Warum eine Mexikanerin in Sachsens Provinz anheuert

Riesa - Gut ausgebildet und begehrt: Ivette Velázquez (29) verließ ihre Heimat Mexiko, um in Sachsens Provinz als Pflegerin zu arbeiten. Doch warum? Weil sie und ihr Wissen als Pflegekraft hier dringend gebraucht werden!

Heimleiter Stefan Lux (43) und Ivette Velàzquez (29) bei der Tagesplanung. Sie gehört nun dauerhaft zum Team.
Heimleiter Stefan Lux (43) und Ivette Velàzquez (29) bei der Tagesplanung. Sie gehört nun dauerhaft zum Team.  © Petra Hornig

Anfang des Jahres kam Ivette ins Azurit-Seniorenzentrum Riesa. "Da aktuell bereits immenser Fachkräftemangel herrscht und weitere Zuspitzung in der Branche droht, ist völlig klar, dass es nicht ohne Zuwanderung gehen wird", sagt Heimleiter Stefan Lux (43). 

Deshalb unterstützt er das Projekt. Mehr als 25 Pflegekräfte aus Mexiko arbeiten derzeit in Sachsen und Bayern für die Azurit-Gruppe.

"Ich wollte immer in einem anderen Land arbeiten", sagt Ivette Velázquez. Sie hat in Mexiko Krankenpflege studiert. 

"Eigentlich habe ich drei Jahre Englisch gelernt, um in ein englischsprachiges Land auszuwandern." Am Ende wurde es aber Deutschland. "Meine Uni brachte mich mit diesem Heim zusammen."

In Riesa wurde Ivette liebevoll aufgenommen. "Alle empfingen mich mit viel Herzlichkeit und Geduld, vor allem, wenn es mit der Sprache manchmal noch nicht auf Anhieb klappt." Auch die Bewohner haben die Mexikanerin bereits ins Herz geschlossen.

"Wer nur nach Geld sucht, für den ist das hier nichts"

Einmal Sachsen und nicht zurück: Ivette hat ihre Heimat mit Riesa getauscht.
Einmal Sachsen und nicht zurück: Ivette hat ihre Heimat mit Riesa getauscht.  © Petra Hornig

Um überhaupt in Riesa arbeiten zu können, musste die junge Fachkraft noch einmal büffeln: Einen B2-Sprachkurs und eine Abschlussprüfung zur Anerkennung ihres Abschlusses galt es zu absolvieren.

Beides bestand Ivette, dennoch musste sie Monate auf ihre Anerkennung warten. "Ende Juni war die Prüfung abgelegt, erst Ende September kam die Anerkennung", so Heimleiter Lux. "Drei Monate, in denen wir alle auf die Arbeitserlaubnis warten mussten. Das ist zu lang."

Ivette ist trotz langer Wartezeit froh über die Chance, sie liebt ihren Beruf. "In Mexiko heißt es, Pflegekräfte sollten Mütter, Freunde, Psychologen, Mathematiker und Engel sein. Wer also nur nach Geld sucht, für den ist das hier nichts."

Kommentar: Die Mühlen der Bürokratie erschweren den Fachkräftemangel

Die mexikanische Pflegerin mit Bewohnerin Erika Sacher (85): Schon nach kurzer Zeit hatte sich Ivette im Riesaer Heim integriert.
Die mexikanische Pflegerin mit Bewohnerin Erika Sacher (85): Schon nach kurzer Zeit hatte sich Ivette im Riesaer Heim integriert.  © Petra Hornig

Das Wort "Fachkräftemangel" schwebt schon seit Jahren über etlichen Berufsbranchen. Insbesondere in der Pflege ist der Mangel aber schon heute eklatant. 

Zu wenige Menschen wollen in diesem Bereich arbeiten, die Anreize sind viel zu gering. Dafür sind Verantwortung und Arbeitsbelastung hoch.

Die (temporäre) Lösung: Fachkräfte aus dem Ausland. Das Beispiel aus Riesa zeigt einmal mehr, dass es funktionieren kann. Und leider zeigt es auch zum wiederholten Male, dass die Mühlen der Bürokratie oftmals langsam mahlen.

Das Problem ist nicht neu. Und doch ändert sich einfach nichts daran. Gut ausgebildete junge Leute, die motiviert nach Sachsen kommen, um hier in ihrem Traumberuf zu arbeiten, werden jäh ausgebremst. 

Nicht, weil sie Unterlagen nicht eingereicht oder Prüfungen nicht bestanden haben. Sondern schlicht und einfach, weil die zuständigen Ämter wie in diesem Fall drei Monate brauchen, um die Arbeitserlaubnis auszustellen.

Drei Monate, in denen die junge Frau bereits hätte arbeiten und ihre neuen Kollegen unterstützen können. Da besteht Nachbesserungsbedarf - und zwar schnell.

Titelfoto: Petra Hornig

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