Lübcke-Mord: Täter war offensichtlich aus der rechtsextremen Szene

Karlsruhe/Kassel - Der Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke hat nach Einschätzung der Bundesanwaltschaft einen rechtsextremistischen Hintergrund.

Markus Schmitt, Sprecher der Bundesanwaltschaft, gibt ein Statement zum Tatverdächtigen im Mordfall Lübcke ab.
Markus Schmitt, Sprecher der Bundesanwaltschaft, gibt ein Statement zum Tatverdächtigen im Mordfall Lübcke ab.  © DPA

Die Ermittlungen richteten sich gegen den 45-jährigen Stephan E., erklärte ein Sprecher der Karlsruher Behörde am Montag. Er sei dringend verdächtig, Lübcke heimtückisch durch einen Kopfschuss getötet zu haben.

Hinweise auf ein rechtsterroristisches Netzwerk gebe es bisher nicht. Die Bundesanwaltschaft schließt ein solches Netzwerk bisher aber auch noch nicht aus.

Bei dem tatverdächtigen Deutschen handelt es sich um einen mehrfach vorbestraften Mann, der nach Angaben aus Sicherheitskreisen zumindest in der Vergangenheit Verbindungen in die rechtsextreme Szene hatte. Unter anderen soll er laut Zeit Online 1993 einen Anschlag auf ein Asylbewerberheim im hessischen Hohenstein-Steckenroth verübt haben (TAG24 berichtete). Spezialeinheiten hatten ihn am Samstag in Kassel gefasst, seit Sonntag sitzt er unter Mordverdacht in Untersuchungshaft. Der Generalbundesanwalt hatte das Verfahren am Montag an sich gezogen.

"Wir gehen aufgrund des aktuellen Ermittlungsstandes davon aus, dass es sich um einen rechtsextremistischen Hintergrund der Tat handelt", sagte der Sprecher der Bundesanwaltschaft. Dafür sprächen insbesondere das Vorleben des Tatverdächtigen und seine öffentlich wiedergegebenen Meinungen und Ansichten. "Wir gehen natürlich auch der Frage nach, ob und inwieweit bislang unbekannte Hintermänner oder Tatbeteiligte in die Tat eingebunden waren."

Bei einer Durchsuchung sei umfangreiches Beweismaterial sichergestellt worden, sagte der Sprecher. Das hessische Landeskriminalamt ermittle und werde dabei vom Bundeskriminalamt unterstützt.

Morddrohungen gegen Lübcke in rechtsextremem Blog

Walter Lübcke war auf der Terrasse seines Hauses im nordhessischen Wolfhagen-Istha erschossen worden.
Walter Lübcke war auf der Terrasse seines Hauses im nordhessischen Wolfhagen-Istha erschossen worden.  © DPA (Fotomontage)

Nach Informationen des Spiegels soll der tatverdächtige zumindest in der Vergangenheit auch im Umfeld der hessischen NPD aktiv gewesen sein.

Vor zehn Jahren sei er auch an Angriffen von Rechtsradikalen auf eine Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes am 1. Mai 2009 in Dortmund beteiligt gewesen. Er sei damals wegen Landfriedensbruchs zu sieben Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Seither sei er nicht mehr als extremistisch aufgefallen, berichtete der Spiegel unter Berufung auf Sicherheitskreise.

Der 65-jährige Lübcke war in der Nacht zum 2. Juni gegen 0.30 Uhr auf der Terrasse seines Wohnhauses in Wolfhagen-Istha bei Kassel entdeckt worden. Er hatte eine Schussverletzung am Kopf und starb wenig später im Krankenhaus (TAG24 berichtete).

Der Regierungspräsident war in der Vergangenheit wegen seiner Haltung zu Flüchtlingen bedroht worden. Er hatte sich 2015 auf einer Informationsveranstaltung gegen Schmährufe gewehrt und gesagt, wer gewisse Werte des Zusammenlebens nicht teile, könne das Land verlassen.

Unmittelbar nach dem Mord an Walter Lübcke war bekannt geworden, dass offenbar in einem rechtsextremen Blog zum Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten aufgerufen wurde. Auch die Privatadresse des CDU-Politikers wurde demnach in dem Blog veröffentlicht (TAG24 berichtete).

Nach seinem Tod wurde Walter Lücke auch in sozialen Netzwerken von Anhängern der rechten Szene verunglimpft und verhöhnt. Die Bürgerrechtsbewegung "Reconquista Internet" hatte auf ihrem Twitter-Kanal mehrere Screenshots derartiger Tweets zum Tod des Kasseler Regierungspräsidenten veröffentlicht.

Titelfoto: DPA (Fotomontage)

Mehr zum Thema Mord:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0