Was den alten Sachsen vor 7000 Jahren in den Brunnen fiel

Groitzsch - Fast vier Jahre lang haben sich Archäologen durch zwei Brunnen aus der Jungsteinzeit gegraben. Dabei machten sie sensationelle Funde, die am Mittwoch der Öffentlichkeit präsentiert wurden. Die 7 000 Jahre alten Utensilien dokumentieren, wie die Ur-Sachsen lebten.

Er grub sich zentimeterweise durch fünf Meter Brunnenerde: Grabungsleiter Frank Schell sitzt im untersten Abschnitt des 7000 Jahre alten Holzbrunnens.
Er grub sich zentimeterweise durch fünf Meter Brunnenerde: Grabungsleiter Frank Schell sitzt im untersten Abschnitt des 7000 Jahre alten Holzbrunnens.  © dpa/ Sebastian Willnow

Sie kamen aus Kleinasien und siedelten sich Ende des 6. Jahrtausends vor Christi quasi als allererste Sachsen südlich der heutigen Stadt Leipzig an.

Bei archäologischen Grabungen im Vorfeld des Tagebaus Peres kamen die Reste ihrer Siedlung zum Vorschein, darunter mehrere Brunnen. Den ältesten datierten Dendrochronologie-Experten anhand der Jahresringe im Eichenholz auf das Baujahr 5134 v. Ch.

Diesen und einen weiteren Brunnen bargen die Archäologen im Block, hievten beide in eine Lagerhalle bei Groitzsch und arbeiteten sich dort Zentimeter für Zentimeter durch die Erdschichten.

Zum Vorschein kamen zwölf vollständige Linienbandkeramik-Gefäße, vier Schöpfgefäße aus Rinderbast, die den Menschen vor 7 000 Jahren beim Wasserholen entglitten waren, und ein Rehkitz-Skelett aus dieser Zeit.

Erste Sachsen waren Bauern

Sachsens Landesarchäologin Regina Smolnik spricht von "sensationellen Funden".
Sachsens Landesarchäologin Regina Smolnik spricht von "sensationellen Funden".  © Ralf Seegers

"Eine Sensation sind zwei Gefäße, die mit auf Birkenpech aufgeklebten, filigranen Birkenrindenbändern verziert wurden", erzählt Landesarchäologin Regina Smolnik.

Gearbeitet wurden sie vermutlich mit kleinen Steinmessern. In einem anderen Gefäß fanden sich Hunderte Brombeerkerne. Unter Sauerstoffabschluss blieben auch Pollen und tote Käfer erhalten, die den Forschern wertvolle Umweltinformationen geben können.

Und wer waren die ersten Sachsen? "Ackerbauern, die Emmer, Einkorn, Mohn und Bilsenkraut anbauten", erklärt Grabungsexperte Harald Stäuble anhand der Funde. Und handwerklich begabt war der Ur-Sachse!

Für Haus- und Brunnenbauten fällte er mit seinem Steinbeil dicke Eichen und ritzte daraus Balken zurecht, die sieben Jahrtausende überdauerten.

Diese verzierten Keramikgefäße warfen die Ur-Sachsen vor 7000 Jahren in den Brunnen, oder sie entglitten ihren Händen.
Diese verzierten Keramikgefäße warfen die Ur-Sachsen vor 7000 Jahren in den Brunnen, oder sie entglitten ihren Händen.  © Ralf Seegers

Mehr zum Thema Leipzig Kultur & Leute:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0