Warum darf dieser Mörder hier frei rumlaufen?

Das Opfer kam in Handschellen: Sven K. (37) sitzt derzeit noch eine Haftstrafe wegen Betruges ab.
Das Opfer kam in Handschellen: Sven K. (37) sitzt derzeit noch eine Haftstrafe wegen Betruges ab.

Von Steffi Suhr

Dresden - Er sitzt wegen Mordes. Weil er auch im Knast später immer wieder straffällig wurde, setzte es zusätzlich die Sicherungsverwahrung. Nun drückt Andreas H. (52) erneut die Anklagebank.

Ins Landgericht Dresden kam er aber am Montag ohne Handschellen! Und statt die Pausen im Haftkeller zu verbringen, stand der Mehrfachtäter in der Sonne und rauchte!

Für seine Opfer muss es ein Schlag ins Gesicht sein: „Ich habe sogenannte Ausführungen“, erklärte Andreas H. „In Begleitung darf ich einmal im Monat überall hin. Meist in die Kirche. Ich lebe schließlich den christlichen Glauben. Deshalb wollte ich auch nach Aachen verlegt werden. Dort ist das Umfeld katholisch.“

Entspannt in der Sonne vorm Gericht: Mehrfachtäter Andreas H. (52).
Entspannt in der Sonne vorm Gericht: Mehrfachtäter Andreas H. (52).

Laut Akte ist Andreas H. alles andere als fromm: Schon zu DDR-Zeiten justizbekannt, verschleppte, missbrauchte und tötete er 1993 einen Schüler (16). Er bekam lebenslang.

Später vergewaltigte er Mithäftlinge, schlug Insassen nieder. Der Straßenbahnfahrer, der sich am liebsten verteidigt: „Ich habe keine Probleme in der Haft. Ich backe doch jedes Wochenende.“

Und doch: Als er von Torgau nach Dresden verlegt wurde, fiel er wieder über einen Häftling (37) her, vergewaltigte ihn. Eigentlich hätte Andreas H. dort aus Sicherheitsgründen auch Einzelhaft haben müssen.

„Doch der Gefangene äußerte Suizidabsichten“, so Regierungsoberinspektorin Anja Schiebel-Auge. „Deshalb wurde er vorübergehend mit einem anderen Gefangenen gemeinschaftlich untergebracht...“

Andreas H. weiß: „Ich komme nie wieder raus, gehöre zum Inventar.“

Und auch die Justiz weiß: Andreas H. ist „für die Gewährung von Lockerungsmaßnahmen nicht geeignet“.

Aber: „Allerdings kann auch nicht lockerungsgeeigneten Gefangenen das Verlassen der Anstalt unter Aufsicht gestattet werden“, so Anja Schiebel-Auge.

Und so kam der Mehrfachtäter am Montag zwar in Begleitung von Justizbeamten, bewegte sich aber völlig frei. Urteil folgt.

Fotos: Ove Landgraf


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