Verrückt! Was macht der Hirsch denn da im Garten?

Auch vor den Gärten der Anwohner haben die Hirsche keinerlei Respekt.
Auch vor den Gärten der Anwohner haben die Hirsche keinerlei Respekt.  © DPA/Arnd Wunderlich

Dietzhölztal - Ungewöhnlicher Besuch auf den Straßen einer Ortschaft in Mittelhessen: Am helllichten Tag spazieren immer wieder in aller Seelenruhe zwei ausgewachsene Hirsche durch Ewersbach, ein Ortsteil von Dietzhölztal im Lahn-Dill-Kreis.

Die mehr als 100 Kilogramm schweren Tiere bewegen sich wie selbstverständlich auf den Straßen, weichen bei Gegenverkehr auf den Bürgersteig aus und machen auf ihrer Suche nach Futter auch vor Absperrungen nicht halt, wie Anwohner Arnd Wunderlich am Donnerstag berichtete.

Auch im Garten von Wunderlich sind die tierischen Besucher regelmäßige Gäste. "Die fühlen sich hier richtig heimisch", erzählte er. Ihm zufolge kommen sie seit einem Dreivierteljahr, immer zu zweit. Doch nicht alle Bewohner der 3000-Einwohner-Ortschaft Ewersbach sind begeistert.

Einige Anwohner haben ihre Grundstücke zum Schutz mit Flatterband abgesperrt. "Das hilft aber auch nicht", sagte Wunderlich. Bei ihm springen die Hirsche demnach einfach über den Zaun. Auch Hirschkühe und Füchse wagten sich in den Ort. Zu Unfällen oder größeren Schäden sei es bisher aber nicht gekommen.

Nun würden erst einmal die Gründe für das außergewöhnliche Verhalten der Tiere untersucht, sagte Reinhard Strack-Schmalor, Leiter der Aufsichts- und Ordnungsbehörden der Kreisverwaltung.

"Wir kennen das Eindringen in Ortschaften von Waschbären. Aber bei ausgewachsenen Hirschen ist mir so etwas auch noch nicht untergekommen."

Bürgermeister Andreas Thomas ist alles andere als begeistert von den Hirsch-Besuchen.
Bürgermeister Andreas Thomas ist alles andere als begeistert von den Hirsch-Besuchen.  © DPA/Arnd Wunderlich

Update 18.18 Uhr: Der Dietzhölztaler Bürgermeister Andreas Thomas indes sieht die Hirsch-Besuche nicht ganz so gelassen. Er erhalte "massive Beschwerden" aus der Bevölkerung, unter anderem wegen Sachbeschädigungen und Verkehrsgefährdung.

Zusammen mit der zuständigen Jagdbehörde beim Lahn-Dill-Kreis wird geprüft, wie sich die Hirsche vergrämen lassen könnten. Thomas habe sich auch nach den Voraussetzungen für einen Abschuss der Tiere erkundigt. "Ein Antrag ist aber nicht gestellt."

Die "waffenrechtliche Abschusserlaubnis" kann laut Reinhard Strack-Schmalor von der Kreisverwaltung auch erst dann erteilt werden, "wenn alles andere nicht mehr hilft".

Nun werden erst einmal die Gründe für das außergewöhnliche Verhalten der Tiere untersucht. "Wir kennen das Eindringen in Ortschaften von Waschbären. Aber bei ausgewachsenen Hirschen ist mir so etwas auch noch nicht untergekommen."

Titelfoto: DPA/Arnd Wunderlich