VfB Stuttgart im Jahr 2019: Kontinuierliches Chaos

Stuttgart - Ruhige Zeiten beim VfB Stuttgart? Nicht mehr als nur ein vergeblicher Wunsch, wie der schwäbische Traditionsclub im Jahr 2019 mal wieder eindrucksvoll unter Beweis stellte. Meistens herrschte Chaos und ein Tiefpunkt folgte dem anderen.

Nach der 0:6-Klatsche beim FC Augsburg: Markus Weinzierl dürfte in diesem Moment schon geahnt haben, dass es seine letzte Partie als VfB-Trainer war.
Nach der 0:6-Klatsche beim FC Augsburg: Markus Weinzierl dürfte in diesem Moment schon geahnt haben, dass es seine letzte Partie als VfB-Trainer war.  © DPA/ Tom Weller

Einer dieser vielen rabenschwarzen Tage spielte sich am 20. April in Augsburg ab. Als Tabellen-16. der Bundesliga ging es für den VfB darum, den Anschluss ans rettende Ufer nicht zu verlieren. Es war das Schicksalsspiel des damaligen Trainers Markus Weinzierl.

Was folgte, war eine Blamage. 0:6 ging der VfB bei den Fuggerstädtern unter und ließ jegliche Erstligatauglichkeit vermissen. Trainer Weinzierl verließ nach der Partie sinnbildlich mit seiner Tasche unterm Arm das Stadion. Am selben Abend wurde er noch entlassen.

Es war die erste Trainerentlassung unter Sportvorstand Thomas Hitzlsperger, der im Februar das Amt des gescheiterten Michael Reschke übernommen hatte.

Hitzlsperger hielt lange - für viele zu lange - an Weinzierl fest, doch nach dem Debakel in Augsburg blieb dem Fanliebling, der sich so sehr Kontinuität in seinem Verein wünscht, keine andere Wahl als die Reißleine zu ziehen.

Anschließend bewies Hitzlsperger Mut und beförderte U19-Trainer Nico Willig zum Interimstrainer der Profis. Er sollte die Wende bringen und zwischenzeitlich sorgte er mit seinem spielerisch offensiven Ansatz und seinem angenehmen Naturell tatsächlich für frischen Wind. Doch die Mannschaft war einfach zu instabil, da nützte selbst die hoch motivierte Art Willigs nichts.

Zweiter Abstieg und das Drama um Ex-VfB-Präsident Wolfgang Dietrich

Trainingsauftakt VfB Stuttgart: Stuttgarter Fans hängen im Robert-Schlienz-Stadion ein Transparent mit der Aufschrift "Dietrich raus!" auf.
Trainingsauftakt VfB Stuttgart: Stuttgarter Fans hängen im Robert-Schlienz-Stadion ein Transparent mit der Aufschrift "Dietrich raus!" auf.  © DPA/ Fabian Sommer

So musste sich der VfB am 27. Mai in der Relegation gegen Union Berlin geschlagen geben und stieg zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren ins Bundesliga-Unterhaus ab.

Seit der Wiedereinführung der Relegation (2008/09), war der VfB somit nach Energie Cottbus (2009) und Hertha BSC (2012) erst der dritte Erstligist, der im Duell gegen den Zweitligisten den Kürzeren zog.

Dramatisch für den VfB, dessen damaliger Präsident Wolfgang Dietrich versprochen hatte, sich innerhalb von fünf Jahren im oberen Tabellendrittel der Bundesliga zu etablieren. Stattdessen standen die Schwaben wieder einmal vor einem Neustart in der 2. Liga.

Allerdings nicht mehr mit Dietrich. Um den "Sonnenkönig", wie viele VfB-Fans den ehemaligen Sprecher von Stuttgart 21 nannten, drehte sich vor allem am 14. Juli alles. An diesem Tag fand die Mitgliederversammlung (MV) des VfB statt und es sollte darüber abgestimmt werden, ob Dietrich weiter im Amt bleiben darf.

Es herrschte in ganz Stuttgart eine Anti-Dietrich-Stimmung, die zum Greifen war. An mehreren Brücken hingen große Banner mit der Aufschrift "Dietrich raus".

VfB mit "Jung und Wild"-Philosophie in eine bessere Zukunft?

