Wahlchaos geht weiter! Sieger schmeißt plötzlich hin

Königstein – Das Wahlchaos in Gohrisch (Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge) (TAG24 berichtete) geht weiter. Erst der Ärger um ungültige Stimmen, jetzt das: Sieger Maik Günther (38, Linke) schmeißt hin!

Maik Günther.
Maik Günther.  © Daniel Förster

„Im Ergebnis intensiven Nachdenkens und vieler Gesprächen habe ich mich entschieden, das Amt des Bürgermeisters von Gohrisch nicht anzutreten“, schreibt Günther am Montag in einem Brief an seine Mitstreiter. Das Schreiben liegt TAG24 vor.

Er habe sich sehr auf die herausfordernde Aufgabe gefreut, für die ihn die Linke und Freien Wähler nominiert hatten. „Leider habe ich bei der Wahl am 26. Mai nicht die Unterstützung erhalten, die aus meiner Sicht erforderlich ist, um als Bürgermeister erfolgreich arbeiten zu können. Nur etwas mehr als ein Drittel der Wählerinnen und Wähler hat mir ihre Stimme gegeben. Dafür bin ich dankbar, das ist aber dennoch kein ausreichender Rückhalt.“

Letztlich sei es für ihn überraschend gewesen, dass er „durch viele für ungültig erklärte Stimmen durch den Wahlausschuss doch als gewählt festgestellt wurde“.

Hintergrund: Obwohl Günther als einziger angemeldeter Kandidat bei der Kommunalwahl am 26. Mai auf den Stimmzetteln stand, schrieben viele Wähler den Namen CHRISTIAN NAUMANN drauf. Der war bereits 2015 bis 2017 Ortsvorsteher, zog sich damals aber nach Zoff in der Gemeinde zurück. Naumann ist 69 Jahre alt und parteilos.

Wahl-Posse im Kurort Gohrisch.
Wahl-Posse im Kurort Gohrisch.  © Holm Helis

Das Hinzufügen eines Namen auf Stimmzettel ist zwar zulässig und gilt am Ende, allerdings nur, wenn der Name vollständig geschrieben ist und in einigen Wahlkreisen zumindest noch mit Beruf u.ä. versehen wird. In Gohrisch fehlte das bei Naumann vielfach, wie die Wahlkommission anschließend feststellte. So hatte Naumann letztlich mehr Stimmen als Günther, aber weniger gültige.

Naumann selbst wollte das bis zuletzt so nicht stehen lassen. Er legte bereits vorsorglich Widerspruch ein, will weiter Ortsvorsteher werden. Das könnte nun klappen. Bislang allerdings ist laut Wahlleiterin Gitta Lehmann von der Stadtverwaltung Königstein, zu der Gohrisch gehört, dort noch nichts vom Rückzug Günthers bekannt. Eine Entscheidung zum Umgang mit der Sache treffe im Übrigen die Rechtsaufsichtsbehörde, also das Landratsamt.

Doch Naumann sagte am Montag mit der Nachricht von Günthers Rückzug konfrontiert: er stehe im Falle von Neuwahlen (natürlich) weiter zur Verfügung.

Günther spricht in seinem Brief auch für „eine baldige Neuwahl“ aus.

Weiter schreibt er: „Die letzten Wochen waren für mich persönlich sehr belastend und auch menschlich enttäuschend. Ich hatte mich in allen Ortsteilen öffentlich vorgestellt, wobei die Möglichkeit, mich zu befragen, nur von sehr wenigen Bürgern genutzt wurde. Dann wurden kurz vor der Wahl mehrere Flugblätter verteilt, in denen reihenweise Unwahrheiten und Falschdarstellungen enthalten waren. Ich hatte nicht für möglich gehalten, dass es in unserem Ort einen derart schmutzigen Wahlkampf geben könnte, und schon gar nicht, dass so viele Bürger sich davon beeinflussen lassen.

In dieser Situation ist es mir nicht möglich, als Bürgermeister in einer offenkundig gespaltenen Gemeinde tätig zu sein, auch mit Blick auf meine Gesundheit. …

Ich will zusammenführen und werde in diesem Sinne auch meine Arbeit im Gemeinderat fortsetzen.“

Mehr zum Thema Dresden:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0