Nach Wahl-Klatsche: CDU uneins über Abgrenzung zur Linken, AKK wehrt sich gegen Angriffe

Erfurt/Berlin - Nach der historischen Schlappe bei der Landtagswahl in Thüringen diskutiert die CDU über eine Kooperation mit der Linkspartei und die nächste Kanzlerkandidatur.

Mike Mohring und Annegret Kramp-Karrenbauer auf der Pressekonferenz nach der Thüringen-Wahl.
Mike Mohring und Annegret Kramp-Karrenbauer auf der Pressekonferenz nach der Thüringen-Wahl.  © DPA

Der stellvertretende Bundesvorsitzende Thomas Strobl sagte der "Rhein-Neckar-Zeitung": "Wenn ich an eine Zusammenarbeit mit der Linken denke, sträubt sich alles in mir, wirklich alles." Er betonte, Thüringens CDU-Landeschef Mike Mohring kenne die Beschlusslage der Bundes-CDU, nach der Koalitionen mit der Linken wie der AfD ausgeschlossen seien.

Die CDU in Thüringen war am Sonntag auf das historische Tief von 21,8 Prozent abgesackt. Die Christdemokraten landeten hinter Linkspartei und AfD auf Platz drei. Mohring will angesichts der unklaren Mehrheitsverhältnisse nun eine Gesprächseinladung von Linke-Ministerpräsident Bodo Ramelow annehmen. Jenseits der AfD ist eine Regierungsbildung nur möglich, wenn Union oder FDP mit den Linken, SPD und Grünen kooperieren - also entweder doch eine Koalition eingehen oder aber eine Minderheitsregierung dulden.

Mohring war nach der Wahl zunächst so verstanden worden, dass er die strikte Abgrenzung zur Linken infrage stellen könnte. Das hatte für Widerstand gesorgt, auch in der Thüringer CDU. Einige Mitglieder von Landesvorstand und -präsidium hätten auf eine Klarstellung gepocht, hieß es nach der Sitzung der Parteigremien.

Axel E. Fischer, Mitglied des Unions-Fraktionsvorstandes, gab der Bundes-CDU unter Führung von Annegret Kramp-Karrenbauer eine Mitschuld an dem Wahldebakel. "Die Wahlniederlage in Thüringen ist die logische Konsequenz einer gefühlt inhaltsleeren Politik der Bundes-CDU", sagte er der "Augsburger Allgemeinen".

Kramp-Karrenbauer hatte angesichts der innerparteilichen Angriffe ihren Führungsanspruch am Montag untermauert. Im Bundesvorstand sei von JU-Chef Tilman Kuban, "die Führungsfrage gestellt worden", sagte Kramp-Karrenbauer. Sie forderte interne Kritiker zugleich auf, im Streit um die Kanzlerkandidatur 2021 öffentlich Farbe zu bekennen. Sie wolle diese Entscheidung dem Parteitag im nächsten Jahr vorlegen. Wer immer meine, die Frage müsse jetzt entschieden werden, habe auf dem anstehenden Parteitag (22. bis 23. November) dazu Gelegenheit.

Unionsfraktionsvize Carsten Linnemann mahnte zur Ruhe und sagte der Funke-Mediengruppe: "Mit dem Gerede über die Kanzlerkandidatur muss endlich Schluss sein. Sonst erleiden wir mit der ständigen Selbstbeschäftigung das gleiche Schicksal wie die SPD und marginalisieren uns selbst." Strobl sagte: "Die Frage der Kanzlerkandidatur im Herbst 2021 steht momentan wirklich nicht an."

Beide Politiker stehen vor schweren Entscheidungen in der Zukunft.
Beide Politiker stehen vor schweren Entscheidungen in der Zukunft.  © DPA

Titelfoto: DPA

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