Was läuft schief im Urlaubsland Sachsen, Herr Goller?

Hans-Jürgen Goller (64), Geschäftsführer der Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen.
Hans-Jürgen Goller (64), Geschäftsführer der Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen.

Von Torsten Hilscher

Dresden - Reiseland Sachsen. Der Freistaat ist unter den Top 7 bundesweit, als Kulturziel liegt er auf Platz 1. Aber es sind Weiterentwicklungen nötig, sagt Sachsens oberster Touristiker, Hans-Jürgen Goller (64), im Interview.

MOPO24: Wie steht‘s um unsere Internationalität?

Goller: Es gibt noch Luft nach oben. Zudem werden wir uns um Kunden kümmern müssen, bei denen Englisch allein nicht reicht - Inder und Chinesen. Das sind sehr anspruchsvolle, schwierige Gästegruppen. Das erfordert vor allem Anstrengungen für die Hotels: ein chinesischer oder ein Mandarin sprechender Mitarbeiter, freies W-Lan und Wasserkocher in allen Zimmern, eine warme, landestypische Mahlzeit früh.

MOPO24: In welchem Bereich ist Sachsen eher unglücklich dran?

Goller: Beim Familienurlaub. Die Gruppe spielt leider keine große Rolle, trotz sehr guter Angebote, vor allem im Erzgebirge, dem Vogtland und der Lausitz. Da liegen wir zu weit entfernt von den einwohnerstarken Quellmärkten Rhein-Ruhr, Rhein-Main, Baden-Württemberg.

MOPO24: Die Sächsische Schweiz hat Gäste verloren, warum?

Goller: Der Rückgang vor allem im Juni muss vor dem Hintergrund sehr hoher Zuwächse im Juni 2014 gesehen werden. Generell ist es in der Sächsischen Schweiz so, dass sie von Ostern bis Herbst eine sehr hohe Auslastung der Zimmer aufweist. Von Ende Oktober bis Ostern ist das Interesse mit Ausnahme Weihnachten-Neujahr dann gering. Sie ist eben eine typische Outdoor-Destination, aber ohne die Wintersportangebote, wie sie zum Beispiel das Erzgebirge hat.

MOPO24: Wenn Sie sich was wünschen dürften für Sachsen.

Goller: Ich wünsche mir, dass wir Anlagen wie die LandalGreenParks hätten, Bungalowsiedlungen für Familien. Nur zwei, und wir bekämen locker doppelt so viele Niederländer zur Übernachtung.

Zudem muss das Lausitzer Seenland eine vernünftige Infrastruktur bekommen! Dort fehlen auch große Ferienhaussiedlungen.

Der Geierswalder See. Hier fühlen sich Touristen wohl. Aber es bräuchte noch große Ferienhaussiedlungen eines namhaften Betreibers, fordert Goller.
Der Geierswalder See. Hier fühlen sich Touristen wohl. Aber es bräuchte noch große Ferienhaussiedlungen eines namhaften Betreibers, fordert Goller.
Hotel „Elbresidenz“ in Bad Schandau. „Dieses Flaggschiff fehlt“, sagt Sachsens Tourismus-Chef. Es soll erst April 2016 wieder öffnen.
Hotel „Elbresidenz“ in Bad Schandau. „Dieses Flaggschiff fehlt“, sagt Sachsens Tourismus-Chef. Es soll erst April 2016 wieder öffnen.
Leipzig feiert 2015 sein Tausendjähriges. Sachsens Tourismus- Chef Goller aber fehlen die Highlights.
Leipzig feiert 2015 sein Tausendjähriges. Sachsens Tourismus- Chef Goller aber fehlen die Highlights.

Fotos: imago, Rainer Weisflog, Peter Ending, Marko Förster,Eric Münch


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0