Er fiel über eine Frau her und alle schauten weg

Vor Gericht bereute Moneer G. seine Tat.
Vor Gericht bereute Moneer G. seine Tat.

Von Steffi Suhr

Meißen - Er wollte in Meißen eine Lehrerin vergewaltigen. Dafür muss Moneer G. (30) vier Jahre und neun Monate hinter Gitter. So entschied am Freitag das Landgericht Dresden.

„Am Vorabend der Tat hatte der Angeklagte erfahren, dass sein Vater verstorben war. Daraufhin trank er sehr viel Alkohol“, referierte Richterin Michaela Kessler (53). Und der Marokkaner trieb sich an der Elbe und in Höhe der Berufsschule herum.

Um 6.30 Uhr morgens kam dort am Schulhof Erika K. (55, Name geändert) an. Die Lehrerin für Englisch und Russisch bemerkte plötzlich, dass jemand hinter ihr lief.

„Sie drehte sich um und bekam sofort einen Faustschlag ab“, so die Richterin. Über 20 Minuten kämpfte die Pädagogin, auf dem Boden liegend, gegen Moneer G., der permanent „Sex. Sex. Sex“, brüllte.

In Handschellen wurde der Angeklagte zur Verhandlung gebracht.
In Handschellen wurde der Angeklagte zur Verhandlung gebracht.

„Er riss ihr büschelweise Haare aus, die am Tatort verteilt überall zu finden waren. Und er biss der Frau sogar in den Oberschenkel.“

Das Szenario blieb nicht unbeobachtet. Richterin Kessler kopfschüttelnd und fassungslos: „Schüler, sogar zwei Kollegen der Lehrerin kamen vorbei, interpretierten das Geschehen aber angeblich anders. Ein Lehrer dachte sogar, das wäre einvernehmlicher Sex und schloss das Hoftor, damit die Kinder nichts mitbekommen.“

Das Knarren des Tores ließ den Angreifer einen Moment innehalten. „Das nutzte das Opfer, um sich in die Schule zu retten.“

Im Prozess weinte der Angeklagte, bat um Verzeihung. Erika K. wird noch lange mit der Tat zu kämpfen haben: „Das Opfer hat die Tat nicht verarbeitet, sondern nur verdrängt“, so die Richterin.

Fotos: Ove Landgraf


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