Jagd auf die Schale: Darum hängt DSC-Coach Waibl das Ziel so hoch wie möglich

Das Team und Trainer Alexander Waibl (2.v.r.): Scott Till Müller, Co-Trainer Andrea Ebana und Athletik-Coach Goran Mladenic (v.l.).
Das Team und Trainer Alexander Waibl (2.v.r.): Scott Till Müller, Co-Trainer Andrea Ebana und Athletik-Coach Goran Mladenic (v.l.).  © Lutz Hentschel

Dresden - Die Bälle fliegen endlich wieder, die Bundesligasaison 2017/18 hat begonnen. TAG24 sprach vorm ersten Heimspiel des Vorjahres-Dritten DSC am Sonntag gegen den USC Münster mit Chefcoach Alex Waibl (49).

TAG24: Herr Waibl, es fällt auf: Vor einem Jahr standen vier Nordamerikanerinnen im Kader (vier weitere kamen im Verlauf der Saison noch dazu) und nur zwei Deutsche. Jetzt ist nur noch ein US-Girl im Aufgebot, aber dafür fünf Deutsche, die alle durch die Dresdner Nachwuchsschule gegangen sind. Hat der DSC eine neue Personalpolitik eingeschlagen?

Waibl: „Nein. Entscheidend ist, dass uns die neuen Spielerinnen mit ihren Fähigkeiten weiterbringen. Es ist schön, wenn das Dresdnerinnen sind, aber die Nationalitäten im Kader sind eher zufällig. Ich arbeite auch gern mit Amerikanerinnen. Dieses Jahr haben wir es geschafft, viele längerfristige Verträge abzuschließen. Das gelingt meist nur bei jüngeren Spielerinnen, weil die älteren eher ans Geld denken müssen.“

Alexander Waibl hängt die Ziele gern hoch.
Alexander Waibl hängt die Ziele gern hoch.  © Lutz Hentschel

TAG24: Die Saisonvorbereitung war weniger turbulent als 2016, aber Sie haben auch schon wieder Verletzungssorgen.

Waibl: „Rica Maase und Marrit Jasper sind von Bänderverletzungen betroffen. Dominika Strumilo musste wegen muskulärer Probleme im Rücken pausieren. Hartes Training ist mit Verschleiß verbunden. Problematisch wird das, wenn die Verletzungen auf eine Position fallen, wie bei uns im Angriff. Ich werde deshalb aber jetzt nicht nervös. Wir sind gut aufgestellt, haben Qualität. Klar haben wir viele junge Angreiferinnen, eine erfahrene könnte Stabilität und Qualität bringen. Aber ich denke jetzt nicht an Verstärkung - höchstens einmal in zwei Wochen eine Minute lang.“

TAG24: Beim Saisonziel haben Sie ganz offensiv vom Meistertitel gesprochen. Ist das mutig oder übermütig?

Waibl: „Wenn es nicht realistisch wäre, hätte ich es nicht gesagt. Ziel ist das maximal Erreichbare. Man muss im Leben das Ziel so hoch hängen, wie es geht. Sonst erreicht man nichts. Unsere Mannschaft ist talentierter als die vor einem Jahr. Wir haben sehr viele Stärken, coole Typen und einen guten Teamgeist. Deshalb spielen wir um die Meisterschaft.“

Im Sommer 2017 läuteten bei Alexander Waibl und Ex-DSC-Spielerin Stefanie Waibl (geb. Karg) nochmal die Hochzeitsglocken.
Im Sommer 2017 läuteten bei Alexander Waibl und Ex-DSC-Spielerin Stefanie Waibl (geb. Karg) nochmal die Hochzeitsglocken.  © Lutz Hentschel

TAG24: Nach sechs Jahren in der europäischen Königsklasse tritt der DSC jetzt eine Etage tiefer im CEV-Cup an. Wie groß ist der Anreiz?

Waibl: „Gefühlsmäßig gibt es für mich keinen Unterschied. Die Champions League ist außergewöhnlich, man hat große Teams in der Gruppe. Im CEV-Cup sorgt das K.o.-System für Spannung, das ist gut für die Zuschauer. Wir treffen in der ersten Runde auf Pays d‘Aix Venelles aus Frankreich. Das ist ein Fifty-Fifty-Duell, aber wir wollen natürlich weiterkommen.“

TAG24: Sie sind seit 2009 in Dresden und mit drei Meistertiteln, zwei Pokalsiegen sowie einem EC-Triumph nicht nur der erfolgreichste Bundesliga-Trainer des DSC, sondern auch der mit dem längsten Stehvermögen. Wie motivieren Sie sich immer wieder neu?

Waibl: „Ich hatte in meinen Leben noch nie einen Tag als Trainer, in dem ich nicht motiviert war. Der innere Antrieb, das Beste herauszuholen, ist immer da. Ich brauche da keine neue Stadt, keinen neuen Verein. Im Verlaufe der Jahre habe ich ohnehin immer wieder mit neuen Leuten, neuen Spielerinnen zu tun. Niederlagen ärgern mich, das ändert sich nicht. Keinen Bock zu haben, das gibt‘s bei mir nicht.“

TAG24: Am Sonntag steigt das erste Heimspiel gegen Münster. Herrscht jetzt schon Druck nach dem 2:3 zum Auftakt in Potsdam?

Waibl: „Kein außergewöhnlicher. Wir sind am Anfang der Saison, brauchen sicher noch fünf, sechs Spiele, um zu Stabilität zu finden. Ganz gleich, was jetzt passiert, alles ist wertvoll für die Entwicklung. Die Spielerinnen wollen natürlich das Beste geben, deshalb sind der Anspruch und die eigene Erwartungshaltung hoch. So muss das sein bei einer guten Mannschaft. Wir freuen uns auf die Partie gegen Münster. Jedes Spiel in der eigenen Halle, vor den eigenen Fans, ist etwas Besonderes. Gerade für die neuen Mädels wird das erste etwas sehr Spezielles.“


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