Verheiratet, Arbeiter, kostet den Staat keinen Cent: Wieso will Sachsen diesen Mann abschieben?

Grimma/Dresden - Am frühen Morgen brach Houssams (35) Welt zusammen: Am Arbeitsplatz wurde der Hausmeister festgenommen, sitzt seitdem hinter Gittern. Der Algerier soll abgeschoben werden. Dabei hat er in Deutschland Familie und kostet den Staat keinen Cent.

Bei ihrer Hochzeit vergangenes Jahr waren Belinda (44) und Houssam (35) noch glücklich.
Bei ihrer Hochzeit vergangenes Jahr waren Belinda (44) und Houssam (35) noch glücklich.  © privat

"Er hat mir morgens um sieben geschrieben", sagt Belinda (44), Houssams Ehefrau. "Da war er schon auf der Polizeiwache, er soll in der zehnten Kalenderwoche abgeschoben werden."

Eigentlich wollte die Deutsche zusammen mit ihm ein gemeinsames Leben aufbauen. "Wir haben uns 2017 kennengelernt. Am 27. Oktober 2018 haben wir religiös, am 5. Dezember 2019 standesamtlich geheiratet, am nächsten Tag hat er einen Antrag auf Aufenthaltserlaubnis gestellt."

Der ist noch nicht entschieden, trotzdem soll Houssam zurück nach Algerien. "Im Beschluss für das Abschiebegewahrsam steht, dass die Ausländerbehörde ihn prognostisch ablehnt", sagt Toni Kreischen (29) von der Kontaktgruppe Abschiebehaft, die den Gefangenen unterstützt. Gegen die geplante Abschiebung liegt ein Eilantrag am Leipziger Verwaltungsgericht, gegen die Haft einer am Dresdner Amtsgericht. Der Antrag gegen die Abschiebung wurde Dienstagabend abgelehnt.

Warum sitzt er aber hinter Gittern? "Der Betreffende hat die Frist zur Ausreise um mehr als 30 Tage überschritten", begründet Mandy Peschang von der Landesdirektion Sachsen. "Daher wird gemäß Aufenthaltsgesetz vermutet, dass der Betroffene die Abschiebung erschweren oder vereiteln wird."

Da Houssam sein eigenes Geld verdient, seine Miete selbst zahlt und in Grimma immer wieder als Übersetzer einspringt, herrscht nicht nur im Ort Ärger über das Vorgehen, sondern auch in der Politik.

"Das können wir weder menschlich wollen noch uns länger als Gesellschaft und Volkswirtschaft leisten", twittert Vize-Ministerpräsident und Umweltminister Wolfram Günther (46, Grüne). "Herz und Vernunft sind hier gefragt."

Seit 28. Februar sitzt Houssam nun im Dresdner Abschiebegewahrsam.
Seit 28. Februar sitzt Houssam nun im Dresdner Abschiebegewahrsam.  © privat

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