Was ist der "Equal Pay Day" und warum ist er für Frauen und die Wirtschaft so wichtig?

Hamburg - Am heutigen Montag, dem 18. März 2019, ist "Equal Pay Day", denn in diesem Jahr haben Frauen bis zu diesem Datum wieder quasi gratis gearbeitet.

Falsche 79-Euro-Noten, die das Minus von Löhnen bei Frauen im Vergleich zu einer 100-Euro-Bezahlung von Männern symbolisieren sollen.
Falsche 79-Euro-Noten, die das Minus von Löhnen bei Frauen im Vergleich zu einer 100-Euro-Bezahlung von Männern symbolisieren sollen.  © DPA

Die aktuell vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Zahlen zeigen nämlich, dass es im Jahr 2019 keine Veränderung bei der sogenannten "Gender Pay Gap" gab – also der Einkommenslücke zwischen Frauen und Männern.

Hinter den ganzen Anglizismen versteckt sich also der Tag der Lohngleichheit. Der soll die Debatte über geschlechtsspezifische Unterschiede, die das Einkommen betreffen und bei denen Frauen bis heute immer noch schlechter abschneiden, ankurbeln. Die Zahlen für Deutschland (2017) machen deutlich, dass Frauen etwa 21 Prozent weniger verdienen als Männer.

Das heißt: Frauen verdienen hierzulande im Schnitt gut ein Fünftel weniger ihre männlichen Kollegen. Sie haben oft schlechter bezahlte Jobs und treten für die Familie kürzer. Vor allem im Westen ist der Gehaltsabstand zu den Männern groß.

Deshalb gibt es bereits seit über einem Jahrzehnt (!) den "Equal Pay Day", kurz EPD. Der markiert symbolisch den Tag eines Jahres, bis zu dem Frauen im Vergleich zu Männern kein Einkommen verdient haben und dementsprechend umsonst arbeiteten.

Initiiert wurde die Einführung des Equal Pay Day in Deutschland 2008 von einem großen Berufsnetzwerk für Frauen, dem "Business and Professional Women Germany e.V.". Der beschäftigt sich beispielsweise mit der Kernfrage, wie die Arbeitsleistung von Frauen und Männern fair bewertet werden könnte. Außerdem geht es dem Verband darum, wie bei gleicher Arbeit auch gleiche Verdienstchancen für alle Arbeitnehmer geschaffen werden können, egal welchem Geschlecht sie angehören.

"Fakt ist: Mit einem durchschnittlichen Verdienstabstand von 22 Prozent liegen die Erwerbseinkommen der Frauen deutlich hinter denen ihrer männlichen Kollegen. Deutschland hat besonderen Handlungsbedarf, da es im EU-Vergleich an viertletzter Stelle liegt", heißt es auf der Internetseite des Netzwerks.

Am Equal Pay Day 2017 machte der DGB in Hamburg auf die Ungleichheiten bei der Bezahlung von Männern und Frauen aufmerksam. Auch 2019 gibt es wieder einen Tag der Lohngleichheit.
Am Equal Pay Day 2017 machte der DGB in Hamburg auf die Ungleichheiten bei der Bezahlung von Männern und Frauen aufmerksam. Auch 2019 gibt es wieder einen Tag der Lohngleichheit.  © DPA

Der Grund für den noch immer großen Unterschied: Frauen seien oft in Branchen mit einer niedrigen Bezahlung, seltener als Männer in Führungspositionen und häufiger in Teilzeit beschäftigt, erklärte der Landesfrauenrat Thüringen.

Aber auch wenn Frauen mit der gleichen Qualifikation die gleiche Tätigkeit wie Männer ausübten, hätten sie reale (Anm. der Red.) Einkommensabschläge von im Schnitt sechs Prozent, habe eine Studie zur Einkommenslücke ergeben.

Der Equal Pay Day soll also für mehr Gerechtigkeit sorgen, in dem er das Problem der "Gender Pay Gap" anmahnt. Außerdem soll ein konstruktiver Dialog rund um das Thema Lohngleichheit gefördert werden, wobei Arbeitnehmer/innen und Unternehmer/innen gleichermaßen gefordert sind. Denn die Einkommensunterschiede wirkten sich laut dem Verband indirekt auf die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes aus.

Die Ziele des "Equal Pay Day":

  • Reduzierung der Lohnschere in Deutschland
  • Gleiche Verdienstchancen schaffen
  • Schärfung des Bewusstseins für das Problem
  • Mobilisierung aller beteiligten Akteure

Deshalb gibt es heute deutschlandweit zahlreich Aktionen, die über das Thema der scheinbar ungerecht verteilten Löhne in Deutschland informieren, aber auch zu Veränderung motivieren sollen. Viele Events, die in Norddeutschland zum EPG stattfinden, findet ihr auf dieser "Aktionskarte für ganz Deutschland". Auf dem sozialen Netzwerk Facebook finden sich zudem Veranstaltungen, Workshops, Meetings und Demonstrationen in Hamburg und Umgebung, aber auch in Lübeck und in Wismar.

Weniger Einkommen führt zu weniger Investitions-Spielraum und Konsum und somit auch zu einer verminderten Rücklagenbildung und Vorsorge. Und das ist schlecht für die Frauen und für die Wirtschaft.

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