Jagdszenen in Dresden: Wachmann schlägt Asylbewerber

Tumulte und Gewalt in der Asylunterkunft an der Hamburger Straße.
Tumulte und Gewalt in der Asylunterkunft an der Hamburger Straße.

Dresden - In der Flüchtlingsunterkunft an der Hamburger Straße in Dresden hat es bereits im Oktober eine Massenschlägerei gegeben. Wie die "Sächsische Zeitung" (SZ) berichtet, sollen dabei Wachleute äußert hart gegen Asylbewerber vorgegangen sein.

Die Polizei schrieb von einem "Handgemenge" am 23. Oktober an der Hamburger Straße. Doch so harmlos, wie die Beamten berichteten, war diese Auseinandersetzung nicht.

Diese neuen Aufnahmen, die der SZ nun vorliegen, zeichnen ein anderes Bild: ein libanesischer Flüchtling rannte im Außenbereich vor dem Sicherheitspersonal davon, stolperte und fiel hin. Der Wachmann, der ihn verfolgte, versuchte den am Boden liegenden Mann zu treten. Dann traf den Flüchtling ein Faustschlag am Hinterkopf. Es sind wilde Szenen, gefilmt von Asylbewerbern selbst. Immer wieder gehen Menschen aufeinander los.

Die Polizei in Dresden ermittelt jetzt gegen den Wachmann, der den Flüchtling getreten und geschlagen haben soll.

Auch gegen einen Flüchtling sei ein Verfahren eingeleitet, die Vernehmungen dauern an. "Wir gehen davon aus, dass sich wegen der Auseinandersetzungen noch mehr Strafverfahren ergeben werden", sagte ein Polizeisprecher der SZ.

Ein Wachmann tritt nach einem Flüchtling und schlägt ihn.
Ein Wachmann tritt nach einem Flüchtling und schlägt ihn.

Wie die Polizei klar stellt, hätte das Sicherheitspersonal ein Recht auf Notwehr. Doch inwieweit dieses Recht bei der Schlägerei an der Hamburger Straße zum Tragen komme, muss nun geklärt werden.

Die verantwortliche Sicherheitsfirma "Ihre Wache GmbH" wies die Vorwürfe größtenteils zurück, habe sich aber bereits von den beteiligten Wachmännern getrennt. Wie Firmenchef Martin Linnemann gegenüber der SZ sagte, waren Provokationen seitens der Flüchtlinge den Jagdszenen vorausgegangen. Einer der Security-Männer sei mit einem Stein angegriffen und verletzt worden.

Die Flüchtlinge, die mit der SZ sprachen, erheben ebenfalls schwere Vorwürfe: "Da ist ein Trupp, angeführt von einem Iraker, der stürmt einfach die Zimmer. Sie treten unter unsere Bettmatrazen, der Iraker beleidigt uns auf Arabisch. Er droht damit, uns zu Afghanen zu verlegen", so ein Syrer. Die Wachleute (übrigens selbst Iraker) würden ständig schikanieren.

Bei der Unterkunft an der Hamburger Straße handelt es sich um das ehemalige Technische Rathaus der Stadtverwaltung. Seit vergangenen September werden dort von der Landesdirektion Sachsen Flüchtlinge untergebracht.

Ausführliche Hintergründe zu der Schlägerei in der betroffenen Asylunterkunft gibt es hier.

Fotos: screenshot SZ Kanal youtube.com


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