Rosenmontags-Anschlag in Volkmarsen: Verdächtiger in U-Haft wegen Mordversuchs

Volkmarsen - Die blutige Auto-Attacke auf den Rosenmontagszug im nordhessischen Volkmarsen sorgte am Montag deutschlandweit für Entsetzen.

Einsatzkräfte nehmen in Volkmarsen Spuren auf.
Einsatzkräfte nehmen in Volkmarsen Spuren auf.  © Uwe Zucchi/dpa

Schon wieder ein Anschlag? Schon wieder in Hessen?

Diese Fragen schossen vielen durch den Kopf, liegt der schreckliche rassistische Terror-Anschlag in Hanau mit elf Toten doch erst wenige Tage zurück.

In Volkmarsen nordwestlich von Kassel war am Montagnachmittag ein 29 Jahre alter Deutscher mit einem silbernen Mercedes beim Rosenmontagszug in der Kleinstadt in eine Menschenmenge gefahren.

Dabei wurden 30 Menschen verletzt. Nach Angaben des hessischen Innenministers Peter Beuth waren rund ein Drittel davon Kinder.

Die Ermittler gehen offenbar in jedem Fall von einer vorsätzlichen Tat aus. Die Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt hat den Fall an sich gezogen und ermittelt wegen eines versuchten Tötungsdelikts.

Aber war es tatsächlich ein Terror-Anschlag?

Auto-Attacke in Volkmarsen: Zweite Festnahme wirft Fragen auf

Das Foto zeigt den silbernen Mercedes, der in die Menschenmenge raste.
Das Foto zeigt den silbernen Mercedes, der in die Menschenmenge raste.  © Uwe Zucchi/dpa

Hinweise auf eine politisch motivierte Straftat liegen laut den Ermittlern bisher nicht vor. Dennoch wird von einem Anschlag ausgegangen. Die Ermittlungen gehen in alle Richtungen.

Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) erfuhr aus Sicherheitskreisen, dass der aus der Region Volkmarsen stammende 29-Jährige in jedem Fall für die Polizei kein Unbekannter ist. Er fiel laut dpa in der Vergangenheit durch Beleidigung, Hausfriedensbruch und Nötigung auf.

Am Montag kursierte auch die Meldung, dass der Verdächtige in eine psychiatrische Klinik gebracht worden sei.

Fragen wirft zudem die Festnahme eines zweiten Mannes in Volkmarsen auf.

Der Frankfurter Polizeipräsidenten Gerhard Bereswill bestätigte am Montag, dass in der Kleinstadt in Nordhessen nach der Auto-Attacke ein zweiter Mann festgenommen wurde. War es ein Komplize des 29-Jährigen? Dies würde für eine geplante Tat und daher tatsächlich für einen Anschlag sprechen.

Gerhard Bereswill betonte aber, es sei noch unklar, ob der Festgenommene als Tatverdächtiger gelte oder ein Zeuge sei. Angeblich soll der Mann hinter dem Auto des 29-Jährigen gefilmt haben. Ist er also am Ende nur ein Schaulustiger?

Viele Fragen rund um die Auto-Attacke auf den Rosenmontagszug stehen im Raum. Die Polizei warnte zudem über den Kurznachrichtendienst Twitter vor kursierenden Fake-News zu den furchtbaren Ereignissen in Volkmarsen.

Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt will Details nennen

Blick auf den Mercedes, der in Volkmarsen in den Rosenmontagsumzug gefahren ist.
Blick auf den Mercedes, der in Volkmarsen in den Rosenmontagsumzug gefahren ist.  © Uwe Zucchi/dpa

Update, 8.45 Uhr: Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt wird voraussichtlich am Dienstagvormittag Details zu den Opfern des Zwischenfalls in Volkmarsen mit Dutzenden Verletzten nennen.

Dies werde man in Absprache mit der Polizei tun, sagte ein Sprecher der Ermittlungsbehörde am Dienstag.

Nach Attacke in Volkmarsen: Zahl der Verletzten steigt auf über 50

Update, 9 Uhr: Die Zahl der Verletzten durch die Auto-Attacke im nordhessischen Volkmarsen ist auf mehr als 50 gestiegen. Wie die Polizei am Dienstag in Kassel mitteilte, befinden sich derzeit noch 35 Personen in stationärer Behandlung. Weitere 17 Menschen wurden demnach ambulant behandelt.

Die Zahl der verletzten Kinder liege bei 18. Wie stark die Kinder verletzt sind und ob unter den Opfern auch Schwerverletzte sind, konnte eine Polizeisprecherin zunächst nicht sagen.

Attacke in Volkmarsen: Stand Autofahrer unter Drogen?

