Araber verhüllen diese Nackte in Berlin

Die Figurengruppe ist jetzt restauriert, allerdings wurde sie von zwei Fahnen verhüllt.
Die Figurengruppe ist jetzt restauriert, allerdings wurde sie von zwei Fahnen verhüllt.  © DPA

Berlin – Jahrelang gab es Streit um eine prunkvolle Botschaftsvilla in Berlin-Zehlendorf mit barbusiger Frauenfigur im Dachgiebel. Ewig wurde sie nicht renoviert, jetzt ist sie es. Doch die schönsten Stellen sind nicht mehr zu sehen. Sie wurden verschleiert.

Die Villa Calé, die sich der Verleger Franz Calé 1904 baute, ist seit 1997 im Besitz des arabischen Emirats Katar. Jahrelang war sie ungenutzt immer mehr verfallen, doch 2015 wurde mit der Renovierung begonnen, um 2017 zum Deutsch-Katarischen Kulturjahr Botschaftsgäste beherbergen zu können.

Schon damals gab es Gerüchte, die muslimischen Besitzer hätten aus "Sittlichkeitsgründen" ein Problem mit der Halbnackten im Giebel.

Dazu hatten sich damals aber weder die Botschaft noch die Architekten geäußert. Jetzt, da die Sanierung fertig ist, steht man vor vollendeten Tatsachen.

Die Nackte ist mit Fahnen verhüllt. Die Nationalfarben von Deutschland und Katar schützen die Besucher vor dem verwerflichen Frauenbild über dem Eingang des Gebäudes.

Wie es darunter aussieht, ob an die Brüste der Figur Hand angelegt wurde, sie ebenfalls restauriert wurden oder ob sie weiter dem Verfall preisgegeben sind, wurde lange spekuliert. Weder die Baufirma noch die Eigentümer ließen sich zu einer Aussage über den Zustand des nackten Körpers hinreißen.

Die Villa Calé gehört seit 20 Jahren dem Emirat Katar und denen ist die Kunst im Giebel offenbar zu freizügig.
Die Villa Calé gehört seit 20 Jahren dem Emirat Katar und denen ist die Kunst im Giebel offenbar zu freizügig.  © DPA

Jetzt bestätigte aber Landeskonservator Jörg Haspe gegenüber dem Tagesspiegel: "Die Giebelskulptur war saniert und restauriert und wurde von der obersten Bauaufsicht und dem Landesdenkmalamt abgenommen."

Die Denkmalschutzbehörde ist über die Verhüllung auch einigermaßen entsetzt. Eine derartige Veränderung sei auf jeden Fall genehmigungspflichtig, berichtet der Tagesspiegel weiter. Allerdings sei nicht klar, ob es möglicherweise eine Genehmigung gebe, weil der zuständige Beamte derzeit im Urlaub sei.

Wenn sie nicht vorliegt, könnte eine Verfügung erlassen werden, den Blick auf die Figuren wieder freizugeben. Diese durchzusetzen würde aber schwierig.

Rechtsanwalt Philipp Martens schätzt die Lage dazu im Tagesspiegel ein: „Es könnte eine Abhängungsverfügung erlassen werden, jedoch ist fraglich, ob diese im Fall einer Weigerung vollstreckt werden könnte, da es sich bei diplomatischen Vertretungen nicht um deutsches Hoheitsgebiet handelt.“

Die Botschaft Katars reagierte auf Nachfragen nicht.


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