Polen will ausländische Kinder nicht mit Einheimischen unterrichten

Die Kinder der geflüchteten Menschen sollen in Ausländerzentren unterrichtet werden. (Symbolbild)
Die Kinder der geflüchteten Menschen sollen in Ausländerzentren unterrichtet werden. (Symbolbild)  © 123rf.com/Jasmin Merdan

Warschau - Wie die Nachrichtenplattform "Interia Fakty" und die Tageszeitung "Gazeta Prawna" melden, plant Polen die Einrichtung so genannter "Pädagogischer Ghettos" für geflüchtete Kinder.

Anstatt die Minderjährigen gemeinsam in Schulen mit polnischen Kindern zu unterrichten, soll ihre Ausbildung in Ausländer-Zentren stattfinden. Experten schlagen deshalb Alarm: Es sei der "Anfang der Ausgrenzung aus der Gesellschaft", berichtet "Interia".

Die neue Verordnung wurde vom polnischen Ministerium für Inneres und Verwaltung sowie der Ausländerbehörde ausgearbeitet. Sie begründen das Projekt damit, dass die polnischen Schüler vom Lernen abgehalten werden, wenn auch Geflüchtete in den Klassen sind.

Außerdem würden die ausländischen Kinder den Ablauf des Lehrplans verzögern, nicht alle erforderlichen Arbeitsmaterialien mitbringen und einen negativen Einfluss auf die polnischen Altersgenossen haben, heißt es in der Begründung weiter.

Die polnischen Kinder sollen ebenfalls unter sich bleiben. (Symbolbild)
Die polnischen Kinder sollen ebenfalls unter sich bleiben. (Symbolbild)  © 123rf.com/dolgachov

Das Innenministerium will so den Behörden vor Ort die Möglichkeit geben, die Beschulung von Migrantenkindern an die Ausländerzentren abzugeben. Gleichzeitig werde das Problem überfüllter Klassen gelöst.

Gleichzeitig werde mit dem getrennten Unterricht später eine "reibungslose Anpassung in einer polnischen Schule" ("Interia") ermöglicht. Die Entscheidung, ob ein geflüchtetes Kind in eine Schule kommt oder zuerst im Ausländerzentrum unterrichtet wird, werde von der Kommunalverwaltung und der Ausländerbehörde gemeinsam getroffen.

Schockiert über die Pläne äußerte Krystyna Starczewska, Mitbegründerin der ersten Sozialgymnasiums in Polen, am Montag: "Es ist eine makabere Idee". Sie kritisierte, dass es für die Behörden eine bequeme Lösung sei, um Menschen loszuwerden, die als schwierig gelten.

Als fatal bezeichnete Tomasz Jurkiewicz die Pläne. Der Kommunalpolitiker aus Wohyń arbeitet seit zehn Jahren in einem Ausländerzentrum. Er warnte, dass diese Form der Isolation die Integration der Migranten zusätzlich erschweren werde.

Titelfoto: 123rf.com/Jasmin Merdan


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0