Viele sind unzufrieden, aber Zastrow bleibt FDP-Chef

Holger Zastrow (48, hier mit  Generalsekretär Torsten Herbst, 43) beim Landesparteitag der sächsischen FDP in der Sachsenlandhalle Glauchau. Zastrow erhielt nur 52,9 Prozent.
Holger Zastrow (48, hier mit Generalsekretär Torsten Herbst, 43) beim Landesparteitag der sächsischen FDP in der Sachsenlandhalle Glauchau. Zastrow erhielt nur 52,9 Prozent.  © Sven Gleisberg

Glauchau - Die Revolte ist ausgefallen: Trotz tiefer innerparteilicher Gräben hat die Sachsen-FDP Holger Zastrow (48) einmal mehr zu ihrem Chef gewählt - allerdings knapp mit nur 52,9 Prozent. Auf dem Landesparteitag in Glauchau gab es viel Unzufriedenheit.

Die sächsische FDP hat sich für ein „Weiter so“ entschieden. Sie zieht mit altbewährten Team in den Bundes- und Landtagswahlkampf.

Zastrow ist bereits seit 1999 Chef der Sachsen-FDP, setzte sich gegen seinen Kontrahenten, Landes-Vize Robert Malorny (37), durch. Seit dem Wahldesaster bei der Landtagswahl 2014 mit Spitzenkandidat Zastrow ist die Partei wie im Bund in der außerparlamentarischen Opposition. Und hofft, vom Auftrieb der FDP - etwa zuletzt in NRW und Schleswig-Holstein - zu profitieren.

Zastrow: „Wir haben aus unseren Fehlern gelernt. Demut ist Teil unseres Parteiwortschatzes geworden.“ Er sei sich sicher, dass das Comeback gelinge. Die FDP habe die Bodenhaftung zurückgewonnen. Zastrow, dem Kritiker Populismus vorwerfen, grenzte die FDP von Ebenjenen ab. Es gelte in diesen aufgeregten Zeiten die Ruhe zu bewahren.

Doch viele in der FDP sind unzufrieden mit Zastrow. Philipp Hartewig (22), Chef der Jungliberalen: „Wir haben zu wenig eigene Themen gesetzt.“ Der Dresdner Stefan Scharf: „Dresdens OB Hilbert (FDP) wird mit Mord bedroht, und ich höre keine Silbe zur gesellschaftlichen Entwicklung.“ Es reiche nicht, sich zu Steuern und Wirtschaft zu äußern.

Ähnlich Zastrow-Herausforderer Malorny, der nach der Bekanntgabe seiner Kandidatur nach eigenen Angaben massiv angefeindet wurde: „Wir führen zu wenig gesellschaftspolitische Debatten.“ Die Sachsen-FDP schneide im Vergleich mit den anderen Landes-FDP schlecht ab - in Umfragen und bei der Mitgliederentwicklung.

Titelfoto: DPA


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