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Beschämend: Facebook-Nutzer verspotten Tote im Kulmbacher Freibad

Kulmbach - Das tragische Unglück in Kulmbach, bei dem zwei Männer in ein leeres Becken im Freibad sprangen und dabei ums Leben kamen, bewegt die Menschen im Netz. Und es verstört zugleich: In vielen Kommentare machen sich User über die Toten lustig, verspotten die zwei jungen Männer aufs Übelste. Schamgefühl? Empathie? Einfühlungsvermögen? Fehlanzeige!
Bei Facebook verspotten viele Nutzer den Tod von zwei Männern im Kulmbacher Freibad.
Bei Facebook verspotten viele Nutzer den Tod von zwei Männern im Kulmbacher Freibad.

Kulmbach - Das tragische Unglück in Kulmbach, bei dem zwei Männer in ein leeres Becken im Freibad sprangen und dabei ums Leben kamen, bewegt die Menschen im Netz. Und es verstört zugleich: In vielen Kommentaren machen sich User über die Toten lustig, verspotten die zwei jungen Männer aufs Übelste. Schamgefühl? Empathie? Einfühlungsvermögen? Fehlanzeige!

Ganz Deutschland liest gerade schockiert, was sich in der Nacht zu Sonntag in Kulmbach (Oberfranken) zugetragen hat. Dort sind in der Nacht zu Sonntag zwei Männer (20,24) in einem Freibad auf tragische Weise ums Leben gekommen (MOPO24 berichtete).

Ebenfalls schlimm sind die vielen Reaktionen von Facebook-Nutzern, die sich über das Unglück im anonymen Schatten des Internets lustig machen. Auf allen Facebook-Seiten großer Medienunternehmen sind die widerlichen Kommentare zu lesen.

Rettungskräfte am Sonntag im Freibad in Kulmbach, wo zwei tote Männer im Springerbecken gefunden wurden.
Rettungskräfte am Sonntag im Freibad in Kulmbach, wo zwei tote Männer im Springerbecken gefunden wurden.

Sandra K. schreibt bei MOPO24 Dresden: "wie kann man so dämlich oder harte sein?! Aber jeder so wie er gerne sterben möchte."

Anna G. kommentiert: "Natürliche Selektion, sagt der Biologe dazu." Die Flut an Kommentaren unter der Gürtellinie zieht sich durch die Medienlandschaft.

Auch auf der Seite der Bild-Zeitung fallen alle Hemmungen. "sorry das ist nicht tragisch sondern einfach nur dumm", "Von Mir gibt es kein Mitleid. Wer sich strafbar macht und nachts in nem Freibad einbricht um illegal schwimmen zu gehen muss damit rechnen das das Konsequenzen mit sich bringt."

Diese Liste mit Kommentaren ist endlos. Doch es gibt auch eine ganze Reihe von Mitleidsbekundungen. Viele User verurteilen die niveaulosen Kommentare. Markus B schreibt: "Einige von Euch sollten vorher nachdenken bevor geschrieben wird. Es hätte aus Eurer engen Verwandtschaft, oder aus dem Freundeskreis sein können", oder "Es sind 2 MENSCHEN gestorben !!! wie wäre es mal mit ein bisschen Beileid für die Angehörigen."

Experten streiten über schamlose Facebook-Kommentare

Prof. Dr. Bernhard Pörksen bei einer Diskussion der Media Convention Berlin zum Thema Medienethik.
Prof. Dr. Bernhard Pörksen bei einer Diskussion der Media Convention Berlin zum Thema Medienethik.

Nach mehreren "Shitstorms" in kurzer Zeit wird in ganz Deutschland wieder über schlechtes Benehmen im Netz diskutiert. Der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen bricht entgegen der Empörung eine Lanze für das Phänomen.

"Ich halte die pauschale Shitstorm-Kritik der letzten Zeit für falsch", sagte der Tübinger Professor. "Hier zeigt sich, bei aller berechtigten Empörung über eine ungehemmte Aggression, eben auch eine Publikumsverachtung, die nur die Fronten verhärtet." Zwar gebe es zweifellos böse Attacken, die nicht zu entschuldigen seien. Aber ein Shitstorm könne auch große gesellschaftliche Fragen spiegeln: "Man denke nur an die sogenannte Aufschrei-Debatte - hier ging es um den alltäglichen Sexismus gegenüber Frauen."

Auch der Politologe Martin Emmer sagte, im Prinzip seien die Debatten Teil eines Demokratisierungsprozesses - jeder könne sich jetzt zu Wort melden und mitreden. Richtig sei aber auch: "Die digitalen Öffentlichkeiten sind sehr viel härter und direkter als all das, was früher in der massenmedialen Welt, abgepolstert und herausgefiltert durch journalistische Selektionsmechanismen, passiert ist."

Der Unglücksort in Kulmbach: Das Freibad war am Sonntag gesperrt.
Der Unglücksort in Kulmbach: Das Freibad war am Sonntag gesperrt.

"Wenn man Themen anspricht, sollte man sich dann auch darauf gefasst machen, Kommentare dazu zu bekommen", sagt Klaus Daidrich, Digital- und Social-Media-Berater aus München.

Ebenso wichtig in sozialen Medien ist es, authentisch zu sein. "Die Zeiten, in denen sich Menschen online ein zweites Ich gegeben haben, sind weitestgehend vorbei", glaubt Jens Albers, Social-Media-Manager aus Velen.

Eine unangenehme Ausnahme bilden sogenannte Trolle, die meist anonym provozieren. "Diesen Störenfrieden sollten Nutzer in aller Regel nicht zu viel Aufmerksamkeit schenken, denn diese leben genau davon", weiß Albers.

Wichtig: Nutzer sollten nicht vergessen, dass das Netz kein rechtsfreier Raum ist. "Ganz vereinfacht gesagt geht es dabei zum einen darum, welche Äußerungen jemand tätigen oder verbreiten darf", erläutert der Medienjurist Sebastian Telle aus Düsseldorf. "Zum anderen aber geht es um Handlungen, die das geistige Eigentum beeinträchtigen.

Bei Äußerungen ist grundsätzlich zwischen Meinungen und Tatsachen zu unterscheiden. "Behauptet jemand falsche Tatsachen, die den berechtigten Ehrschutz von jemandem verletzen, so kann dies in der Regel verboten werden", erklärt Telle.

Als Tatsachen gelten Aussagen, die man beweisen kann.

Wer dagegen seine Meinung im Netz kundtut, drückt dabei eine subjektive Haltung aus – hier ist nur in sehr gewichtigen Fällen ein Verbot möglich. Strafrechtlich relevant seien etwa Beleidigungen, Stalking oder Volksverhetzung.

Fotos: dpa, facebook

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