Meinung: Weinzierls Medienschelte soll von VfB-Krise ablenken

Stuttgart - Es war ein wütender Auftritt, den VfB-Trainer Markus Weinzierl vor dem Abstiegskrimi gegen den FC Augsburg auf der Pressekonferenz hinlegte. (TAG24 berichtete)

Nach der Spuckattacke fasst VfB-Mittelfeldmann Santiago Ascacíbar dem Leverkusener Kai Havertz noch ins Gesicht.
Nach der Spuckattacke fasst VfB-Mittelfeldmann Santiago Ascacíbar dem Leverkusener Kai Havertz noch ins Gesicht.  © DPA

So erlebten die Journalisten am Mittwochmorgen einen kämpferischen Weinzierl, der zur Medienschelte ausholte.

Ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt, kurz vor dem Endspiel gegen seinen Ex-Club Augsburg, bei dem vermutlich auch sein Job auf dem Spiel steht.

Dass sein Opfer dabei die Medien sind, verwundert allerdings nicht und ist eine beliebte, sowie kalkulierte Masche, wenn ein Verein mit dem Rücken zur Wand steht.

"Wir Trainer werden für alles verantwortlich gemacht", polterte Weinzierl los und sprach außerdem von mangelndem Respekt gegenüber dem Job als Coach.

Das alles erinnerte etwas an die spektakuläre Wutrede der Bayern-Bosse im Oktober, als sich die Münchner mit einem großflächigen Angriff gegen die Medien schützend vor Trainer Nico Kovac stellten, der kurz vor dem Aus zu stehen schien.

Damals erinnerte Bayerns Vorstand Karl-Heinz Rummenigge die Pressevertreter sogar daran, sich ans Grundgesetz zu halten, weil man mit der kritischen Berichterstattung über einzelne Spieler und Trainer nicht zufrieden war.

VfB-Trainer Markus Weinzierl zeigt etwas Feuer an der Seitenlinie.
VfB-Trainer Markus Weinzierl zeigt etwas Feuer an der Seitenlinie.

Ganz so spektakulär wie der Vorfall an der Säbener Straße war Weinzierls Pressekonferenz zwar nicht, doch die Absicht ist ähnlich.

Meiner Meinung nach soll mit der Medienschelte von der schlechtesten Bundesliga-Saison in der Geschichte des VfB Stuttgart abgelenkt werden. Und von der Trainerdiskussion.

So wiegelte Weinzierl auch diesen TAG24-Redakteur ab. Dieser fragte nämlich, ob der Coach Verständnis habe, falls der VfB die Reißleine ziehen sollte - und ihn entließe.

Daraufhin entgegnete Weinzierl: "Auf Sie habe ich mich schon den ganzen Tag gefreut" und "Sie haben mir letzte Woche schon drei negative Fragen gestellt." Die eigentliche Frage ließ der Niederbayer aber unbeantwortet.

Weinzierl hatte sich die Wutrede vorgenommen, was sich von Anfang an bemerkbar machte.

So nahm er die Berichterstattung über die Spuckattacke von Santiago Ascacíbar (TAG24 berichtete) zum Anlass seiner Medienschelte. Als ihn ein Journalist darauf ansprach, wie er die Aktion des Argentiniers bewerte, rieb sich Weinzierl schon die Hände, dass er von der Einstiegsfrage an, ganz nach dem Vorbild der bayrischen "Abteilung Attacke", loslegen durfte.

Und wie er loslegte! Aber immerhin war mal wieder etwas Feuer bei Weinzierl zu sehen, das sich jetzt nur noch auf die Mannschaft übertragen muss.

Wenn diese es dann noch auf den Platz bringt, könnte es gegen Mitabstiegskonkurrent Augsburg vielleicht auch mal mit einem Sieg klappen.

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