VfB Stuttgart: Die Konsequenzen des Buchwald-Rücktritts

Stuttgart - Am Montag kam es zum Paukenschlag beim Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart: Legende Guido Buchwald trat aus dem Aufsichtsrat zurück. (TAG24 berichtete)

Wurde von Buchwald kritisiert: Sportvorstand Michael Reschke.
Wurde von Buchwald kritisiert: Sportvorstand Michael Reschke.  © DPA

Auslöser war ein absurder Zwischenfall nach der Partie gegen den SC Freiburg am Sonntag:

Wie der Stuttgarter Weltmeister mitteilte, soll einer seiner Aufsichtsratskollegen auf ihn zugekommen sein und ihm die sportlich schlechte Lage des VfB vorgeworfen haben.

Problem ist nur: Diese liegt gar nicht in der Verantwortung eines Aufsichtsrats, der schlicht als Kontrollorgan des operativ tätigen Vorstands der VfB Stuttgart AG fungiert.

Zu diesem gehören neben Jochen Röttgermann (Marketing), Stefan Heim (Finanzen), auch Sportvorstand Michael Reschke, den Buchwald im Oktober 2018 kritisierte.

Bei Sport1 sagte er damals: "Einige Entscheidungen waren sicher unglücklich. Die Länge der Vertragsverlängerung mit Holger Badstuber war fragwürdig, die vorzeitige Verlängerung des Kontrakts mit Korkut zu diesem Zeitpunkt unnötig."

Nach Streit: VfB-Aufsichtsrat Gudio Buchwald (r.) entschuldigte sich bei Sportvorstand Michael Reschke (l.). (Fotomontage)
Nach Streit: VfB-Aufsichtsrat Gudio Buchwald (r.) entschuldigte sich bei Sportvorstand Michael Reschke (l.). (Fotomontage)

Außerdem war Buchwald die sportliche Machtstellung Reschkes ein Dorn im Auge. (TAG24 berichtete)

Es lässt sich drüber streiten, ob solche Kritik öffentlich geäußert werden muss, dennoch gehört es eben zur Aufgabe des Kontrollgremiums den Finger in die Wunde zu legen.

Dass nun Buchwald aus dem VfB-Aufsichtsrat zurückgetreten ist, löste eine Diskussion über die möglichen Konsequenzen im Verein aus.

Nach Ansicht vieler, geht dem VfB durch den Rückzug seines Meisterspielers weitere sportliche Kompetenz abhanden, die bei den Schwaben sowieso schon rar ist.

Herrmann Ohlicher (1973-1985 beim VfB Stuttgart) ist nun der einzige ehemalige Fußballprofi im Kontrollgremium.

Ansonsten besteht der Stuttgarter Aufsichtsrat beinahe ausschließlich aus Wirtschaftsgrößen, wie dem Kärcher Geschäftsführer Hartmut Jenner oder Daimler Vorstandsmitglied Wilfried Porth.

Trat aus dem Aufsichtsrat zurück: VfB-Legende Guido Buchwald.
Trat aus dem Aufsichtsrat zurück: VfB-Legende Guido Buchwald.

Doch geringe sportliche Kompetenz im Aufsichtsrat ist nichts ungewöhnliches.

Beim deutschen Rekordmeister, dem FC Bayern München, ist beispielsweise Aufsichtsrat-Boss Uli Hoeneß der einzige ehemalige Fußballprofi. Ansonsten tummeln sich dort Leute wie der ehemalige CSU-Chef Edmund Stoiber oder Telekom-Vorstandschef Timotheus Höttges.

Doch der FC Bayern hat seine sportliche Kompetenz auf mehreren Schultern verteilt: Neben Präsident Hoeneß, spielten auch Sportdirektor Hasan Salihamidžić und Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge für den FC Bayern.

Stuttgarts Sportvorstand Reschke steht dagegen fast alleine an der sportlichen Front. Neben dem schon erwähnten Aufsichtsrat Ohlicher, gibt es noch den ehemaligen deutschen Nationalspieler Thomas Hitzlsperger, der allerdings als Leiter des Nachwuchsleistungszentrum nur kaum ins Geschäft der Bundesliga-Mannschaft eingreifen dürfte.

Die mangelnde sportliche Kompetenz ist allerdings auch den VfB-Verantwortlichen bewusst, die schon längst auf der Suche nach einem Reschke-Assistenten sind.

Was den Rücktritt Buchwalds betrifft, bleibt die Größe seines Verlusts weiter umstritten, doch eines verlieren die Brustringträger mit ihrem Ehrenspielführer sicherlich: Eine Identifikationsfigur.

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