Warnstreik an drei deutschen Airports: Hunderte Flüge gestrichen!

Düsseldorf/Köln/ Stuttgart - Für Flugreisende gibt es am Donnerstag unerfreuliche Nachrichten: Das Sicherheitspersonal in Düsseldorf, Köln/Bonn und Stuttgart streikt, es kommt zu zahlreichen Flugausfällen - und zwar deutlich mehr als unlängst in Berlin.

Streikende am Donnerstag am Stuttgarter Flughafen.
Streikende am Donnerstag am Stuttgarter Flughafen.  © SDMG

Der Tarifkonflikt an deutschen Flughäfen hat abermals unangenehme Folgen für Reisende. An den Airports Köln/Bonn und Düsseldorf begann in der Nacht zum Donnerstag ein Warnstreik des Sicherheitspersonals, wie zwei Gewerkschaftssprecher bestätigten. Ganztägige Arbeitsniederlegungen waren am Donnerstag zudem in Stuttgart geplant. Die Warnstreiks könnten Folgen haben für rund 110.000 Passagiere - so viele sitzen normalerweise in den Maschinen, die donnerstags an den drei Airports starten und landen.

Im Gegensatz zu anderen Standorten gibt es in Köln/Bonn kein Nachtflugverbot. Nachts ist der rheinische Airport besonders als Drehkreuz für die Frachtflieger von DHL, UPS und Fedex wichtig. Auch sie betrifft der Warnstreik - ihre Piloten und Ladungen müssen ebenfalls durch die Sicherheitschecks.

Die Streikbereitschaft in Köln/Bonn sei enorm hoch, sagte ein Verdi-Sprecher. Bereits kurz nach Streikbeginn um Mitternacht habe es Chaos an den Kontrolltoren gegeben, durch die die Lastwagen die Fracht auf das Flughafengelände bringen. Es habe Rückstaus bis zur Autobahn gegeben.

An den drei Airports sind donnerstags normalerweise rund 1040 Flugbewegungen vorgesehen. Doch in Stuttgart wurden 125 der 270 Starts und Landungen gestrichen, in Düsseldorf sogar rund 350 von 570. Auch in Köln/Bonn sollten 130 von knapp 200 Flügen ausfallen. Zudem waren andere Airports ohne Warnstreiks betroffen, da sie auf Maschinen aus den drei Städten warteten und andere Verbindungen dorthin entfallen.

Verdi fordert für die 23.000 Kontrolleure von Passagieren, Fracht, Waren und Flughafen-Beschäftigten eine bundesweit einheitliche Bezahlung von 20 Euro pro Stunde. Das wäre ein Plus im teilweise hohen zweistelligen Prozentbereich - derzeit ist die Bezahlung je nach Region und Tätigkeit unterschiedlich. Die Arbeitgeber bieten nach eigener Darstellung ein Plus von bis zu 6,4 Prozent. Für Verdi ist das zu wenig - nach Berechnung der Gewerkschaft wäre das nur ein Plus von 2 Prozent für das Gros der Beschäftigten.

Bereits zu Wochenbeginn hatte Verdi Warnstreiks an den Berliner Flughäfen ausgerufen, die aber nur wenige Stunden dauerten - etwa acht Prozent der Flüge an diesem Tag fielen aus. Am Donnerstag liegt der Anteil deutlich höher. Damit erhöht Verdi den Druck im Tarifkonflikt.

Aus der Tourismusbranche kam Kritik an der Gewerkschaft. "Das ist eine unglaubliche Zumutung für Urlauber und Geschäftsreisende, sie werden erneut in Geiselhaft genommen", sagte Norbert Fiebig, Präsident des Deutschen Reiseverbandes, der "Rheinischen Post" (Donnerstag).

Update 8 Uhr

Am frühen Morgen habe die Fluggastkontrolle in Köln/Bonn zeitweise stillgestanden. Zahlreiche Betroffene machten dem Verdi-Sprecher zufolge in Gelbwesten und etwa mit Fahnen auf ihr Anliegen aufmerksam. "Da die Airlines bereits im Vorfeld Flüge gestrichen und ihre Passagiere informiert haben, reisen die meisten betroffenen Fluggäste gar nicht erst an. Die Terminals sind deutlich leerer als sonst", erklärte am Morgen die Pressestelle des Flughafens.

Auch in Stuttgart war der Streik am Donnerstagmorgen nach Angaben eines Verdi-Sprechers "in vollem Gang". Die Schlangen seien länger als sonst. "Aufgrund der vielen Annulierungen sind allerdings auch weniger Passagiere erschienen", sagte er.

Update 11 Uhr

Auch an anderen Flughäfen haben die Warnstreiks Auswirkungen. Laut Internetseite der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH waren am Donnerstagmorgen an den Flughäfen Tegel und Schönefeld mehr als 90 Flüge betroffen - die meisten Ausfälle gab es dabei in Tegel. "Informiere dich vor deiner Anreise über den Flugstatus bei deiner Airline", twitterte der Berlin Airport Service. Am Flughafen in Hannover sind drei Anflüge und drei Abflüge ausgefallen, wie ein Sprecher des Flughafens sagte. Am Airport München entfielen laut einem Sprecher sogar etwa 100 Flüge wegen der Warnstreiks. Hier kamen wetterbedingt weitere Ausfälle hinzu.

UPDATE 16.59 Uhr

Der Warnstreik des Sicherheitspersonals am Stuttgarter Flughafen hat am Donnerstag die Reisepläne Tausender Passagiere durchkreuzt. Von den 275 Starts und Landungen, die geplant waren, hatten die Airlines 142 vorsorglich gestrichen, wie der Flughafen mitteilte. Für etwa die Hälfte der rund 25.000 erwarteten Passagiere fiel die Reise damit komplett ins Wasser. Viele, die vorab von ihrer Fluggesellschaft informiert worden waren, kamen gar nicht erst zum Flughafen. Der Rest musste vor allem am Nachmittag längere Wartezeiten bei der Abfertigung in Kauf nehmen.

Der Stuttgarter Flughafen hatte die Sicherheitskontrollen, die jeden Morgen um 4 Uhr beginnen, zentral in einem Terminal gebündelt. Normalerweise finden sie parallel in mehreren Terminals statt. Außerdem seien das Servicepersonal aufgestockt und spezielle Teams eingesetzt worden, um Fluggästen zu helfen.

Die Zahl der Passagiere am Stuttgarter Flughafen steigt seit Jahren. 2018 wurden 11,8 Millionen Fluggäste gezählt, knapp 8 Prozent mehr als im Jahr davor, wie der Airport am Donnerstag mitteilte. Die Zahl der Starts und Landungen stieg um gut 10 Prozent auf mehr als 111.000.

Neben Stuttgart waren auch die Flughäfen Köln/Bonn und Düsseldorf direkt betroffen, wo ebenfalls hunderte Starts und Landungen ausfielen. Außerdem gab es Auswirkungen auf weitere Airports, bei denen Verbindungen zu den bestreikten Zielen im Flugplan standen.

Titelfoto: SDMG


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