Drogen & Waffen: Schmuggler-Jagd im Knast

Intensive Kontrollen im "Knast" werden immer wichtiger.
Intensive Kontrollen im "Knast" werden immer wichtiger.

Von Hermann Tydecks

Dresden - Sie bewältigen nur die heikelsten Aufgaben in den sächsischen Gefängnissen: Die zwölf Männer und sechs Frauen der „Sicherheitsgruppe Justizvollzug“ transportieren die gefährlichsten Straftäter, spüren auch noch so einfallsreich versteckte Schmuggelware in den Haftzellen auf.

Schmuggelware ist ein großes Problem in den zehn Gefängnissen im Freistaat. „Die meisten Sorgen bereiten uns Drogen“, sagt Dirk Mingo (50), Leiter der Sicherheitsgruppe.

In diesem Jahr wurden bislang mehr als 55 Gramm Crystal (2014: 78 Gramm) und 53 Gramm Cannabis (105 Gramm) gefunden.

Einfallsreich: In diesem Rätselbuch verbarg ein Knacki eine selbst gebaute Tätowiermaschine.
Einfallsreich: In diesem Rätselbuch verbarg ein Knacki eine selbst gebaute Tätowiermaschine.

Mindestens einmal im Jahr knüpfen sich die Bediensteten der Sicherheitsgruppe jede JVA vor, durchsuchen intensiv und unangekündigt die Zellen! Bei diesen „Razzien“ haben sie mehr Zeit, als ihre Anstaltskollegen bei den gewöhnlichen 14-tägigen Routinekontrollen.

Und die brauchen sie auch - denn die Insassen geben sich größte Mühe, Drogen oder gar Waffen erfinderisch zu verstecken!

Doppelter Boden in Heringsdosen oder ausgehöhlte Rätselbücher sind beliebte Methoden. Kreativ präparierte ein Insasse ein scheinbar einfaches Brotbrett: „Es lässt sich aufklappen, ein Handy war darin versteckt“, sagt Dirk Mingo.

Etwa 400 geschmuggelte Handys werden pro Jahr entdeckt. „Sie werden etwa mit einem Tennisschläger über die Mauern ins Innere geschossen.“

Tiefenkontrolle.
Tiefenkontrolle.

Die Sicherheitsgruppe fährt auch Sachsens gefährlichste Verbrecher wie Geiselnehmer zu Gerichts- oder Arztterminen. 189 solcher Transporte gab es seit Gründung der Gruppe 1995 - alle ohne Zwischenfall.

Nur erfahrene Beamte dürfen der Sicherheitsgruppe beitreten. Regelmäßig trainieren sie Schießen und Nahkampf.

Justizminister Sebastian Gemkow (37, CDU) dankte den Beamten, wünschte ihnen und ihren Spürhunden „weiterhin eine gute Nase“.

Eine verschlossene Dose Heringsfilet entpuppt sich als präpariertes Versteck.
Eine verschlossene Dose Heringsfilet entpuppt sich als präpariertes Versteck.

Fotos: dpa/Peter Ending


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