Was denkt der Aue-Präsident über die VW-Krise?

Eines der Autohäuser von Helge Leonhardt.
Eines der Autohäuser von Helge Leonhardt.

Von Thomas Nahrendorf

Chemnitz - Helge Leonhardt (56) ist Präsident des FC Erzgebirge Aue und mit seinem Zwillingsbruder Uwe Chef der Leonhardt-Group. Beide haben VW-Autohäuser in Aue, Bad Schlema und Ronneburg sowie das Audi-Zentrum Chemnitz. Mit ihm sprach die MOPO über die VW-Krise, über im Raum stehende 18 Milliarden Euro Strafe, Kursverluste - und wie er die Situation zu spüren bekommt.

MOPO: Wie schafft der Konzern den Schritt aus der Krise?

Helge Leonhardt: „Durch Tempo bei einer sorgfältigen Aufklärung. Er muss dabei transparent sein, darf nicht mauern. Er hat den Fehler begangen. Sämtliche betroffene Autos müssen umgerüstet werden. VW muss schleunigst mit diesem Thema aus den Medien verschwinden. Ein kleineres Unternehmen wäre jetzt tot, aber VW schafft das. Es ist immer noch ein Vorzeige-Konzern. Aber ich warne jetzt davor, mit dem Finger nur auf VW zu zeigen. Andere Konzerne sitzen auch im Glashaus und sollten nicht mit Steinen werfen. Die Scheiben sind dünn und gehen schnell kaputt ...“

VW-Autohausbesitzer Helge Leonhardt (56) beantwortet Fragen verunsicherter Kunden gern ausführlich.
VW-Autohausbesitzer Helge Leonhardt (56) beantwortet Fragen verunsicherter Kunden gern ausführlich.

MOPO: Der Skandal wurde in den USA just in dem Moment aufgedeckt, als dort der neue Passat vorgestellt wurde. Zufall?

Helge Leonhardt: „Möglicherweise. Die Manipulation hat VW begangen, die USA versuchen, das jetzt für sich zu nutzen. Der Automarkt dort ist knüppelhart, äußerst brutal. Ford und General Motors schwächeln, die deutschen Marken preschen vor. Ein Verdrängungswettbewerb. Da kam es den Amerikanern gelegen, den Deutschen eins überzuziehen, um uns zu schwächen und ihre eigene Wirtschaft zu stärken.“

MOPO: Wird es Ihnen gelingen?

Helge Leonhardt: „Glaube ich persönlich nicht, obwohl die Amerikaner sehr rigoros in solchen Dingen sind. Die sprechen Strafen aus, die sind in Europa so nicht möglich. Aber: Die Verhältnismäßigkeit passt nicht. General Motors musste im Vorjahr 900 Millionen Dollar Strafe bezahlen, weil durch defekte Zündschlösser knapp 200 Menschen ums Leben kamen. VW soll jetzt für gefälschte Abgaswerte das Zwanzigfache zahlen - seltsam.“

MOPO: Merken Sie in Ihren Autohäusern schon Umsatzeinbrüche?

Helge Leonhardt: „Nein, bisher noch nicht. Ausschließen kann ich es aber auch nicht. Es gibt bisher nur vereinzelt verunsicherte Kunden. Ihre Fragen beantworten wir ausführlich. Sie sind sehr loyal.“

MOPO: Wenn jetzt Kunden auf Sie zukommen: Würden Sie zum Kauf eines VWs raten?

Helge Leonhardt: „Natürlich. Der VW ist immer noch ein zuverlässiges Auto. Das ist deutsche Wertarbeit. Schauen Sie: Die Kunden fragen nach dem Preis, der Ausstattung und nach dem Verbrauch. Die Abgaswerte spielen kaum eine Rolle.“

MOPO: Was passiert mit betroffenen Autos, die zum TÜV müssen?

Helge Leonhardt: „VW wird bei den Autos die neue Software gleich einbauen. Da gibt es keine Probleme.“

Fotos: S. Sonntag/Picturepoint, Uwe Meinhold


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