

Der US-Konzern, der fast 12.000 Mitarbeiter in Deutschland beschäftigt, verweigert aber Verhandlungen dazu und sagt: Amazon sei auch ohne Tariflöhne ein guter Arbeitgeber.

Die Auswirkungen der Streiks werden unterschiedlich beurteilt. Amazon betont, dass die große Mehrheit der Beschäftigten nicht mitmache. Und die Kunden erhielten ihre Lieferungen nicht später als sonst. Verdi hält dagegen: Die Arbeitsabläufe würden gestört, Auswirkungen seien erkennbar. Das Ziel eines Tarifvertrags ist dennoch in weiter Ferne.

Gewerkschafter Voß betont: "Wir haben unser Endziel noch nicht erreicht, aber dafür Etappenziele. Wir haben sicher dazu beigetragen, dass Amazon besser zahlt und die Arbeitsbedingungen verbessert hat. Ohne unseren Druck wäre das bestimmt nicht passiert."

Durch die Vergrößerung seines europäischen Netzwerks will sich Amazon gegen weitere Ausstände wappnen. Je nach bestreiktem Lager können dann Bestellungen von anderen Orten abgewickelt werden. Derzeit verfügt Amazon über 31 Logistikzentren in sieben Ländern. Noch in diesem Jahr kommen zehn weitere Lager hinzu, wie Amazon ankündigte.

2000 neue Mitarbeiter sollen 2017 bundesweit hinzu kommen, wie eine Amazon-Sprecherin sagte. Winsen werde der erste Standort in Deutschland, wo Transport-Roboter eingesetzt würden. Damit macht sich der US-Konzern ein Stück weit unabhängiger von streikenden Mitarbeitern.

Titelfoto: DPA


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