Babyleiche in Waldstück entdeckt: Mutter muss in Psychiatrie

Darmstadt - In dem Prozess um eine im Viernheimer Wald in Südhessen gefundene Babyleiche hat das Landgericht Darmstadt die Unterbringung der angeklagten Mutter in einer geschlossenen Psychiatrie angeordnet.

Im September 2017 wurde das Skelett in einem Waldstück nahe Viernheim entdeckt. (Symbolbild)
Im September 2017 wurde das Skelett in einem Waldstück nahe Viernheim entdeckt. (Symbolbild)  © DPA

Damit folgte das Gericht am Dienstag der Staatsanwaltschaft, die wegen Tötung durch Unterlassen auf Totschlag und Unterbringung plädiert hatte.

Die Verteidigung hatte Freispruch gefordert, da das Kind auch durch den plötzlichen Kindstod oder einen anderen Täter zu Tode gekommen sein könnte.

Wegen der von zwei Gutachtern bestätigten paranoiden Schizophrenie der 32 Jahre alten Beschuldigten hatte die Verteidigung auf psychiatrische Betreuung plädiert.

Das Babyskelett war im September 2017 in einer Tasche im Viernheimer Wald entdeckt worden. Die Angeklagte ermittelte die Polizei im Frühjahr 2018 nach Hinweisen aus ihrer Verwandtschaft.

Ein DNA-Abgleich bestätigte, dass sie die Mutter des toten Säugling ist. Sie soll den im März 2017 auf die Welt gekommenen Jungen zwischen dem 12. und 20. April 2017 zu Tode gebracht haben.

"Die Beschuldigte muss dringend behandelt werden", sagte der Vorsitzende Richter Volker Wagner in der Urteilsbegründung. Er verwies auf verwahrloste Unterkünfte und wirr klingende Postings der Beschuldigten bei Facebook, die nahelegten, dass sie ihr Kind getötet oder tödlich vernachlässigt habe. Für das Gericht zeigte das die Eigensucht einer psychisch Kranken.

Am 13. März habe es noch Babyfotos gegeben, am 20. März sei sie ohne Kind bei einem Bekannten aufgetaucht, wies der Vorsitzende Richter auf Zeugenaussagen hin.

Den plötzlichen Kindstod als Todesursache schloss die Kammer aus, da dieser laut Rechtsmedizin erst nach vier Wochen auftrete. "Die Beschuldigte hat eine Perspektive", sagte der Vorsitzende, "unter der Prämisse, dass sie sich behandeln lässt."

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