Umfrage zu Lübcke-Mord: "Wie es in den Wald hinein gerufen wird, so schallt's wieder raus"

Dresden - Entsetzen nach einer Umfrage bei Pegida. Auf einer der montäglichen Demonstrationen in Dresden machte ein TV-Team der ARD eine Umfrage zum Mordfall Lübcke. Die Antworten fielen verstörend aus.

Pegida-Demonstration und Gegendemonstranten am Neumarkt/Dresden 2018. (Archivbild)
Pegida-Demonstration und Gegendemonstranten am Neumarkt/Dresden 2018. (Archivbild)  © Oliver Killig/dpa-Zentralbild/dpa

Die zum Teil verheerenden und hasserfüllten Reaktionen der Pegida-Anhänger auf die Frage nach dem Lübcke-Mord, der von einem Rechtsextremisten begangen worden sein soll, wurden am Donnerstag im Rahmen des ARD-Magazins "Kontraste" ausgestrahlt. Das sagten einige Pegida-Anhänger in die TV-Kamera:

  • "Im Vergleich zur linksextremen Gefahr sei ein Mord, alle zwei, drei Jahre, aus irgendwelchen Hass-Gründen, relativ normal."

  • "Ja, wie es in den Wald hinein gerufen wird, so schallt's wieder raus."

  • "Für mich ist Lübcke ein Volksverräter."

  • "Bringt von den Linken mal was im Fernsehen, das sind Verbrecher!"

  • "Müssen Sie sich bei Frau Merkel bedanken, wegen Lübcke. Die hat doch den Hass auf die Politiker geschürt. Sie hat das zu verantworten!"

Auch Pegida-Chef Lutz Bachmann (46) wurde zu dem Mord an Walter Lübcke befragt, keine Reaktion von ihm. Er fragte abwertend nur ständig nach einer Schere, da er gerade versuchte, mit den Händen irgendetwas zu öffnen.

Heftige Reaktionen auf den "Kontraste"-Beitrag

Pegida-Jahrestag in Dresden. (Archivbild)
Pegida-Jahrestag in Dresden. (Archivbild)  © Oliver Killig/dpa-Zentralbild/dpa

Die Aussagen der teilnehmenden Demonstranten zu dem Mord an dem Kasseler CDU-Politiker Walter Lübcke (TAG24 berichtete) schockten nicht nur Politiker bundesweit. Besonders auch die Twitter und Facebook-Gemeinde zeigte sich entsetzt. Ein paar Reaktionen:

  • "Dresden Du schöne Stadt, das hast Du nicht verdient. Es gibt hier auch anders denkende, die ich kennen gelernt habe und sehr schätze!"

  • "Sehr erschreckend"

  • "Wenn schlichte Gemüter mit dem Gefühl nicht ausreichend gehört worden zu sein versuchen, komplexe Zusammenhänge mit einfachen Lösungen zu beantworten, dann ist 1+1=11..."

  • "Das sind keine Wutbürger, keine Verängstigten oder Perspektivlose, sondern astreine rechtsextremisitische #Gefährder. Die haben Waffen, die haben Polizisten und Soldaten in ihren Reihen, die sind eine reale Gefahr und sie planen keinen Terror, sondern den Umsturz. #Luebcke #Pegida"

Auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (58, CDU) zeigte sich auf Twitter entsetzt: "In was für Zeiten leben wir, in denen vor laufender Kamera offen ein Mord gutgeheißen wird?".

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Karl Lauterbach (56) äußerte sich besonders besorgt zu den Aussagen der Demonstranten auf Twitter "Die #Pegida Leute können einem wirklich Angst machen. Menschen, die über einen ermordeten demokratischen Politiker wie #Lübcke schadenfroh Spott absondern, sind zu allem fähig."

Der Ex-CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz (73) äußerte sich auch über Twitter: "Eine Minute, in der es einem kalt den Rücken runter läuft."

Walter Lübcke war am 2. Juni erschossen worden. Unter Verdacht steht der 45-jährige Stephan E. aus Kassel. Der Generalbundesanwalt geht von einem rechtsextremen Hintergrund aus.

Titelfoto: Oliver Killig/dpa-Zentralbild/dpa

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