VfB-Präsident Dietrich will sich Kritik stellen, und weicht dann unangenehmer Frage aus

Stuttgart - Der stark in der Kritik stehende Vereinspräsident Wolfgang Dietrich (70) betont immer wieder, wie offen er sachlicher Kritik gegenüberstehe und dieser allzeit gesprächsbereit begegne. Als ein Blogger ihm im Anschluss einer VfB-Veranstaltung jedoch eine kompromittierende Frage stellte, wich Dietrich aus und reagierte harsch.

VfB-Fans hängen beim Trainingsauftakt in die Zweitliga-Saison ein Banner mit "Dietrich Raus!" am Trainingsgelände auf.
VfB-Fans hängen beim Trainingsauftakt in die Zweitliga-Saison ein Banner mit "Dietrich Raus!" am Trainingsgelände auf.  © DPA

Bei der Veranstaltung "VfB im Dialog" am vergangenen Dienstag in der Mercedes-Benz Arena wurden dem VfB-Präsident diverse eingeschickte Fragen aus den sozialen Netzwerken zu seiner Person gestellt, die der 70-Jährige teils ausführlich beantwortete.

Dabei ging es unter anderem um den kommenden Sonntag, wenn bei der Mitgliederversammlung über seine Abwahl abgestimmt wird und wie er das ganze Treiben im Internet um seine Person bewerten würde.

Dietrich gab unter anderem zu Protokoll, dass nicht alle Kommentare im Netz nur Häme und Spott gegenüber ihm beinhalten würden. Es sei auch "viel sachliche Kritik dabei". Dieser wolle er sich auch stellen und betonte seine Gesprächsbereitschaft gegenüber jedem Einzelnen.

Was dem Präsidenten und auch den anderen Anwesenden bei der Veranstaltung missfiel und was alle aufs Schärfste verurteilten, ist die Hetze von vielen Usern im Netz, die sie im Schutzmantel der Anonymität gegen Dietrich führen würden.

"Wenn sich jemand hinstellt, sein Gesicht zeigt, seinen Namen nennt und sich dann kritisch äußert, ist das kein Problem", so Dietrich. Dem kam der Blogger und Twitter-User @blogcannstatt offenbar nach, der bei der Veranstaltung zugegen war.

Wolfgang Dietrich reagiert harsch auf kritische Frage

Am Sonntag stimmen die VfB-Mitglieder bei der Mitgliederversammlung über die Abwahl des Präsidenten Wolfgang Dietrich (Foto) ab.
Am Sonntag stimmen die VfB-Mitglieder bei der Mitgliederversammlung über die Abwahl des Präsidenten Wolfgang Dietrich (Foto) ab.

Er selbst macht auf Twitter und in seinem Blog keinen Hehl daraus, kritisch gegenüber Wolfgang Dietrich eingestellt zu sein.

Da er eine vorbereitete Frage während des Events nicht stellen konnte, suchte er nach dem Ende das Gespräch mit dem VfB-Präsidenten. Dabei nannte er, wie er auf Twitter schrieb, Dietrich seinen Namen und leitete seine Frage ein.

Konkret wollte er wissen, weshalb der 70-Jährige vor dessen Wahl zum Präsidenten 2016 den Mitgliedern verschwiegen habe, dass er noch bis zum 31. Dezember 2017 am sportlichen Erfolg anderer Vereine über den Investor "Quattrex" profitierte.

Der "Blog aus Cannstatt"-Autor schrieb, dass Dietrich dem Kern dieser Frage zweimal ausgewichen sei und alles noch vor seiner Kandidatur nachvollziehbar unter anderem der Deutschen Fußball-Liga (DFL), sowie dem Vereinsbeirat und anderen Gremien zur Prüfung vorgelegt hätte.

Als der User nachhakte und erneut auf das Verschweigen gegenüber den Mitgliedern hinauswollte, wurde Dietrichs Tonfall offenbar harscher, rauer. 70-Jährige wollte eine Unterstellung gegenüber ihm erkennen. Der Blogger konkretisierte, dies sei nicht der Fall, aber seiner Meinung nach, wäre Dietrich bei einer richtigen Offenlegung seiner Quattrex-Geschäfte 2016 wohl gar nicht zum Präsidenten gewählt worden.

Daraufhin soll Dietrich gesagt haben: "Dann brauchen wir ja nicht miteinander diskutieren." Das Gespräch war beendet, @blogcannstatt war enttäuscht und verließ die Mercedes-Benz Arena.

Wie er twitterte, habe sich durch die Veranstaltung seine Haltung gegenüber Wolfgang Dietrich "nicht verändert, sondern nur bestätigt". Er werde am Sonntag für eine Abwahl stimmen. Viele andere Twitter-User reagierten auf die Tweets des Bloggers, lobten dessen Herangehensweise und Mut, das Gespräch zu suchen.

"VfB im Dialog" hat so in Sachen Wolfgang Dietrich zumindest im Netz nicht dafür gesorgt, dass die Kritik abnimmt. Stattdessen wurde die Diskussion rund um den Hashtag #DietrichRaus weiter befeuert.

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