Skrupellos! Christian Bale als Dick Cheney im Meisterwerk "Vice - Der zweite Mann"

USA - Großes Kino! "Vice - Der zweite Mann" von Regisseur Adam McKay (The Big Short, Die etwas anderen Cops) startet am 21. Februar in den deutschen Lichtspielhäusern.

Dick Cheney (Christian Bale) und seine Frau Lynne (Amy Adams) schafften es bis an die Spitze der Macht in den USA und veränderten den Lauf der Geschichte nachhaltig.
Dick Cheney (Christian Bale) und seine Frau Lynne (Amy Adams) schafften es bis an die Spitze der Macht in den USA und veränderten den Lauf der Geschichte nachhaltig.  © PR/Universum Film

Dass Dick Cheney (Christian Bale) einmal ein so einflussreicher Mann sein würde, war in den frühen Jahren seines Lebens nicht abzusehen. 1963 lebte er mit 22 Jahren in Illinois und war ein Faulpelz.

Mit dem Reparieren von Stromleitungen hielt er sich über Wasser, trank viel Alkohol und prügelte sich in einer Bar. Dennoch fuhr er anschließend Auto, wurde erwischt und wegen Trunkenheit am Steuer verhaftet.

Seine Frau Lynne (Amy Adams) machte ihm eine klare Ansage: Entweder er macht etwas aus seinem Leben oder sie verlässt ihn. Denn sie hatte unter ihrem alkoholsüchtigen und gewalttätigen Vater Wayne Vincent (Shea Whigham) genug für ein Leben gelitten.

Dick, der aus Yale rausgeschmissen wurde, versteht das, ändert und bessert sich. So wird er fünf Jahre später beim Congressional Internship Program in Washington angenommen und geht bei keinem geringeren als Donald Rumsfeld (Steve Carell) in die Lehre, bekommt als dessen Assistent viel vom Machtpoker im Weißen Haus mit.

Als ihn Jahrzehnte später George W. Bush (Sam Rockwell) bittet, sein Vizepräsident zu werden, sagt Cheney nicht nur zu, sondern kann auch noch die Bedingungen bestimmen. Mit seiner neuen Macht verändert der Republikaner den Lauf der Geschichte nachhaltig...

George W. Bush (Sam Rockwell) holte Dick Cheney zurück in die Politik und ließ sich dessen Bedingungen widerstandslos diktieren.
George W. Bush (Sam Rockwell) holte Dick Cheney zurück in die Politik und ließ sich dessen Bedingungen widerstandslos diktieren.  © PR/Universum Film

Diese auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte ist fantastisch umgesetzt. Sie entspringt zwar teilweise auch der Fantasie der Verantwortlichen, was jedoch schon zu Filmbeginn erklärt wird.

Denn Cheney war einer der verschwiegendsten Politiker überhaupt. Daher mussten McKay und seine Crew sich auf die Sache konzentrieren, die ihnen am besten gelungen ist: Cheneys Aura einzufangen.

Der US-Politiker, der im Hintergrund von Präsidenten wie George W. Bush die Strippen zog, ist nämlich eine äußerst ambivalente Figur. Liebender Vater und Ehemann auf der einen, Verantwortlicher für den Irak-Krieg und die ISIS-Stärke auf der anderen Seite.

Diese Widersprüchlichkeit seines Hauptcharakters hat McKay genial herausgearbeitet. Berechtigterweise ist er deshalb in den Kategorien "bestes Originaldrehbuch" und "beste Regie" für den "Oscar" nominiert worden.

Dass "Vice" eine so fesselnde und mitreißende Wirkung hat, liegt aber auch am großartigen Schauspiel-Ensemble. Christian Bale (Batman-Trilogie, American Hustle, American Psycho) fraß sich für die Rolle des vollschlanken Cheney ganze 20 Kilo an!

Diese zusätzliche Masse nutzt er geschickt und subtil aus, um die Leinwand nicht nur mit seiner Präsenz auszufüllen, sondern auch all seine schauspielerische Klasse perfekt zu präsentieren. So liefert er eine der besten darstellerischen Leistungen der vergangenen Jahre ab. Er ist völlig zurecht für den "Oscar" als bester Hauptdarsteller nominiert.

Donald Rumsfeld (Steve Carell) gibt Dick Cheney das nötige politische Rüstzeug mit auf den Weg.
Donald Rumsfeld (Steve Carell) gibt Dick Cheney das nötige politische Rüstzeug mit auf den Weg.  © PR/Universum Film

Der heimliche Star des Films ist allerdings Sam Rockwell (Three Billboards Outside Ebbing, Missouri, Ganz weit hinten, Iron Man 2) als George W. Bush. Ihm gelingt der äußerst schwierige Balanceakt, Bush satirisch zu überspitzen, damit für viele Lacher zu sorgen, ihn aber trotzdem nicht ins Lächerliche zu ziehen und angemessen darzustellen. Trotz starker Konkurrenz stehen seine Chancen auf den zweiten "Oscar"-Gewinn in Folge gut.

Auch die wie immer grandiose Amy Adams (Verwünscht, Justice League, Big Eyes) wurde für ihre vielschichtige Performance verdientermaßen nominiert. Sehr schade, dass Steve Carell (Beautiful Boy, Foxcatcher, Ganz weit hinten) trotz zweier herausragender Leistungen in diesem Jahr von der Academy außen vor gelassen wurde. Dabei hätte seine geniale Rolle als Donald Rumsfeld geradezu danach geschrien.

Auch abgesehen vom meisterlichen Ensemble überzeugt der Film mit abwechslungsreichen Bildern, einer starken Ausstattung und gut ausgesuchten Locations.

Sogar überragend ist das Make-up. Sowohl Bale, als auch Rockwell verschmelzen dank dieser herausragenden Arbeit auch äußerlich mit ihren Figuren.

Dick Cheney (Christian Bale) beherrschte die politischen Machtspiele perfekt.
Dick Cheney (Christian Bale) beherrschte die politischen Machtspiele perfekt.  © PR/Universum Film

Selbiges gilt für den ausgewogenen, klugen Schnitt, durch den die Zuschauer die gesamten 132 Minuten gebannt im Kinosaal sitzen und mit Spannung verfolgen, wie es mit den hintergründig inszenierten Machtspielen weitergeht.

Diese sind sogar noch eine Ecke stärker dargestellt, als in den besten Folgen der beliebten Serie "House of Cards".

Das liegt auch an den brillanten Schnitt-Montagen, die dem Publikum mühelos die Zusammenhänge zwischen politischem Kalkül, Machtspielchen, Entscheidungen und deren mitunter schreckliche Auswirkungen aufzeigen.

Bei diesem komplexen Aspekt hat McKay den Durchblick behalten und lässt die Zuschauer nicht nur in diese Welt für sich eintauchen, sondern sie auch durchschauen - großartige Arbeit des "Oscar"-Preisträger!

Diese hat er auch bei den intelligenten, scharfzüngigen Dialogen, der stellenweise sehr amüsanten Situationskomik und dem Timing abgeliefert, weshalb "Vice - Der zweite Mann" ein filmisches Meisterwerk ist, das hoffentlich von einem breiten Publikum gesehen und verstanden wird.

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