Nach Schweine-Massenmord auf Hof von CDU-Politiker: Staatsschutz ermittelt

Vreden – Nach dem gewaltsamen Eindringen Unbekannter in einen Schweinemastbetrieb im westlichen Münsterland nehmen am Dienstag die Eigentümer des Hofes öffentlich Stellung.

Auf diesem Hof verendeten die rund 900 Schweine.
Auf diesem Hof verendeten die rund 900 Schweine.

Bei dem Vorfall, bei dem rund 900 Tiere qualvoll verendeten, ist ein Schaden von rund 100.000 Euro entstanden (TAG24 berichtete).

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur gehört der Hof der Familie eines hohen Bauernfunktionärs. Er wird vom Sohn des CDU-Bundestagsabgeordneten Johannes Röring bewirtschaftet. Röring ist auch Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes. Die Polizei ermittelt in alle Richtungen.

Laut Polizei waren die unbekannten Täter in der Zeit zwischen Sonntagabend gegen 18 Uhr und Montagmorgen gegen 8.50 Uhr in den Technikraum des Betriebes eingedrungen und hatten die Stromversorgung unterbrochen. Damit wurde die Belüftung des Stalles ausgeschaltet, die für die Mastschweine lebensnotwendig ist.

Nach Angaben eines Polizeisprechers wird in alle Richtungen ermittelt. Am Montag wollte sich die Familie auf Nachfrage nicht äußern. Der Sprecher des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes in Münster hielt sich ebenfalls zurück.

"Ich kann weder bestätigen noch dementieren, dass der Hof der Familie Röring betroffen ist", sagte Hans-Heinrich Berghorn auf Nachfrage. Johannes Röring (CDU) selber war nach Auskunft seines Bundestagsbüros am Montagabend in einer Sitzung.

Tierschutz wird auf Betrieb aufmerksam

Der Bundestagsabgeordnete Johannes Röring (CDU) steht neben seinem Sohn Christian, der den Schweinemastbetrieb führt.
Der Bundestagsabgeordnete Johannes Röring (CDU) steht neben seinem Sohn Christian, der den Schweinemastbetrieb führt.

2015 waren Tierschützer in den Betrieb eingedrungen und hatten Aufnahmen gemacht, um vermeintliche Verstöße gegen das Tierschutzgesetz zu dokumentieren.

Die Bilder wurden im ARD-Magazin "Panorama" im Fernsehen gezeigt. Der Bauernpräsident hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Nach Angaben des zuständigen Veterinäramtes des Kreises Borken gab es keine Auffälligkeiten in dem Betrieb.

Bereits im Juli 2013 waren auf dem Hof in Vreden über 900 Tiere verendet. Damals hatte ein technischer Defekt für einen Ausfall der Belüftungsanlage gesorgt.

Weil eine Alarmanlage nicht angeschlagen hatte, wurde der Schweinemastbetreiber nicht gewarnt. Der Landwirt hatte damals von sich aus die Behörden alarmiert.

UPDATE, 11.45 Uhr: Beim gewaltsamen Eindringen wurde auch die Alarmanlage manipuliert. Das sagte ein Sprecher der Polizei in Borken am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.

Da die Hintergründe der Tat völlig offen sind, hat die Polizei in Borken nach eigener Aussage auch die Staatsschutzabteilung des Polizeipräsidiums Münster mit in die Ermittlungen eingebunden. Der Staatsschutz ermittelt bei Straftaten mit einem politischen Hintergrund.

Die toten Tiere wurden nach Behördenangaben in der Nacht auf Dienstag vom Hof abtransportiert.

UPDATE, 15.06 Uhr: Die Lüftungs- und Alarmanlage des Schweinemastbetriebes in Vreden, ist zuletzt im vergangenen Monat von einer Fachfirma überprüft worden. Das teilte der Hofbetreiber Christian Röring am Dienstag in einer Mitteilung mit.

Die Anlage sei bei der Prüfung im Dezember in Ordnung gewesen, so der Landwirt. Wie zuvor die Polizei gab er an, dass sich bislang unbekannte Täter gewaltsam Zugriff zu einem Technikraum des Betriebs nahe der holländischen Grenze verschafft hätten.

Dort soll in der Zeit von Sonntag 18 Uhr bis Montag 8.50 Uhr die Stromzufuhr für die Belüftung des Stalls gekappt und die Alarmanlage manipuliert worden sein. Daher wurde der Schweinemäster nicht vor den Folgen des Stromausfalls gewarnt.

"Wir hoffen, dass die Polizei diesen für mich und meine Familie in vielfacher Hinsicht sehr bedrückenden Vorfall rasch aufklären kann", sagte Röring laut der Mitteilung.

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