Die beiden sportlich Verantwortlichen beim VfB: Sportdirektor Sven Mislintat (l.) und Sportvorstand Thomas Hitzlsperger.
Die beiden sportlich Verantwortlichen beim VfB: Sportdirektor Sven Mislintat (l.) und Sportvorstand Thomas Hitzlsperger.  © DPA/ Andreas Gora

Was dann passierte, führte dazu, dass es einer der schlimmsten Tage in der Geschichte des Vereins für Bewegungsspiele wurde. Weil das W-LAN streikte, musste die Abstimmung ausfallen und die Mitgliederversammlung wurde von Dietrich unter lauten Pfiffen der Fans abgebrochen.

Der Verein geriet bundesweit in die Schlagzeilen. Viele sahen im VfB den Club, der nun endgültig den Hamburger SV als Chaos-Verein abgelöst hatte.

Keine 24 Stunden nach dem Abbruch der Versammlung, trat Dietrich zur Erleichterung der meisten VfB-Anhänger als Präsident zurück.

Der neue starke Mann: Thomas Hitzlsperger. Im Jahr 2019 legte "Hitz" beim VfB eine Blitzkarriere hin. Erst wird er ohne Erfahrung zum Sportvorstand ernannt, wenige Monate später sogar zum Vorstandsvorsitzenden. Mit dem im Dezember neu gewählten Präsidenten Claus Vogt steht er nun an der Spitze des schwäbischen Traditionsclubs.

Doch trotz großer Beliebtheit bei den Fans, muss sich inzwischen auch Hitzlsperger erklären. Mit Interimscoach Willig stieg man ab, anschließend scheiterte sein Trainerschützling Tim Walter, der mit offensivem Ballbesitz-Fußball den VfB zurück in die Bundesliga führen sollte. Nach durchwachsener Hinrunde zogen Hitzlsperger und Sportdirektor Sven Mislintat kurz vor Weihnachten allerdings die Reißleine. Das Missverständnis mit Walter verzeiht man den VfB-Bossen zwar, doch die Entscheidung über den Nachfolger sollte nun sitzen.

Sollte der Start in die Rückrunde misslingen und das Ziel Aufstieg in Gefahr geraten, könnte sich schon zu Beginn des Jahres 2020 eine Führungskrise beim VfB entwickeln. Und das VfB-Chaos würde seinen Lauf nehmen.

Wie er leibt und lebt: Ex-VfB-Interimstrainer Nico Willig steht im Mai gegen Wolfsburg an der Seitenlinie.
Wie er leibt und lebt: Ex-VfB-Interimstrainer Nico Willig steht im Mai gegen Wolfsburg an der Seitenlinie.  © DPA/ Fabian Sommer
Der nächste Ex-Trainer des VfB Stuttgart: Tim Walter sitzt bei seinem letzten Spiel als Schwaben-Coach in Hannover auf der Bank.
Der nächste Ex-Trainer des VfB Stuttgart: Tim Walter sitzt bei seinem letzten Spiel als Schwaben-Coach in Hannover auf der Bank.  © DPA/ Swen Pförtner
Keine 24 Stunden später trat Wolfgang Dietrich als VfB-Präsident zurück. Der Schnappschuss hält den Moment fest, als Dietrich nach gescheiterter Abstimmung über seine Zukunft die Mitgliederversammlung für beendet erklärt.
Keine 24 Stunden später trat Wolfgang Dietrich als VfB-Präsident zurück. Der Schnappschuss hält den Moment fest, als Dietrich nach gescheiterter Abstimmung über seine Zukunft die Mitgliederversammlung für beendet erklärt.  © dpa/ Christoph Schmidt
Ein Blick auf den Vorstandsvorsitzenden des VfB Stuttgart: Thomas Hitzlsperger während seiner Rede bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung im Dezember. Danach hieß der neue VfB-Präsident Claus Vogt.
Ein Blick auf den Vorstandsvorsitzenden des VfB Stuttgart: Thomas Hitzlsperger während seiner Rede bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung im Dezember. Danach hieß der neue VfB-Präsident Claus Vogt.  © DPA/ Tom Weller
Seit 15. Dezember neuer Präsident des VfB Stuttgart: Claus Vogt.
Seit 15. Dezember neuer Präsident des VfB Stuttgart: Claus Vogt.  © DPA/ Tom Weller

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