Umwelt-Verschmutzung: Wie wir mit unseren Klamotten die Ozeane zerstören

Von Gina Gadis

Polyester, Polyamid, Elasthan, Acryl, Nylon – all diese synthetischen Stoffe in unseren Klamotten bestehen aus Plastik und somit aus Erdöl.

Entscheidend ist, aus welchen Stoffen die Kleidungsstücke bestehen.
Entscheidend ist, aus welchen Stoffen die Kleidungsstücke bestehen.  © Gina Gadis

Dass die Produktion solcher Stoffe nicht sonderlich nachhaltig sein kann, ist klar, aber auch nach dem Kauf tragen wir durch das Waschen unserer Wäsche zur Verschmutzung unserer Umwelt bei.

Wie genau das passiert und was Du dagegen machen kannst, darum soll es in diesem Artikel gehen.

Bei jedem Waschgang brechen unzählige Mengen an Mikrofasern von unseren Textilien ab. Sie sind winzig klein und verschwinden mit dem Abwasser.

Weder die Waschmaschinen-Filter, noch die Kläranlagen können derartige Mikropartikel herausfiltern. Gerade einmal 20 der 10.000 Kläranlagen in Deutschland sind laut der Website guppyfriend.com mit der Reinigungsstufe ausgestattet, die es braucht, um Medikamentenreste und Mikroplastik herauszufiltern.

Handelt es sich um Naturfasern, ist das kein Problem, denn diese können sich in der Natur abbauen. Doch die abgebrochenen Fasern unserer synthetischen Kleidung können das nicht. Sie gelangen mit dem Klärschlamm wieder auf unsere Felder oder über die Flüsse in die Meere. So tragen auch wir hier in Deutschland zur Verschmutzung der Ozeane bei.

Laut guppyfriend.com wird alleine in Berlin jeden Tag eine Menge von 500.000 Plastiktüten durch die Waschmaschinen in unser Abwasser gespült. Ganze 35 Prozent des Mikroplastiks im Meer kommt laut bund.net aus Klamotten.

Auf Naturfasern achten und "Guppyfriend" benutzen

Der "Guppyfriend" ist ein wirksamer Helfer.
Der "Guppyfriend" ist ein wirksamer Helfer.  © Gina Gadis

Nun aber genug der schockierenden Fakten. Was kann jeder einzelne von uns dagegen unternehmen?

Natürlich können wir am einfachsten diese Verschmutzung umgehen, indem wir auf synthetische Stoffe verzichten und beim Kauf von Klamotten, Bettlaken, Handtüchern, etc. auf Naturfasern wie Baumwolle, Leinen, Hanf, Wolle oder Seide achten.

Diese Materialien sind außerdem meistens qualitativ hochwertiger und halten länger. Doch leider gibt es manche Textilien, wie zum Beispiel Sport- und Funktionskleidung, kaum aus diesen umweltfreundlichen Materialien.

Für mich persönlich hat sich der sogenannte "Guppyfriend" als wirksamer Helfer herausgestellt. Dieser Waschsack, in den ich meine synthetische Kleidung zum Waschen fülle, bevor ich sie in die Waschmaschine gebe, kann 90 bis 100 Prozent des Mikroplastiks herausfiltern – und es funktioniert tatsächlich!

Im Anschluss kann ich die Mikrofasern einfach mit der Hand aus den Ecken des Beutels nehmen und im Restmüll entsorgen. Es ist gar nicht viel, denn durch das widerstandsfreie Material des Sacks brechen auch viel weniger Fasern ab und die Kleidung geht nicht mehr so schnell kaputt.

Essig als Weichspüler-Ersatz versuchen

Die Wäsche sollte im besten Fall immer an der Luft trocknen.
Die Wäsche sollte im besten Fall immer an der Luft trocknen.  © Gina Gadis

Aber auch das Reduzieren der Waschtemperatur empfiehlt sich, denn dadurch verbraucht man nicht nur weniger Energie, es brechen auch weniger Fasern ab und weniger Mikroplastik wird ausgeschwemmt.

Die gleichen Vorteile erzielt man, indem man ein kürzeres Waschprogramm wählt, die Schleuderzahl niedriger einstellt und die Maschine gut füllt.

Denn je intensiver die Fasern Reibung ausgesetzt sind, desto mehr Mikroplastik bricht ab und gelangt in unser Abwasser.

Ebenso sorgen Weichspüler dafür, dass sich mehr Fasern aus der synthetischen Kleidung lösen und die Sachen so schneller kaputtgehen. Darauf kannst Du getrost verzichten. Wer trotzdem kuschelige Socken und Handtücher möchte, der kann es einfach mal mit Essig als Weichspüler-Ersatz versuchen.

Auch nach dem Waschen solltest Du Deine Wäsche lieber an der Luft trocken lassen, anstatt sie in den Trockner zu geben. Denn die meisten Wäschetrockner verwenden ein Kondensationsverfahren, um den Textilien Feuchtigkeit zu entziehen. Das dabei entstehende Wasser wird in einem Behälter gesammelt, den der Nutzer dann im Abfluss ungefiltert entleert.

Noch besser als Kaltwäsche, Lufttrocknen und Co. ist es, einfach mal auf das Wäsche-Waschen zu verzichten. Oftmals reicht es, die Kleidung zum Lüften für eine oder zwei Stunden rauszuhängen. Einzelne Flecken bekommt man auch mit der Hand und Hausmitteln raus, man muss also nicht gleich das ganze Kleidungsstück waschen.

Es ist wirklich nicht schwer, seinen Klamotten ein längeres Leben einzuhauchen und somit unsere Umwelt zu schützen. Mit diesen Tipps klappt es in jedem Fall!

Über die Autorin

TAG24-Kolumnistin Gina Gadis.
TAG24-Kolumnistin Gina Gadis.  © Gina Gadis

Gina (25) wurde in Dresden geboren und studierte in Freiberg Wirtschaftsingenieurwesen. Zwischen ihrem Bachelor und dem Master ging sie auf Reisen.

Knapp zwei Jahre bereiste Gina die Welt, zehn Monate davon war sie in Asien unterwegs. Hier kam es zu der Initialzündung. Denn vielerorts in Asien sind die Menschen nicht mehr Herr über die Vermüllung ihrer Orte.

Gina sammelte schon auf ihrer Reise Müll ein, öffentlichkeitswirksam begeisterte sie auch immer mehr Menschen in ihrer Heimat für das Thema.

Als sie zurück nach Deutschland kam (aktuell Masterstudentin in Darmstadt), verfolgte sie weiter die Müll-Thematik. Sie schreibt nun unter anderem diese Kolumne für TAG24.

Titelfoto: Montage: Gina Gadis


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