Chemnitzer Viadukt-Freunde planen Proteste

Zu schön, um nicht mehr eins der Wahrzeichen der Stadt zu sein? Frank Kotzerke (43) fordert den Erhalt des Viadukts über die Chemnitz.
Zu schön, um nicht mehr eins der Wahrzeichen der Stadt zu sein? Frank Kotzerke (43) fordert den Erhalt des Viadukts über die Chemnitz.

Chemnitz - Mit dem ICE nach München? Für Chemnitz ist der Ausbau der Sachsen-Franken-Magistrale entscheidend. Der Streit ums Viadukt stört aber das Verhältnis zur Bahn, Chemnitzer wollen morgen gegen Abrisspläne protestieren. Auch die Elektrifizierung zwischen Marktredwitz und Nürnberg ist noch nicht unter Dach und Fach. Schützenhilfe bekommt Sachsen von CSU-Mann Hans-Peter Friedrich (58).

Reisende aus Sachsen müssen in Hof das Ross wechseln - von Elektro- auf Diesel-Loks. Unmöglich, findet der CSU-Bundestagsabgeordnete Hans-Peter Friedrich. „Der Ausbau des Schienennetzes ist Strukturpolitik.

Die wird von der Politik entschieden“, so Friedrich auf einer Konferenz des Sächsisch-Bayerischen Städtenetzes in Bayreuth, an der auch Chemnitz’ Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (53, SPD) teilnahm.

OB Barbara Ludwig (53, SPD, li.). CSU-Bundespolitiker Hans-Peter Friedrich (58) will der Deutschen Bahn Beine machen.
OB Barbara Ludwig (53, SPD, li.). CSU-Bundespolitiker Hans-Peter Friedrich (58) will der Deutschen Bahn Beine machen.

Zwei Milliarden Euro kostete die Elektrifizierung von Hof nach Dresden.

476 Millionen Euro fehlen zwischen Nürnberg und Marktredwitz. Geld, das im neuen Bundesverkehrswegeplan nicht gesichert ist. „Der Bund will nicht“, befürchtet der Nürnberger SPD-Bundestagsabgeordnete Martin Burkert (51).

2006 fuhr der letzte Intercity nach Nürnberg. Seit Dezember 2014 ist für E-Loks aus Sachsen in Hof Endstation.

Ein Puzzleteil der Sachsen-Franken-Magistrale ist das Chemnitztal-Viadukt. Die Bahn will die Brücke für zwölf Millionen Euro erneuern.

Chemnitzer wie Frank Kotzerke (43) vom Stadtforum fordern deren Erhalt. Eine Sanierung der 250 Meter langen Stahlkonstruktion kostet voraussichtlich um die 20 Millionen Euro.

Die Bahn setzt auf einen Neubau, der günstiger als eine Sanierung wäre.
Die Bahn setzt auf einen Neubau, der günstiger als eine Sanierung wäre.

Kotzerke: „Wichtig ist, dass wir am Dienstag in großer Zahl erscheinen und die Meinung der Stadt und der Bürgerschaft vertreten.“

Bahner Wolfgang Lesch (61): „Wenn der Bahn neue Steine in den Weg gelegt werden, sinkt das Interesse, Chemnitz ans Fernbahnnetz anzuschließen.“

Lesch spielt auf die Vergabe der Strecke von Chemnitz nach Leipzig an die Konkurrenz an, die ab 13. Dezember mit Reichsbahnwaggons die Messestadt ansteuert.

Die Bahn will morgen ihre Entscheidung zum Viadukt verkünden. Die Veranstaltung beginnt 18 Uhr im Hörsaal 2N114 des Hörsaalgebäudes der TU.

Viadukt? Es geht um mehr

Kommentar von Torsten Schilling

Ganz unschuldig sind die Bayern nicht an den Verzögerungen bei der Elektrifizierung der Sachsen-Franken-Magistrale. Seit Jahren können sie sich nicht einigen, ob das Kabel über Hof und Bayreuth nach Nürnberg oder über Hof und Marktredwitz nach Regensburg gezogen werden soll. Gut, dass sich Polit-Schwergewicht Hans-Peter Friedrich von der CSU in die Waagschale wirft.

Mit der Fertigstellung der ICE-Trasse von München über Erfurt und Leipzig nach Berlin wird sich der Güterverkehr neue Wege suchen, um Waren zwischen den Nord- und Ostseehäfen sowie den Mittelmeerhäfen zu transportieren. Der Weg über Regensburg kommt der Bahn gelegen. Noch dazu, wo Güterverkehr einträglicher ist als Personentransport. Was aber dem einen nützt, sollte dem anderen nicht schaden.

Der Lückenschluss im Dreieck Hof-Bayreuth-Nürnberg muss auch von uns Sachsen mit aller Macht vorangetrieben werden. Denn nur so erhält die Region Chemnitz die Chance, eines Tages wieder mit ICE Richtung Südwesten und Österreich fahren zu können. An den Fernverkehr über Leipzig glaubt eh keiner mehr.

Fotos: Sven Gleisberg, Sven Simon/dpa, Maik Börner


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