Abschiebung droht! Verzweifelter Kreisliga-Fußballer reist freiwillig aus

Avdyl Haliti spielte auch schon beim VfB Fichte in Bielefeld.
Avdyl Haliti spielte auch schon beim VfB Fichte in Bielefeld.

Schloß Holte-Stukenbrock - Es ist eine traurige Geschichte, die irgendwie an dem deutschen Rechtssystem zweifeln lässt. Avdyl Haliti (30), der seit Jahren in Deutschland Fußball spielt und sich hier integriert hat, wird das Land nun verlassen.

Der Grund: Er soll abgeschoben werden. Doch bevor es soweit kommt, dass er zwangsausgewiesen wird, geht er lieber freiwillig zurück in den Kosovo.

"Für mich bricht eine Welt zusammen, weil dort mein Leben von null anfängt und ich nicht weiß, wie ich das schaffen soll", erzählt er dem Westfalen-Blatt. In Ferizaj kommt er vorerst bei seinen Eltern unter.

Lange Zeit wehrte er sich gegen seine Abschiebung: "Ich habe zuletzt versucht, mit der Hilfe von Anwälten meine Aufenthaltserlaubnis zu verlängern." Alles Mühe scheint vergebens gewesen zu sein.

Bis zum Wochenende spielte der 30-Jährige noch für den FC Kastrioti Stukenbrock.
Bis zum Wochenende spielte der 30-Jährige noch für den FC Kastrioti Stukenbrock.

Mit fünf Jahren kam der 30-Jährige zum ersten Mal nach Deutschland. Neun Jahre später ging es zurück in den Kosovo. Als er 21 Jahre alt war, entschied er sich, wieder zurück in die Bundesrepublik zu kommen.

"Seitdem bin ich, abgesehen von kurzen Unterbrechungen, neun Jahre hier, das ist meine Heimat", sagt er. 2011 wurde Haliti hier sogar zum albanischen Sportler des Jahres gewählt.

Als Fußballer spielte er bereits beim SV Höxter und dem VfB Fichte Bielefeld. Zuletzt stand er für den Kreisligisten FC Kastrioti Stukenbrock auf dem Platz.

"Von der Kreisliga B bis in die Bezirksliga gibt es keinen besseren Stürmer als ihn", lobt sein Trainer Naim Pajaziti ihn. Dass er torgefährlich ist, bewies er auch am Wochenende beim Senne-Cup.

Der 30-Jährige geht mit Angst zurück in sein Geburtsland. "Ich fürchte, dass ich nicht mehr nach Deutschland zurückkommen kann."

Im Kosovo kommt er vorerst bei seinen Eltern unter.
Im Kosovo kommt er vorerst bei seinen Eltern unter.

Er versteht bis heute nicht, warum er überhaupt das Land verlassen muss. "Ich spreche Deutsch, ich habe gearbeitet, und ich habe nie etwas verbrochen. Es ist traurig, dass ich trotzdem zurückgeschickt werde."

Auch der Versuch, sich im Baugewerbe selbstständig zu machen, scheiterte. "Ich dachte, dass ich mich damit rette. Dann musste ich Ende November aufgrund der drohenden Abschiebung mein Gewerbe abmelden."

Im Kosovo bleibt ihm nur die Hoffnung, dass er wieder als Profi Fuß fassen kann. Er hat auch schon Kontakt zu seinem ehemaligen Fußball-Verein, dem kosovarischen Erstligisten KF Ferizaj, aufgenommen.

"Sie erwarten mich mit Sehnsucht", erzählt der Stürmer. Aber sein Traum ist und bleibt, "längerfristig irgendwann wieder nach Deutschland kommen zu können."


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