PEGIDA-Frontmann von Tillich auf Party eingeladen

Siegfried Däbritz veröffentlichte seine Einladung bei Facebook.
Siegfried Däbritz veröffentlichte seine Einladung bei Facebook.

Von Juliane Morgenroth und Matthias Kernstock

Dresden - Aufruhr wegen eines Briefes: Die sächsische Staatskanzlei hat PEGIDA-Frontmann Siegfried Däbritz (40) zu einer Dankes-Party für Flüchtlingshelfer eingeladen.

2000 Einladungen wurden für die Veranstaltung im Stadion der Dresdner Eislöwen am Freitag verschickt. Eine davon ging ausgerechnet an ein Mitglied aus dem PEGIDA-Orgateam.

Siegfried Däbritz veröffentlichte die Einladung auf Facebook: "Ich beginne mir Sorgen zu machen, ich meine, ich helfe gerne und viel, seit Oktober 2014 helfe ich intensiv zur Aufklärung beizutragen, aber dass ich deswegen jetzt eingeladen werde, überrascht mich dann doch etwas."

Doch ob es sich dabei um einen Fehler der Staatskanzlei handelt, oder der PEGIDA-Frontmann bewusst eingeladen wurde, ist noch völlig unklar.

Wie ein Sprecher gegenüber MOPO24 sagte, werde der Vorfall gerade geprüpft. "Wir haben die Landkreise gebeten, uns Vorschläge für die Gästeliste zu machen", so Ralph Schreiber, Sprecher der Staatskanzlei. Anschließend seien die Einladungen verschickt worden.

Unterdessen teilte das Landratsamt Meißen (in diesem Kreis wohnt Däbritz) auf MOPO24-Anfrage mit, dass der PEGIDA-Frontmann nicht auf ihrer Gäste-Vorschlagsliste gestanden habe. Das Rätselraten geht also weiter...

Zu der Dankes-Veranstaltung am Freitag werden rund 2000 Frauen und Männer aus ganz Sachsen erwartet. Darunter sind Mitarbeiter und ehrenamtliche Helfer aus allen Teilen des Freistaates, Ärzte der Gesundheitszentren, Kommunalpolitiker, Landräte und Landtagsabgeordnete.

Diese Party wird in diesem Jahr den Neujahrsempfang des Ministerpräsidenten ersetzen.

UPDATE 16:45 Uhr:

Am Nachmittag reagierte die Staatskanzlei mit folgender Erklärung:

"Der Landkreis Meißen hat der Staatskanzlei eine Adressdatei zur Verfügung gestellt, in der Herr Däbritz nicht enthalten war. Es ist somit davon auszugehen, dass Herr Däbritz

1. über eine Institution bzw. einen Dritten die Einladung erhalten und sich mit dieser angemeldet hat oder

2. eine dritte Person eigenständig Herrn Däbritz für diese Veranstaltung angemeldet hat, was im Nachgang zu einer Zusendung einer Eintrittskarte führte.

Da sich Herr Däbritz in seinem Facebook-Eintrag am 18. Februar 2016 über die Zusendung einer Eintrittskarte überrascht zeigte, kann davon ausgegangen werden, dass er sich nicht selbst angemeldet hat.

Der Sinn und Zweck der Dankesveranstaltung war und ist es, genau den Mitarbeitern und Helfern für ihren massiven täglichen Einsatz ein Zeichen des Dankes und der Anerkennung auszusprechen. Ehrenamtliches Engagement für Flüchtlinge lässt sich mit fremden- oder islamfeindlicher Haltung nicht vereinbaren. Deshalb ist Herr Däbritz auf dieser Veranstaltung nicht willkommen.

Dass es im Zuge des gewählten Einladungsverfahrens zu einem derartigen Zwischenfall kommen konnte, bedauern wir sehr.“

UPDATE 12:51 Uhr:

Die Staatsregierung teilte über Twitter mit, dass Däbritz auf der Veranstaltung nicht willkommen sei.

CDU-Ministerpräsident Stanislaw Tillich (56, r.) weilte am Mittwoch noch in Polen.
CDU-Ministerpräsident Stanislaw Tillich (56, r.) weilte am Mittwoch noch in Polen.

Fotos: facebook.com, dpa, screenhshots Chanel 5


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0