Update, 10.49 Uhr: Der Tatverdächtige 29-Jährige aus der Region Volkmarsen war bei der Auto-Attacke auf den Rosenmontagszug nicht alkoholisiert. Ob er unter dem Einfluss anderer Drogen stand, ist noch unklar, sagte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Dienstag. Bislang sei der Mann nicht vernehmungsfähig.

Die Festnahme eines zweiten Mannes in Volkmarsen steht in Zusammenhang mit einem sogenannten Gaffervideo. Ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt sagte, gegen den Festgenommenen werde wegen "Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Filmaufnahmen" ermittelt.

Ob es darüber hinaus einen Zusammenhang zu dem Vorfall am Montag gegeben habe, müsse noch ermittelt werden.

Polizei gibt Tatort in Volkmarsen wieder frei

Update, 11.58 Uhr: Nach dem Vorfall im nordhessischen Volkmarsen mit mehr als 50 Verletzten ist der Tatort wieder freigegeben worden.

Wie ein Polizeisprecher am Dienstagmittag vor Ort sagte, werde die Straße in der Innenstadt noch gereinigt und sei dann wieder für Fußgänger und Autofahrer nutzbar.

Polizei erhöht Präsenz bei Fastnachtsumzug "Klaa Paris" in Frankfurt

Update, 12.04 Uhr: Die Polizei erhöht ihre Präsenz beim Fastnachtsumzug durch den Stadtteil Heddernheim in Frankfurt. Es werden mehr Beamte vor Ort im Einsatz sein, wie ein Polizeisprecher am Dienstag sagte. Die Veranstaltung in Frankfurt ist für Dienstagnachmittag geplant.

Der Fastnachtszug durch Heddernheim solle wie geplant stattfinden, sagte ein Sprecher der Zuggemeinschaft "Klaa Paris". "Wir wollen uns die Fastnacht nicht nehmen lassen". Man habe sich mit der Polizei abgestimmt und das Sicherheitskonzept überprüft. Das bestätigte auch der Polizeisprecher.

Das Innenministerium hatte zuvor mitgeteilt, dass es keine konkreten Hinweise darauf gebe, dass sich die Gefährdungslage nach den Vorkommnissen in Nordhessen für die noch geplanten Umzüge im Land erhöht habe.

Die Veranstalter wurden jedoch nachdrücklich aufgefordert, ihre Sicherheitskonzepte nochmals zu überprüfen und bei Bedarf anzupassen.

Polizei: jetzt fast 60 Verletzte in Volkmarsen

Update, 15.09 Uhr: Nach dem Vorfall beim Rosenmontagszug in Volkmarsen melden sich nach Polizeiangaben noch immer verletzte Menschen. Aktuell habe sich die Zahl auf fast 60 Verletzte erhöht, teilte die Polizei am Dienstag mit.

Das Polizeipräsidium bat alle Menschen, die Verletzungen davongetragen haben - "auch wenn keine ärztliche Behandlung notwendig war" - sowie alle Personen, die Hinweise zum Täter und dem Tathergang machen könnten, sich unter der Rufnummer 08001103333 zu melden.

Kein Zusammenhang zwischen Taten in Volkmarsen und Hanau

Update, 15.20 Uhr: Zwischen den beiden Taten in Volkmarsen und Hanau gibt es nach Angaben von Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) keine Verbindung.

In beiden Fällen würden die Ermittlungen mit Hochdruck geführt, sagte der Minister am Dienstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Wiesbaden. "Es gibt zum jetzigen Zeitpunkt keinerlei Hinweise, dass die beiden Taten in Zusammenhang stehen."

Zwei so gravierende Zwischenfälle innerhalb weniger Tage verunsicherten viele Menschen im Land. "Diese Taten dürfen aber nicht dazu führen, dass sie uns diktieren, wie wir zu leben haben", betonte Beuth. "Solche Anschläge auf unsere Freiheit mahnen uns zur Achtsamkeit, aber nicht zu Ängstlichkeit."

Verdächtiger von Volkmarsen: U-Haft wegen Mordversuchs

Update, 20.03 Uhr: Gegen den Autofahrer, der beim Rosenmontagszug in Volkmarsen mehr als 60 Menschen verletzt haben soll, ist Untersuchungshaft angeordnet worden.

Ihm werden versuchter Mord, gefährliche Körperverletzung und gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr vorgeworfen, wie die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Dienstagabend mitteilte.

Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr und ein Abschleppwagen stehen am Dienstag an dem Ort, wo am Montag ein Mann mit seinem Auto in einen Karnevalsumzug gerast war.
Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr und ein Abschleppwagen stehen am Dienstag an dem Ort, wo am Montag ein Mann mit seinem Auto in einen Karnevalsumzug gerast war.  © Uwe Zucchi/dpa

Titelfoto: dpa/Uwe Zucchi

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