Mittlerweile 10 Tote bei Zugunglück in Bayern

Ein Polizeihubschrauber fliegt über die Unfallstelle des Zugunglücks in der Nähe von Bad Aibling.
Ein Polizeihubschrauber fliegt über die Unfallstelle des Zugunglücks in der Nähe von Bad Aibling.

Bad Aibling - Nach dem schweren Zugunglück in Oberbayern haben die Rettungskräfte eine weitere Leiche geborgen. Damit erhöhte sich die Zahl der Todesopfer auf neun, wie die Polizei mitteilte. 10 weitere Menschen wurden schwer, 8 mittelschwer und 63 leicht verletzt.

Die zwei Lokführer zählten zunächst nicht zu den Todesopfern. Es sei aber "nach menschlichem Ermessen" nicht vorstellbar, dass sie den Zusammenprall zweier Nahverkehrszüge in der Nähe von Bad Aibling im Landkreis Rosenheim überlebt hätten, sagte der Polizeisprecher.

Gegen 6.50 Uhr waren zwei Züge des privaten "Meridian", der von der zur Transdev gehörenden Bayerische Oberlandbahn betrieben wird, auf der eingleisigen Strecke zwischen Holzkirchen und Rosenheim frontal zusammengestoßen. Dabei verkeilten sich die Triebwagen der beiden Züge.

Ein Zug entgleiste, mehrere Waggons stürzten um. Es dürfte sich um das schlimmste Zugunglück in Bayern seit 1975 handeln.

Rettungskräfte bergen die Opfer.
Rettungskräfte bergen die Opfer.

Die Ursache für das Unglück auf der auch Mangfalltalbahn genannten Strecke war zunächst unklar. Ein Großaufgebot an Rettungskräften mit zahlreichen Hubschraubern und Krankenwagen kümmerte sich um die Verletzten.

In den Zügen sitzen um diese Uhrzeit üblicherweise zahlreiche Pendler, von denen viele nach München fahren. Zum Glück seien am Unglückstag keine Schüler in den Zügen gewesen, sagte ein Polizeisprecher - in Bayern sind derzeit Faschingsferien.

Hubschrauber brachten die Schwerverletzten in Krankenhäuser, während die zahlreichen Leichtverletzten zunächst in einer Sammelstelle versorgt wurden. Dabei half auch die Wasserwacht, die die Verletzten von der direkt an dem Flüsschen Mangfall gelegenen Unfallstelle an das gegenüberliegende Ufer brachte.

Zum Teil wurden die Opfer auch in Bergungssäcken von den Hubschraubern hochgezogen und an das andere Ufer geflogen. Die Unfallstelle ist sehr schwer zugänglich und liegt an einer Hangkante, die zur Mangfall abfällt.

"Der Unfall ist ein Riesenschock für uns", sagte der Geschäftsführer der Bayerischen Oberlandbahn (BOB), Bernd Rosenbusch. "Wir tun alles, um den Reisenden, Angehörigen und Mitarbeitern zu helfen." Die BOB betreibt die Züge auf der Unfallstrecke.

Die Züge waren in einer Kurve zwischen den Bahnhöfen Kolbermoor und Bad Aibling-Kurpark in der Nähe des Klärwerks von Bad Aibling zusammengestoßen. Der Bahnbetreiber richtete mindestens für den kompletten Dienstag einen Ersatzverkehr mit Bussen ein.

Prinzipiell dürfen die Züge an der Stelle bis 120 Stundenkilometer fahren, wie die Deutsche Bahn erläuterte.

UPDATE 21.35 Uhr: Die Ursache für das schwere Zugunglück in Bayern ist nach ersten Ermittlungen "menschliches Versagen". Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Dienstagabend aus zuverlässiger Quelle. Wer genau für das Unglück verantwortlich zu machen ist, war zunächst nicht bekannt.

UPDATE 17.40 Uhr: Die Zahl der Todesopfer ist mittlerweile auf zehn gestiegen. Ein weiterer Mensch starb im Laufe des Tages in einem Krankenhaus, wie das Polizeipräsidium Oberbayern Süd am Dienstagabend mitteilte. Eine weitere Person werde noch in den Zugwracks vermisst. "Wir haben wenig Hoffnung, diese lebend zu bergen", sagte ein Polizeisprecher.

UPDATE 17.00 Uhr: Nach dem schweren Zugunglück haben CSU, SPD, Grüne und Linke in Bayern den traditionellen Politischen Aschermittwoch abgesagt. CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer sagte dem "Bayernkurier", ganz Bayern trauere um die Toten der Zugkatastrophe. "Aus Respekt vor den Opfern des tragischen Zugunglücks findet der morgige Politische Aschermittwoch der CSU nicht statt."

Kurz darauf kündigten auch SPD, Grüne und Linke einen Verzicht auf ihre Veranstaltung an. Der SPD-Landesvorsitzende Florian Pronold sagte: "Der Politische Aschermittwoch lebt von der Auseinandersetzung und dem Schlagabtausch der Parteien. Dafür ist heute und morgen kein Raum. Wir empfehlen unseren Parteigliederungen, diesem Beispiel zu folgen."

Auch die Grünen sagten ab, betonten aber, das habe mit der CSU-Entscheidung nichts zu tun. "Die Gespräche fanden bereits mittags statt", sagte die Sprecherin des Landesverbandes Bayern, Daniela Wüst.

Bei dem frontalen Zusammenstoß verkeilten sich die Triebwagen.
Bei dem frontalen Zusammenstoß verkeilten sich die Triebwagen.
Ein Sanitäter steht auf der Kufe eines Rettungshubschraubers.
Ein Sanitäter steht auf der Kufe eines Rettungshubschraubers.
Etliche Rettungswagen stehen bereit, um die Verletzten abzutransportieren.
Etliche Rettungswagen stehen bereit, um die Verletzten abzutransportieren.
Feuerwehrleute transportieren Rettungsgerät zur Unfallstelle.
Feuerwehrleute transportieren Rettungsgerät zur Unfallstelle.
Dutzende Hubschrauber sind im Einsatz.
Dutzende Hubschrauber sind im Einsatz.
Ein Rettungshubschrauber kreist über der Unglücksstelle.
Ein Rettungshubschrauber kreist über der Unglücksstelle.

Fotos: dpa, Screenshot YouTube


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